Durch den Abschluss zahlreicher Direktverträge mit Betreibern neu errichteter Solarparks und nicht mehr geförderter Windräder hat der Strommix von Naturstrom weiter diversifiziert (Symbolbild).

Durch den Abschluss zahlreicher Direktverträge mit Betreibern neu errichteter Solarparks und nicht mehr geförderter Windräder hat der Strommix von Naturstrom weiter diversifiziert (Symbolbild).

Bild: © Naturstrom AG

Von Artjom Maksimenko

Das Geschäftsjahr 2024 hat der Düsseldorfer Energieerzeuger und Erneuerbarendienstleister Naturstrom mit dem drittbesten Ergebnis der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Mit einem Gewinn von 10,8 Millionen Euro hat das Unternehmen seinen Plan (10,7 Millionen Euro) knapp übertroffen. Den regelrechten Einbruch nach dem Rekordjahr 2023, als die Düsseldorfer 33,2 Millionen Euro erwirtschaftet haben, sieht Vorstandsvorsitzender Oliver Hummel gelassen. "Der Energiemarkt hat sich nach zwei sehr turbulenten Jahren wieder normalisiert. Die extremen Schwankungen der Energiepreise sind deutlich zurückgegangen. Für uns bedeutet das ein planbares, stabileres Geschäftsumfeld – eine spürbare Entlastung für alle Beteiligten“, sagte er vor Journalisten.

Sein Unternehmen sieht er auf einem guten Weg zum nachhaltigen Wachstum. Wichtig dabei ist aus seiner Sicht ein stabiler regulatorischer Rahmen, um das Tempo beim Erneuerbarenausbau weiter hochzuhalten. In diesem Zusammenhang warnte Hummel vor dem überdimensionierten Neubau von Gaskraftwerken und einer möglichen Plünderung des Transformations- und Klimafonds für die Finanzierung der Gasspeicherumlage. "Wie kann man ernsthaft 40 Prozent eines Klimaschutzfonds verwenden, um Gas zu subventionieren? Das ist ein absolutes Unding", sagte der Vorstandschef von Naturstrom weiter.

Rückkehr zum Vorkrisenniveau

Tatsächlich bedeutet das Ergebnis von 10,8 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr eine deutliche Steigerung zum letzten "Vorkrisenjahr" 2021, wo am Ende 1,4 Millionen Euro zu Buche standen. Ein ähnliches Bild liefern auch die Umsatzzahlen: 2024 erzielte Naturstrom einen Umsatz von 481,4 Millionen Euro. Das war zwar ebenfalls niedriger als in den Ausnahmejahren 2022 und 2023, aber im Vergleich zum Normaljahr 2021 (450,7 Millionen Euro) zeige sich ein "stetiges, gesundes Wachstum", hieß es aus Düsseldorf.

Absatzrückgang bei Strom und Gas

Dabei ist der Gas- und Stromabsatz – bei in etwa konstant bleibenden 320.000 Privatkunden – deutlich zurückgegangen. Dies liegt laut Naturstrom "fast ausschließlich am Wegfall eines einzigen Industriekunden". Bereits für dieses Jahr erwartet das Unternehmen aber einen erneuten Anstieg der Absatzzahlen, den Naturstrom hauptsächlich der Übernahme von den 90 Prozent der Anteile an der Handelsgesellschaft für Kirche und Diakonie (HKD) aus Kiel Ende 2024 verdankt. Damit steigert Naturstrom nach eigenen Angaben den Stromabsatz um zehn Prozent und den Gasabsatz sogar um 70 Prozent. "Das stärkt unser Profil im sozialen und kirchlichen Sektor", resümierte Hummel. Seine Eigenkapitalquote hat das Unternehmen mit 118,9 Millionen Euro von 25 Prozent auf 27 Prozent gesteigert. Diese Kennzahl mache den Versorger resilienter für weitere mögliche Krisen und zugleich attraktiver für die Banken.

Im abgelaufenen Jahr hat Naturstrom 45 Millionen Euro investiert. Neben Investitionen in die Solar- und Windkrafterzeugung nutzte und nutzt das Düsseldorfer Unternehmen das Geld auch für anorganisches Wachstum. Neben dem Erwerb der Anteile an HKD hat Naturstrom bereits im Juni dieses Jahres das Beratungsunternehmen Energy Effizienz übernommen. Das Unternehmen ist auf die kommunale Wärmeplanung spezialisiert und verfüge über ein entsprechend gut gefülltes Portfolio, so Hummel. Hier seien Synergien möglich, die der Naturstrom-Gruppe eine breitere Aufstellung ermöglichen.

Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Ergebnis auf einem Vorjahresniveau. Voraussetzung dafür: "Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss weitergehen – mindestens im Tempo der letzten Jahre", sage der Vorstandschef weiter. Besonders die Windkraft stehe jetzt vor einem großen Zubau, beginnend in diesem und im nächsten Jahr. "Die Bundesregierung sollte daher keine neuen Hürden einführen. Die geopolitischen Entwicklungen zeigen einmal mehr: Nur durch Erneuerbare machen wir uns unabhängig von fossilen Preisschocks." Dabei sei eine zügige Umsetzung der RED-III-Richtlinie entscheidend, um Genehmigungsverfahren für die Erneuerbarenanlagen nicht ins Stocken geraten zu lassen. Der rechtliche Rahmen müsse nahtlos übergehen, damit es keinen "Fadenriss" bei laufenden Projekten gebe.

Keine weiteren 20 Gigawatt notwendig

Als Back-up-Kraftwerke sieht Hummel die Notwendigkeit neuer Gaskraftwerke zwar gegeben, allerdings seien die geplanten Ausschreibungen für 20 Gigawatt Kapazität deutlich überdimensioniert, sagte er. Er plädierte für weniger fossile Anlagen und für eine bessere Berücksichtigung von Speichertechnologien und anderen Fleixibilitätslösungen. "Wir fordern deshalb, dass Flexibilitäts-Ausschreibungen nicht ausschließlich auf Gas setzen, sondern technologieoffen gestaltet werden."Naturstrom selbst betreibe bereits selbst Batteriespeicher und werde künftig die Erneuerbarenanlagen mit den Speichern ergänzen, erläuterte Hummel auf Nachfrage der ZfK. Allerdings gehe es bei den Batteriespeichern um ganz andere Größenordnung als bei den Ausschreibungen vorgesehen. Daher werde sein Unternehmen daran nicht teilnehmen.

Ebenfalls kritisch sieht der Naturstrom-Chef die Idee, die Gasspeicherumlage aus dem Klima- und Transformationsfonds zu finanzieren. Dieser Fonds habe ein Jahresbudget von zehn Milliarden Euro und soll eigentlich ausschließlich der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft dienen. Die Höhe der Umlage wird auf vier Milliarden Euro geschätzt. "Das ist ein absolutes Unding", so Hummel.

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