Wir setzen die ZFK-Sommerserie 2026 zum Thema Direktvermarktung fort. Zusätzlich zu den bereits erschienenen Artikeln folgt eine Reihe von Grafiken, Analysen und Interviews mit großen Direktvermarktern. Sie sind Direktvermarkter und wollen ebenfalls gelistet werden? Dann wenden Sie sich gern an den zuständigen Redakteur Artjom Maksimenko (a-maksimenko@zfk.de).
Die meisten Direktvermarkter in Deutschland sind mit größeren Portfolios in die zweite Jahreshälfte 2026 gestartet. Das zeigt die ZFK-Umfrage unter den Direktvermarktern zum Stichtag 1. Juli. Die stärksten absoluten Zuwächse verzeichneten Statkraft Markets (plus 720 MW), EWE (plus 605 MW), Gewi (plus 600 MW), BayWa r.e. (plus 430 MW) und Quadra Energy (plus 400 MW).
In der Rangliste des Gesamtportfolios – inklusive KWK, soweit von den Unternehmen angegeben – steht Quadra Energy zum 1. Juli mit 10.500 MW an der Spitze. Es folgen EnBW mit 10.230 MW, Next Kraftwerke mit 8.040 MW, Statkraft Markets mit 7.520 MW und BKW mit 6.432 MW. Dahinter liegen Gewi/Getec (5.900 MW), MVV (5.800 MW), Baywa Re (5.435 MW), RWE (4.943 MW) und Sunnic (4.560 MW).
Wind und PV vorne
Bei den technologischen Schwerpunkten dominieren nach wie vor Photovoltaik und Windenergie. Zugleich unterstreichen die meisten Direktvermarkter die strategische Bedeutung von Batteriespeichern. Auch der Biomasse räumen viele Umfrageteilnehmer eine wichtige Rolle ein – vorausgesetzt, die Anlagen können besonders flexibel gefahren werden.
Viele Unternehmen planen größere Batterieportfolios. Sie nennen dabei neben Stand-alone-Anlagen auch Co-Location-Projekte mit PV, Tolling-Verträge sowie die Optimierung über Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkte. Speicher entwickeln sich damit vom Zusatzgeschäft zum Bindeglied zwischen den drei großen Erzeugungstechnologien.
Wind: große Bestandsportfolios, neue Erlösmodelle
Weiterhin bildet die Windenergie bei den meisten größeren Direktvermarktern das Rückgrat der Portfolios. In der Auswertung summieren sich die gemeldeten Windportfolios auf über 62.000 MW, die Solarportfolios auf rund 40.000 MW. Damit stellen Wind und Solar – trotz einzelner fehlender Angaben – die mit Abstand größten Technologieblöcke der Umfrage dar.
Nach dieser Technologie geordnet führt Quadra Energy mit 8.200 MW das Wind-Ranking vor Statkraft Markets (5.969 MW) und Gewi (5.300 MW) an. Es folgen MVV, Vattenfall, BKW und Pure Energy.
Gewi konzentriert sich nach eigenen Angaben auf neue Parks und die aFRR-Vermarktung. Die Abkürzung aFRR steht für "automatic Frequency Restoration Reserve", auf Deutsch automatische Frequenzwiederherstellungsreserve. Sie bezeichnet ein Produkt des Regelenergiemarkts. Bei der aFRR-Vermarktung bietet ein Direktvermarkter die kurzfristig steuerbare Leistung einer Anlage oder eines Anlagenpools dem Übertragungsnetzbetreiber an. Weichen Erzeugung und Verbrauch im Stromsystem voneinander ab, kann der Netzbetreiber die Leistung automatisch erhöhen oder reduzieren lassen.
Das Unternehmen nennt insbesondere Wind-Onshore- und Offshore-Anlagen, die technisch für die automatische Frequenzwiederherstellungsreserve geeignet sind. Die Nachfrage nach solchen Modellen nimmt zu: Anfragen zur aFRR-Vermarktung, gerade bei Offshore-Ausschreibungen, werden als besondere Herausforderung des ersten Halbjahres beschrieben.
Auch Vattenfall setzt auf Wind On- und Offshore, während RWE sein Bestandsportfolio vor allem durch Windanlagen und Großbatterien geprägt sieht. Für Betreiber wird damit neben dem Strompreis zunehmend entscheidend, ob ihre Anlagen technisch steuerbar, hinreichend sichtbar und für mehrere Märkte nutzbar sind.
EnBW mit größten PV-Portfolio
Bei der Solarenergie führt neuerdings EnBW mit 6.100 MW vor Next Kraftwerke mit 5.700 MW. Damit hat das Karlsruher Unternehmen die Spitze in dieser Kategorie von Next Kraftwerke erobert. Zum Stichtag 1. Januar 2026 lagen Next Kraftwerke noch mit 5.820 MW vor EnBW (5.800 MW). Die Direktvermarkter Baywa Re (3.050 MW), Sunnic (3.000 MW), Impuls Energy (2.811 MW) und BKW (2.443 MW) gehören ebenso wie Quadra Energy (2.050 MW) zur Spitzengruppe des Rankings.
