Die Stadtwerke Wunsiedel steigen über ihre Tochtergesellschaft Zenergie bei der SE Trade GmbH ein. Das teilten die beteiligten Unternehmen mit. Die Transaktion soll die Kapitalbasis des Münchner Direktvermarkters um fünf Millionen Euro stärken. Die Partner machten keine Angaben zur Höhe der Beteiligung. Mehrheitseignerin von SE Trade bleibt die Münchner Vispiron GmbH.
SE Trade verbindet mit seiner KI-basierten Handelsplattform Photovoltaikanlagen, Speicher, Ladeinfrastruktur und Stromhandel zu intelligenten Energieportfolios. Nach eigenen Angaben handelt das Unternehmen jährlich 850 Gigawattstunden Strom.
Fortführung der Strategie
Mit dem Einstieg setzt der Versorger aus Wunsiedel seine Strategie fort, erneuerbare Energie nicht nur zu erzeugen, sondern auch regional zu vermarkten und möglichst vor Ort zu nutzen. Die Stadtwerke gründeten Zenergie Ende 2024. Die Tochtergesellschaft soll Photovoltaik- und Windstrom aus Nordostbayern vermarkten und mit Batteriespeichern Preisschwankungen ausgleichen. Eine KI-gestützte Handelssoftware soll dabei helfen, auf schwankende Erzeugung und wechselnde Marktpreise zu reagieren.
Für die Stadtwerke Wunsiedel (SWW) ist die Beteiligung mehr als ein Finanzinvestment. "Entscheidend ist dabei die Verbindung von Markt und Netz", sagt SWW-Geschäftsführer Marco Krasser. Erst wenn Erzeugung, Verbrauch und Netzsituation vor Ort in die Marktentscheidung einflössen, könnten stabile Preise und ein entlastetes Netz entstehen.
Damit knüpft die Beteiligung an frühere Projekte der Stadtwerke an. Wunsiedel war bereits an einem Modell für Energy Sharing beteiligt, das Bürger, Erzeuger, Verbraucher und Speicher in einer lokalen Energiegemeinschaft zusammenführen sollte. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) begleitete das Projekt "ESCdigital" als Pilotvorhaben. SE Trade arbeitete dabei gemeinsam mit der SWW und weiteren Partnern an der technischen und energiewirtschaftlichen Umsetzung.
Plattform für den Bedarf kommunaler Versorger
Mit seiner Plattform zielt SE Trade auf ein Problem, das viele Stadtwerke betrifft: Sie wollen eigene Erzeugungsanlagen vermarkten, Grünstrom beschaffen und flexible Tarife anbieten. Oft fehlen ihnen dafür jedoch die notwendige Infrastruktur und das Personal für Prognosen, Bilanzkreismanagement, Börsenhandel und Abrechnung.
Im Zentrum der neuen Partnerschaft mit den Stadtwerken Wunsiedel steht deshalb das Geschäftsfeld "Regionalwerk". Kommunale Versorger sollen die SE Trade-Plattform als White-Label-Angebot nutzen können. SE Trade übernimmt Prognose, Beschaffung, Vermarktung und Abwicklung. Kundenbeziehung, Marke und Preisgestaltung bleiben beim jeweiligen Stadtwerk.
"Die Energiewende entscheidet sich nicht an einzelnen Anlagen, sondern daran, ob eine Region ihre Energie selbst nutzen kann", sagte Amir Roughani. Er soll SE Trade künftig als Chief Executive Officer (CEO) führen.
Das Angebot von SE Trade beschränkt sich nach Angaben der Partner nicht auf die klassische Direktvermarktung. Die Plattform vermarktet Solar- und Windanlagen, bewirtschaftet Speicher und bindet Ladeinfrastruktur ein. Sie bündelt schwankende Erzeugung zu planbaren Lieferbändern. Lokal erzeugter Strom kann dadurch beispielsweise Schnellladestationen versorgen oder über Direktlieferverträge an Industrie- und Gewerbebetriebe fließen.