Ein Haushalt zahlt heute deutlich mehr für einen neuen Stromtarif als noch zu Jahresbeginn.

Ein Haushalt zahlt heute deutlich mehr für einen neuen Stromtarif als noch zu Jahresbeginn.

Bild: © Superingo/AdobeStock

Die gestiegenen Beschaffungskosten kommen mittlerweile deutlich bei den Neukunden an, die Grundversorgung blieb bisher noch verschont. Das zeigt eine exklusive Auswertung des IT- und Softwaredienstleisters GET für die ZFK.

Die GET hat für die Stichtage 1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober 2026 das Preisniveau der Neukundentarife sowie der Grundversorgungstarife im Strom- und Gassegment für jeweils einen Verbrauchsfall ermittelt.

Für Strom wurde ein Haushaltskunde in der Niederspannung mit konventionellem Zähler und einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) Strom - für Gas ein Haushaltskunde in der Niederdruckstufe mit konventionellem Zähler und einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh Gas angenommen.

Zur Methode

Bei den Neukundentarifen wurden das Mittel aus den zwanzig günstigsten Tarifen sowohl für Strom als auch Gas je Postleitzahl ermittelt, wobei maximal zwei Tarife eines Versorgers zugelassen wurden und nur Tarife mit einer Erstvertragslaufzeit von maximal zwölf Monaten berücksichtigt wurden. Berechnet wurde der bundesweite Durchschnitt über alle Postleitzahlen. Wurden in den Tarifen Boni gewährt, sind diese in den jährlichen Gesamtpreisen bzw. Durchschnittspreisen (ct/kWh) eingerechnet (also abgezogen) worden.

Bei den Grundversorgungstarifen wurde ebenfalls der bundesweite Durchschnitt über alle Postleitzahl berechnet. Gab es mehrere Grundversorger je Postleitzahl, wurden alle berücksichtigt und für die PLZ gemittelt. Alle Preise sind als Brutto-Angaben zu verstehen.

Strom: Grundversorgung ist 8 Prozent preiswerter als im Januar

Das bundesweite Mittel der Jahreskosten in der Grundversorgung ist mit rund 1584 Euro (39,61 ct/kWh) zum Stand Oktober (wie auch schon zum Beginn des zweiten Quartals) gut 8 Prozent niedriger als im Vergleich zum Jahresbeginn 2026. "Eine Erklärung für das höhere Preisniveau zu Jahresbeginn mag sein, dass gesunkene Verteilnetzentgelte erst zeitversetzt weitergegeben wurden", erklärt Matthias von Maltzahn von GET. Im Vergleich zum Jahresbeginn sind die durchschnittlichen Grundpreise um rund 14 Prozent gestiegen, während die durchschnittlichen Arbeitspreise um knapp 11 Prozent sanken.

Gestiegene Beschaffungskosten werden schon weitergegeben.

Das bundesweite Mittel der Jahreskosten bei Neukundentarifen liegt dagegen mit rund 1210 Euro (30,25 ct/kWh) zum Stand Oktober etwa 18,43 Prozent über dem vom Jahresbeginn. "Das legt die Vermutung nahe, dass gestiegene Beschaffungskosten infolge der kurzfristigeren Beschaffung für dieses Kundensegment schon weitergegeben wurden", so von Maltzahn.

Gas: rund 40 Prozent Kostenanstieg bei Neukundentarifen

Das bundesweite Mittel der Jahreskosten in der Grundversorgung bewegt sich mit rund 2686 Euro (13,43 ct/kWh) zum Stand Oktober nur geringfügig (-0,28 Prozent) unter dem vom Jahresbeginn 2026.

Anders verhält es sich bei den Jahreskosten für Neukundentarife. Hier liegt das bundesweite Mittel zu Beginn der Heizsaison mit rund 2434 Euro (12,17 ct/kWh) etwa 39,42 Prozent über dem vom Jahresbeginn. Während im Vergleich zum Januar 2026 die Grundpreise um etwa 4,65 Prozent sanken, stiegen die Arbeitspreise um circa 34,31 Prozent. Das legt auch hier die Vermutung nahe, dass gestiegene Beschaffungskosten infolge der kurzfristigeren Beschaffung für dieses Kundensegment schon weitergegeben wurden.

Ausblick Strom- und Gaspreisentwicklung zum Jahreswechsel

"Bisher registrieren wir sowohl im Strom- als auch im Gassegment für die Grundversorgung wenig Preisanpassungen in den kommenden Monaten – eher im Gassegment", so von Maltzahn. Bei vier von fünf Gasversorgern steigen die Grundversorgungstarife zum November demnach um mehr als 10 Prozent. Die Stadtwerke Hamm etwa haben signalisiert, die Tarife in der Grundversorgung in Strom und Gaswegen gestiegener Beschaffungskosten zum Stichtag Januar 2027 zu erhöhen.

