Die Strompreise im Terminhandel steigen deutlich.

Die Strompreise im Terminhandel steigen deutlich.

Bild: © Jan Woitas/dpa

Der Frontjahrkontrakt setzt seinen Höhenflug fort. Der gehandelte Preis für Cal-2027 am 15. Juli in Höhe von 104,50 Euro je Megawattstunde (MWh) bedeutet den Höchststand seit fast drei Jahren. Zuletzt bewegte sich der Strompreis am langen Ende auf diesem Niveau Anfang Dezember 2023.

Der Senior-Market-Analyst bei Montel Analytics, Sebastian Ligewie, sieht in der bullischen Entwicklung insbesondere den Einfluss der zunehmenden Spannungen am globalen Gasmarkt. "Die anhaltende Eskalation des Iran-Konflikts und die Blockade der Straße von Hormus sorgen für erhebliche Nervosität", sagte er im Gespräch mit der ZFK. Mittlerweile wachse das Risiko zusätzlich, da die wiederkehrenden Einschränkungen des Schiffsverkehrs zu einer tatsächlichen Verknappung auf den Weltenergiemärkten führten.

Ebenfalls als preistreibend sieht Ligewie die zunehmende Sorge um die Füllstände der europäischen Gasspeicher, die unter Umständen vor dem Winter ihre Füllvorgaben verpassen könnten. Das führe dazu, dass die Märkte höhere Risikoprämien einpreisen, führte der Marktexperte weiter aus. Die bullische Stimmung ließ den TTF-Frontmonatskontrakt an der ICE auf mehr als 54 Euro/MWh steigen. Auch das TTF-Frontjahr zog auf über 42 Euro/MWh an.

Iran-Konflikt hinterlässt deutliche Spuren

Mit der Eskalation des Iran-Konflikts seit Ende Februar 2026 legten zunächst die Ölpreise im globalen Handel zu, ihnen folgte der Gaspreis und dann auch der Strompreis. Das macht sich deutlich in den Preiskurven am langen Ende bemerkbar. Direkt zu Beginn des Konflikts lag das Niveau Anfang März zunächst noch bei gut 81 Euro/MWh, drehte dann aber zügig nach oben und erreichte im weiteren Verlauf neue Hochs. Im Zeitraum nach Ende Februar liegt die Spanne zwischen 81,47 Euro/MWh und 104,50 Euro/MWh (15. Juli).

Sebastian Ligewie ist Analyst bei Montel Analytics.Bild: @ Montel Analytics

Problematisch ist vor allem, dass derzeit keine nachhaltige Lösung des Konflikts in Sicht ist.

Sebastian Ligewie

Senior Market Analyst bei Montel Analytics

Keine Lösung in Sicht

Ligewies Ausblick fällt pessimistisch aus: "Problematisch ist vor allem, dass derzeit keine nachhaltige Lösung des Konflikts in Sicht ist." Die Märkte scheinen erst damit zu beginnen, das volle Ausmaß der Risiken einzupreisen. Sollte es nicht zu einer belastbaren und langfristigen Entspannung kommen, könnten die Gaspreise für Lieferungen im kommenden Winter schon bald auf mehr als 90 Euro/MWh steigen. Dies würde auch die Strompreise weiter deutlich nach oben treiben.

Parallel dazu ziehen die Ölpreise weiterhin an. Damit wächst sowohl das Risiko einer spürbaren konjunkturellen Abschwächung als auch die Gefahr eines erneuten Inflationsschubs. Die potenziellen Auswirkungen auf Wachstum und Preisstabilität sind erheblich.

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