Die hohe Dynamik im PV-Segment trifft dabei auf ein anspruchsvolles Vermarktungsumfeld: Erzeugungsspitzen fallen häufig zusammen, negative Preise treten öfter auf, und Netzengpässe führen zu Abregelungen.
Next Kraftwerke beschreibt den Umgang mit negativen Preisen als marktdienliche, vollautomatische Abregelung: "Wir regeln die PV-Anlagen marktdienlich und vollautomatisch ab, umgehen so gezielt negative Preise, minimieren die Erlöseinbußen und betreiben die PV-Anlagen für unsere Kunden wirtschaftlicher."
Option Batteriespeicher
Batteriespeicher – vorwiegend in Co-Location mit Solarparks – sollen dabei zusätzliche Optionen eröffnen. EnBW formuliert es grundsätzlicher: "Wir sehen mehr negative Stunden, deswegen ist es wichtig, den Batterieausbau schneller voranzubringen." Die Herausforderung liegt somit nicht allein in der Prognose, sondern in der Kombination aus Steuerbarkeit, Speicher, Vertragsmodell und Netzsituation.
Auch das neue, feinere Zeitraster an der Börse wird überwiegend als passend zu den Erzeugungsprofilen bewertet. Next Kraftwerke berichtet von reduzierten Vermarktungskosten, etwa bei Rampenkosten, und in vielen Fällen von günstigeren Konditionen. Quadra Energy sieht in Viertelstundenprodukten eine präzisere Abstimmung von Erzeugung und Verbrauch sowie bessere Möglichkeiten, Solarprofile abzubilden. Die Umstellung ist damit nicht bloß eine Handelsfrage: Sie beeinflusst, wie genau die volatilen Einspeisemengen bewertet und bilanziell verarbeitet werden können.
Biomasse: Next Kraftwerke mit großem Abstand
Die Biomasse-Rangliste wird von Next Kraftwerke mit 1.500 MW angeführt. EWE folgt mit 1.010 MW. Dahinter liegen Lechwerke (205 MW), Stadtwerke Rosenheim (176 MW) und Baywa Re (150 MW).
Die großen Biomasseportfolios zeigen, dass die Technologie in der Direktvermarktung vor allem dort Bedeutung behält, wo Anlagen flexibel gefahren werden können. Next Kraftwerke nennt neben PV ausdrücklich die eigenen Stärken im Biogasbereich und die Flexibilisierung erneuerbarer Energien. Auch andere Antworten verweisen auf Biogasanlagen im Fahrplanbetrieb als zusätzliches Flexibilitätspotenzial. Biomasse ist damit weniger von kurzfristigen Einspeisespitzen geprägt als Solar- und Windenergie, kann aber durch eine flexible Fahrweise einen höheren Systemwert entfalten.
Wind- und Solaranlagen prägen die gemeldeten Technologieportfolios der Direktvermarkter. Zugleich zeigen die Antworten, dass sich das Geschäft zunehmend nicht mehr auf die Vermarktung der erzeugten Strommengen beschränkt. Batteriespeicher, Co-Location-Projekte und die Vermarktung flexibler Anlagen über Regelenergie- und weitere Kurzfristmärkte gewinnen an Bedeutung. Ziel ist es, volatile Erzeugung besser auszugleichen, negative Preise zu vermeiden oder zu nutzen und zusätzliche Erlösquellen zu erschließen.
Redispatch als größter Belastungsfaktor
Technologieübergreifend dominieren in den Umfrageergebnissen zwei Themen: Redispatch und die Qualität der Markt- und Anlagendaten. Mehrere Unternehmen nennen die Komplexität und Kurzfristigkeit von Redispatch 2.0 sowie die damit verbundenen Clearing- und Abrechnungsprozesse als Engpässe. Gewi verweist auf die Grenzen bestehender Modellierungs- und Steuerungsansätze. Als Entlastung werden eine bessere Datenqualität, eine höhere Datenverfügbarkeit und stärker automatisierte Prozesse genannt.
Bei Next Kraftwerke heißt es, in manchen Regionen würden Anlagen bereits "um 20 bis 30 Prozent oder stärker abgeregelt". Das erschwere insbesondere PPAs, weil mit Redispatch-Maßnahmen auch die planbaren Grünstrommengen und Herkunftsnachweise unsicherer würden.
Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb nach Einschätzung der Befragten nicht überall gleichermaßen zu. Einige Unternehmen sprechen von stabilen Verhältnissen, andere von intensiverem Wettbewerb und Margendruck. Quadra Energy beobachtet den Eintritt beziehungsweise die Rückkehr etablierter Häuser in die Direktvermarktung und betont, Wachstum nicht um jeden Preis anzustreben: "Qualität, Kundenzufriedenheit und Digitalisierung sind die Zielmarken unserer Plattformstrategie."