GET geht davon aus, dass weitere Strom- und Gasversorger spätestens zum Jahreswechsel folgen werden, aber noch die konkreten Informationen zu den vorläufigen Verteilnetzentgelten sowie zu den Abgaben und Umlagen für das Jahr 2027 abwarten.

Die bis 15. Oktober veröffentlichen Preisblätter der Verteilnetzbetreiber zeigen bereits, dass es große regionale Unterschiede gibt. Sowohl bei Gas als auch bei Strom können die Entgelte sinken oder steigen. Im bundesweiten Durchschnitt allerdings dürften sich die Netzentgelte im Haushaltsbereich kaum verändern.

Details zu den Netzentgelten

Anhand der vorläufigen Preisblätter von 186 Stromverteilnetzbetreibern (entspricht einer Abdeckung von 85 Prozent des Bundesgebietes) muss ein Haushaltskunde mit Standardlastprofil (SLP) in Niederspannung und einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh/a ab 2027 im Durchschnitt* (bezogen auf die Erhebungsmenge) mit einem Anstieg der Netzentgelte um rund 2,23 Prozent bzw. 5,83 Euro/Jahr (netto) rechnen. Die relative Abweichung der Jahreskosten** im Vergleich zu 2026 bewegt sich zwischen minus 25,68 Prozent (minus 128 Euro/Jahr netto) bei den Stadtwerke Schlitz und plus 34,48 Prozent (101,2 Euro/Jahr netto) im Gebiet der Überlandzentrale Wörth/I.-Altheim Netz AG.

Anhand der vorläufigen Preisblätter von 190 Gasverteilnetzbetreibern (entspricht einer Abdeckung von 71 Prozent des Bundesgebietes) muss sich ein Haushaltskunde mit Standardlastprofil (SLP) in der Niederdruckstufe und einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh/Jahr ab 2027 im Durchschnitt* (bezogen auf die Erhebungsmenge) auf einen Anstieg der Netzentgelte um rund 2,57 Prozent bzw. 11,49 Euro/Jahr (netto) einstellen. Die relative Abweichung der Jahreskosten** im Vergleich zu 2026 bewegt sich zwischen minus 13,32 Prozent (minus 51,91 Euro/Jahr netto) bei der Freiberger Erdgas GmbH und plus 35,28 Prozent (162,52 Euro/Jahr netto) im Gebiet der Stadtwerke Wesel GmbH. 

* Der Durchschnitt wurde über die relevanten Postleitzahlen (PLZ) der Erhebungsmenge gebildet. Gas es mehrere Netzbetreiber je PLZ wurde das Mittel über alle relevanten Unternehmen gebildet.

** In die Jahreskosten flossen neben den Arbeits- und Grundpreisen auch die Kosten für Messtellenbetrieb und Messung bei Annahme eines konventionellen Zählers ein.

Ein vollständiges Bild ergäbe sich aber erst nach Erfassung aller vorläufigen Preisblätter, erklärt die GET. Außerdem seien nachträgliche Änderungen zum Jahreswechsel nicht auszuschließen, wenn die endgültigen Preisblätter veröffentlicht sind.

Was beeinflusst den Kostentrend im Gassegment?

"Wir sehen vor allem gestiegene Beschaffungskosten durch den Iran-Konflikt und möglicherweise auch den relativ niedrigen Füllstand der Gasspeicher", so von Maltzahn.

Treiber der moderaten Entgeltentwicklung ist zum einen der von den Verteilnetzbetreibern einzupreisende Wälzungsblock aus dem so genannten Briefmarkenentgelt, der Biogas- und der Marktraumumstellungsumlage. Er steigt im Vergleich zu 2026 insgesamt um circa 4,77 Prozent.

Zum anderen können Gasnetzbetreiber im Zuge der Gasnetztransformation laut Festlegung der Bundesnetzagentur (Kanu 2.0) von flexibleren Abschreibungsmodalitäten Gebrauch machen. Diese erlauben ihnen, seit 2025 kürzere Nutzungsdauern und degressive Abschreibungen für ihre Gasnetze anzusetzen. Das wiederum zieht höhere Entgelte für die Netzkunden nach sich.

Was beeinflusst den Kostentrend im Stromsegment?

Neben gestiegenen Beschaffungskosten sind neben Abgaben und Umlagen auch hier die Netzentgelte zu nennen. "2027 werden die Übertragungsnetzentgelte auf durchschnittlich 3,54 ct/kWh steigen. Das entspricht im Vergleich zum laufenden Jahr einer Erhöhung um rund 23,78 Prozent", erklärt von Maltzahn. Hier mache sich im Vergleich zum Vorjahr ein geringerer Bundeszuschuss bemerkbar (dieser gilt nur vorläufig).

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