Der Gaspreis am TTF-Hub legt zu und Experten warnen vor leeren Gasspeichern.

Der Gaspreis am TTF-Hub legt zu und Experten warnen vor leeren Gasspeichern.

Bild: © AdobeStock/Chotijah

Der Gaspreis setzt seinen Höhenflug fort. Beflügelt von den niedrigen Temperaturen erreichte der Frontmonat-Kontrakt am TTF-Hub zum Wochenstart 43,15 Euro je Megawattstunde (MWh). Das entspricht einem Anstieg von 7,7 Prozent gegenüber dem vergangenen Freitag. Innerhalb eines Tages ging der Preis nach unten unter die 40-Euro-Marke je MWh.

Damit setzt sich der bullishe Trend am Gasmarkt fort. Seit Jahresbeginn hat sich der TTF-Preis um mehr als 50 Prozent erhöht. Meteorologische Modelle und längerfristige Prognosen deuten darauf hin, dass Europa vor einer Phase mit unterdurchschnittlichen Temperaturen steht – es wird tendenziell kälter als für die Jahreszeit üblich.

BMWE beruhigt

Vonseiten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) hieß es auf ZFK-Anfrage: Das Ministerium "beobachtet natürlich die Lage sehr genau und steht in regelmäßigen Kontakt mit der Branche, insbesondere mit dem Marktgebietsverantwortlichen THE, den FNB Gas, der Bundesnetzagentur sowie innerhalb des regelmäßig tagenden deutschen Krisenteam Gas und in der europäischen Gas-Koordinierungs-Gruppe". Insgesamt sei die Gasversorgung sichergestellt. "Dies wird auch von der Bundesnetzagentur bestätigt", hieß es aus Berlin.

Kalte Temperaturen führen zu einem höheren Gasverbrauch – entsprechend geraten auch die Gasspeicher unter Druck. Laut der europäischen Datenplattform für Gasspeicherstände AGSI (Aggregated Gas Storage Inventory) sind die deutschen Gasspeicher derzeit zu 37,49 Prozent gefüllt. Europaweit liegt der durchschnittliche Speicherfüllstand bei 45,59 Prozent.

Zusätzlichen Auftrieb erhielt der europäische Gaspreis zuletzt durch die Entwicklung in den USA. Dort stiegen die Gaspreise deutlich, was auch die Notierungen am TTF mit nach oben zog. In den Vereinigten Staaten wütet derzeit einer der verheerendsten Winterstürme der vergangenen Jahre. Am Sonntag waren zeitweise rund eine Million Menschen von Stromausfällen betroffen, berichtete die dpa.

Kälte und weitere Preistreiber

Neben der Witterung wirken auch geopolitische Risiken immer wieder als Preistreiber am Gasmarkt. Zuletzt hatte unter anderem die angespannte Lage im Iran die Sorge vor einer Eskalation in der gesamten Region geschürt. Zudem verweisen Marktbeobachter auf eine steigende Nachfrage in China, dem weltweit größten LNG-Abnehmer.

Reichen die Speicherstände für den Winter? "Wir bewegen uns vermutlich zwischen dem Basis- und dem angespannten Szenario", sagte Marktexperte Dennis Warschewitz von Enerchase im Interview mit der ZFK. Er bezog sich damit auf die Szenarien der Initiative Energien Speichern (Ines), die mögliche Entwicklungen der Gasversorgung im Winter analysiert.

Bei extremer Kälte werden Importmöglichkeiten über Grenzübergangspunkte sowie LNG-Terminals maximal ausgeschöpft.

Sebastian Heinermann, Ines

Trotz eines Speicherstands von rund 75 Prozent zu Beginn der Wintersaison ging Ines nur im Fall eines extrem kalten Winters von einer vollständigen Entleerung der Gasspeicher aus – und zwar bereits Mitte Januar. "Im Fall extrem niedriger Temperaturen gehen die Modellierungen davon aus, dass die Importmöglichkeiten über Grenzübergangspunkte sowie LNG-Terminals maximal ausgeschöpft werden", erläuterte Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von Ines, im November 2025.

Mit anderen Worten: Selbst wenn der politische Wille vorhanden wäre, würden die technischen Kapazitäten nicht ausreichen, um eine Gasmangelsituation vollständig abzufedern. Insbesondere bei den LNG-Terminals ging Ines sogar von einer Vollauslastung über den gesamten Zeitraum aus.

LNG-Lieferungen auf hohen Niveau

Bereits jetzt laufen die Gasimporte auf einem hohen Niveau. Laut Auswertung des Daten- und Beratungsunternehmens Ganexo wurden bis zum 23. Januar rund 112 Terawattstunden Erdgas aus den europäischen LNG-Terminals regasifiziert – der höchste jemals gemessene Wert, rund 17 Prozent mehr als im Januar 2025. Hinzu kommen über 100 LNG-Lieferungen im laufenden Monat, womit der Vorjahreswert von 123 Lieferungen im Januar 2025 möglicherweise übertroffen wird.

In diesem Szenario würde Deutschland den Winter zum 31. März mit einem Speicherstand von rund 20 Prozent beenden. Das läge deutlich unter dem Niveau nach dem Krisenwinter 2022 (26,64 Prozent) und würde die Gaswirtschaft vor erhebliche Herausforderungen stellen – insbesondere mit Blick auf die Mindestfüllziele für den Winter 2026/27.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper