Die Stadtwerke Tübingen haben ihr Geschäftsergebnis 2025 leicht verbessert. Nach knapp 100.000 Euro im Vorjahr weist der kommunale Versorger nun 685.281 Euro aus. Der Anstieg kommt allerdings nicht aus einem entspannten Marktumfeld: Die Umsatzerlöse sanken um 4,4 Prozent auf 568,3 Millionen Euro.
Die Stadtwerke führen das bessere Ergebnis auf Einsparungen, Effizienzsteigerungen, Sondereffekte und erfolgreiche Energieverkäufe zurück. Gespart wurde nach Angaben des Unternehmens in sämtlichen Sparten und Dienstleistungen – unter anderem beim Betrieb, bei Investitionen, beim Sponsoring und beim Personal. Besonders deutlich sichtbar wurde der Sparkurs beim öffentlichen Personennahverkehr.
Das Ergebnis steigt, das Angebot sinkt
Der TüBus musste sein Angebot bereits 2025 kürzen. Damit setzte sich eine Entwicklung fort, über die die ZFK im vergangenen Jahr berichtet hatte: Die Stadtwerke hatten 2024 nur knapp eine schwarze Null erreicht und für die kommenden Jahre "einige Einschränkungen" angekündigt. Dazu gehörten zwei Sparpakete für den TüBus. Auch der Neubau eines Hallenbads wurde zunächst zurückgestellt.
Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen, begründet die Einschnitte mit den Belastungen aus dem Nahverkehr und den Bädern. "Besonders die Kosten für die Finanzierung des ÖPNV und die Bäder setzen die Ergebnisse der Stadtwerke unter Druck", sagt Wiebecke. Für die Stadtwerke ist das ein strukturelles Problem: Sie tragen kommunale Leistungen mit, die sich nicht vollständig aus den Einnahmen der jeweiligen Sparten finanzieren.
Wiebecke erwartet deshalb künftig höhere Beiträge der Stadt. "Zukünftig werden höhere Beteiligungen der Stadt nötig sein, um das Niveau bei dem Angebot der Tübinger Bäder und des ÖPNV halten zu können", sagt der Geschäftsführer. Die Aussage macht deutlich, dass die Ergebnisverbesserung nicht nur eine betriebswirtschaftliche Geschichte ist. Sie berührt auch die Frage, welches Angebot sich die Stadtgesellschaft leisten will.
Tübingen bleibt auf Unterstützung angewiesen
Insgesamt tragen die Stadtwerke nach eigenen Angaben rund 16 Millionen Euro zum Haushalt der Universitätsstadt bei. Darin enthalten sind die Übernahme von Verlusten im öffentlichen Personennahverkehr und bei den Bädern sowie Konzessionsabgaben. Die Summe ist deshalb nicht mit dem Gewinn des Unternehmens gleichzusetzen. Sie zeigt aber, welche Rolle die Stadtwerke für die kommunalen Finanzen spielen.
Gleichzeitig investiert der Versorger weiter. 2025 flossen insgesamt 33,7 Millionen Euro in die Infrastruktur, davon 22,9 Millionen Euro in die Bereiche Energie und Wasser. Zu den Projekten gehörten der Solarthermiepark Au, der Ausbau des Fernwärmenetzes und der neue Wasser-Hochbehälter Käppele. Außerdem verstärkten die Stadtwerke ihr Stromnetz und beschafften weitere Elektrobusse.
Um die hohen Investitionen zu erleichtern, legte die Universitätsstadt Tübingen erneut 5 Millionen Euro in das Kapital der Stadtwerke ein. Das zeigt den Zielkonflikt: Der Versorger soll sparen, muss aber zugleich Netze, Wärmesysteme und Wasserinfrastruktur ausbauen. Ein vollständiger Rückzug bei den Investitionen würde zwar kurzfristig entlasten, könnte aber die langfristigen Ziele der Stadtwerke gefährden.
Mehr Energie verkauft, weniger umgesetzt
Die Bilanzkennzahlen entwickelten sich überwiegend positiv. Die Bilanzsumme stieg um 2,8 Prozent auf 395,1 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich von 26,6 auf 27,3 Prozent. Gleichzeitig gingen die Umsatzerlöse von 594,2 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 568,3 Millionen Euro zurück. Die Stadtwerke nennen unter anderem gesunkene Endverbraucherpreise als Grund.
Der Absatz entwickelte sich dagegen in allen Energiesparten positiv. Die Stadtwerke verkauften mehr Strom, Erdgas und Wärme als im Vorjahr. Auch der Trinkwasserabsatz erhöhte sich um 3,4 Prozent auf 4,7 Millionen Kubikmeter. Besonders stark stieg der Bahnstromabsatz: von 1.300 auf 1.412 Millionen Kilowattstunden.
Schon im Vorjahr hatten die Stadtwerke vor den Folgen der Energiekrise gewarnt. Langfristig zu Hochpreiszeiten beschaffte Energiemengen, die Streichung von Zuschüssen zu den Netzentgelten und ein milder Winter belasteten das Geschäftsjahr 2024.
Der Jahresabschluss 2025 zeigt damit eine Stabilisierung, aber noch keine Entwarnung. Das Ergebnis ist wieder deutlich positiv, beruht laut Stadtwerken aber auch auf Einsparungen und Sondereffekten. Zugleich verharren der öffentliche Personennahverkehr und die Bäder im defizitären Bereich, während der Investitionsbedarf hoch bleibt. Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet daher: Wie lange kann Tübingen den Spagat zwischen Sparkurs, Daseinsvorsorge und Energiewende finanzieren?