Die Iran-Krise treibt die Gaspreise weiter nach oben. Seit Monatsbeginn hat der Gaspreis den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht. Der Frontmonatskontrakt am TTF stieg erstmals seit Ende 2022 über die Marke von 90 Euro je Megawattstunde (MWh) und erreichte 90,15 Euro. Gegenüber dem Vortag entspricht das einem Anstieg von rund zwei Prozent.
Iran-Krise treibt TTF-Preis
Seit Jahresbeginn hat sich der Preis für europäisches Erdgas in etwa verdreifacht. Zuletzt stiegen die Notierungen zu Beginn des Ukraine-Kriegs ähnlich stark. Damals kletterten sie allerdings noch deutlich höher – auf mehr als 300 Euro je MWh.
Angriffe und Wetter erhöhen die Unsicherheit
Laut einer Analyse der Enerchase-Experten hat die Zahl der Schiffsattacken in der Straße von Hormus ein Rekordniveau erreicht. Im Oktober registrierten die Behörden demnach bereits 26 Sicherheitsvorfälle – nach 17 im September und 24 im März, dem ersten Kriegsmonat. Gleichzeitig bleiben die Wetterprognosen wechselhaft und deuten auf tendenziell kühlere Temperaturen hin.
Deutschland verstärkt Speichervorsorge
Experten sehen einen weiteren Grund für den Preisanstieg an den Gasmärkten im verstärkten Auffüllen der Gasspeicher vor dem Winter. Vor allem Deutschland als größte europäische Volkswirtschaft bemüht sich derzeit, seine Gasreserven zu erhöhen. Weil die Marktmechanismen aktuell keine ausreichenden Anreize für die Befüllung bieten, greift der Staat ein. Im September wies das Wirtschaftsministerium das staatliche Unternehmen Securing Energy for Europe (Sefe) an, zusätzliches Gas für die Speicher zu beschaffen.
Das setzte zusätzliche bullische Marktimpulse. Zudem befindet sich ein Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zur nationalen Gasreserve derzeit in der Ressortabstimmung. Die Reserve soll 24 Terawattstunden umfassen und der Krisenvorsorge dienen – etwa bei extremen Importausfällen, Sabotage oder anderen seltenen Großereignissen.
Gasspeicherstände unter dem Vorjahresniveau
Laut der Plattform AGSI-Storage sind die europäischen Gasspeicher derzeit zu 74,58 Prozent gefüllt. Die deutschen Speicher erreichen einen Füllstand von 61,15 Prozent – mit steigender Tendenz. Zum Vergleich: Am 20. Oktober vergangenen Jahres lagen die europäischen Gasspeicher bei 82,4 Prozent, die deutschen bei 75,47 Prozent.
Die steigenden Gaspreise treiben auch die Strompreise nach oben. Sinkende CO2-Preise dämpften den Anstieg in der vergangenen Woche jedoch etwas, schreiben die Enerchase-Analysten.

