Der Gaspreis hat sich im laufenden Jahr verdreifacht, zu Beginn der Woche erreichte er über 83 Euro pro Megawattstunde.

Der Gaspreis hat sich im laufenden Jahr verdreifacht, zu Beginn der Woche erreichte er über 83 Euro pro Megawattstunde.

Bild: © AdobeStock/Chotijah

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher lagen am Wochenende im Schnitt bei 55,6 Prozent, das ist nach wie vor historisch wenig für die jetzige Jahreszeit. Der wichtige Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat hingegen kletterte am Montag (14. September) im Handel um fünf Prozent auf 83,75 Euro pro Megawattstunde (MWh). Das ist der höchste Stand seit Ende 2022. Anleger sorgen sich wegen der Blockade der Straße von Hormus um eine anhaltende Unterbrechung der Lieferungen von Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten. Erschwerend hinzukommt, dass mittlerweile mit der Meerenge Bab al-Mandab eine weitere wichtige Handelsroute in der Region blockiert ist.

Für die Energiebeschaffung bei Stadtwerken ist das eine anspruchsvolle Gemengelage. Das Gros der Branche hat die erforderlichen Gasmengen für das laufende und das kommende Jahr bereits eingekauft. "Niedrige Gasspeicher-Füllstände können aber in Verbindung mit geopolitischen Spannungen das Risiko starker Preisausschläge an kalten Wintertagen erhöhen", mahnt Moritz Herrmann, Bereichsleiter Portfoliomanagement bei der Thüga-Tochter Syneco Trading. Die Winterkontrakte spiegelten bereits die Sorge wider, dass verfügbare Mengen gegen Ende des Winters knapper werden könnten.

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Moritz Herrmann ist Bereichsleiter Portfoliomanagement und Handel bei Syneco Trading.Bild: © Syneco Trading

Für Stadtwerke steigt das Risiko, wenn ungeplante Restmengen kurzfristig und möglicherweise zu hohen Preisen beschafft werden müssen.

Moritz Herrmann,

Bereichsleiter Portfoliomanagement bei Syneco Trading

Sollten die Speicherstände niedrig bleiben, könnte im kommenden Winter ein wichtiger Puffer fehlen. Speicher tragen normalerweise dazu bei, kurzfristige Verbrauchsspitzen auszugleichen und zusätzliche Mengen für den Markt bereitzustellen. Das bedeutet nicht zwangsläufig eine physische Knappheit. "Für Stadtwerke steigt aber das wirtschaftliche Risiko, wenn ungeplante Restmengen kurzfristig und möglicherweise zu hohen Preisen beschafft werden müssen", stellt der Syneco-Experte klar.

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Hermann empfiehlt deshalb einen gezielten Wintercheck: Stimmen die Absatzprognosen noch? Passen Vertriebs- und Beschaffungsmengen zusammen? Gibt es offene Positionen, die nicht bewusst vorgesehen sind? Bewusste Spotpositionen könnten Teil einer Beschaffungsstrategie sein. Ungeplante Positionen entstünden dagegen häufig durch veraltete Planmengen, fehlende Abstimmung oder eine zu grobe Betrachtung auf Jahresebene. Hier die vier wichtigsten Punkte für den Wintercheck:

1. Planmengen bei Großkunden aktualisieren

Bei größeren Kunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM-Kunden) sollte frühzeitig geklärt werden, ob sich Produktion, Verbrauch oder geplante Abnahmen gegenüber der bisherigen Prognose verändert haben. Bleiben solche Entwicklungen unberücksichtigt, passt die beschaffte Menge möglicherweise nicht mehr zum erwarteten Bedarf.

2. Vertriebspositionen bei Standard-Lastprofilen (SLP) abgleichen

Absatzprognosen, Vertriebsmengen und Beschaffungspositionen müssen auf derselben Datenbasis geprüft werden. Abweichungen zwischen Vertrieb und Beschaffung können dazu führen, dass Mengen unbemerkt offenbleiben oder zu viel beschafft wird.

Prozesse müssen offene Positionen sichtbar machen

Deshalb braucht es einen festen Prozess, in dem Prognoseänderungen zeitnah weitergegeben und in der Portfolioposition nachvollziehbar abgebildet werden. Eine durchgängige, revisionssichere Systemunterstützung führt die relevanten Daten zusammen und macht offene Positionen sowie Limitauslastungen sichtbar. Rein tabellenbasierte Lösungen wie Excel können dabei ergänzen, sollten aber nicht die zentrale Grundlage der Portfoliosteuerung bilden.

Die zentrale Grundlage für die Portfoliosteuerung sollte vielmehr immer ein professionelles und revisionssicheres Portfoliomanagementsystem bilden. Dieses sollte die Vertriebs- und Beschaffungsgeschäfte in individuellen Portfolios zusammenführen und offene Positionen, Eindeckung sowie zentrale Risikokennzahlen transparent machen.

3. Nicht nur das Kalenderjahr betrachten

Ein Portfolio kann auf Jahresebene nahezu ausgeglichen erscheinen und im mengenstarken ersten Quartal dennoch unterdeckt sein. Überdeckungen im Sommer gleichen eine Unterdeckung im Winter zwar rechnerisch aus, wirtschaftlich sind diese Positionen jedoch nicht gleichwertig.

Die Deckung sollte daher zusätzlich auf Quartals- und Monatsebene geprüft werden. Entscheidend ist, ob die Struktur der beschafften Produkte tatsächlich zum erwarteten Verbrauchsprofil passt.

4. Restpositionen frühzeitig bewerten

Ein möglicher Beschaffungsbedarf im ersten Quartal sollte rechtzeitig sichtbar werden und nicht erst im Dezember. Dabei muss nicht jede offene Position automatisch geschlossen werden. Zunächst ist zu klären, ob die Position bewusst vorgesehen ist, innerhalb der Limits liegt und zur Risikostrategie des Stadtwerks passt.

Wo Bandprodukte das erwartete Verbrauchsprofil nur unzureichend abbilden, können strukturierte Fahrpläne die Planmenge genauer abdecken. Ob dies wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von Strukturkosten, Marktliquidität und den Risikovorgaben des jeweiligen Hauses ab.

Zweite wichtige Handelsroute ist aktuell blockiert

"Entscheidend ist, dass jedes Stadtwerk seine Risiken kennt, die eigenen Vorgaben konsequent anwendet und jederzeit ein klares Bild seiner Positionen hat. Bewusst eingegangene Risiken können Teil der Strategie sein. Ungeplante Spotpositionen sollten es nicht sein", so das Fazit von Moritz Herrmann.

Seit vergangener Woche ist neben der Straße von Hormus auch die Meerenge Bab al-Mandab blockiert. Der Grund: Mit dem Iran verbündete Huthi-Rebellen haben die Hafenstadt Mokka eingenommen und kontrollieren damit diese wichtige Handelsroute. Die Route verbindet den Indischen Ozean über das Rote Meer und den Suezkanal mit Europa und ist für den Transport von Rohöl, Ölprodukten und LNG von Bedeutung. Weitere Beeinträchtigungen könnten diese Transporte erschweren.

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Welche Folgen sich daraus konkret für die europäischen Gaspreise ergeben, lässt sich derzeit nicht verlässlich beziffern, sagt Moritz Herrmann. In Verbindung mit den niedrigen Speicherständen erhöhe die Entwicklung jedoch die Gefahr weiterer Preisausschläge. Für Stadtwerke sei dies ein zusätzlicher Grund, ihre Portfoliopositionen vor dem Winter sorgfältig zu prüfen.

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