Die Ergebnisse von Lekker Energie lagen in den letzten Jahren konstant über 14 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2025 waren es mehr als 16,7 Millionen Euro. Der Strom- und Gaskundenbestand der hundertprozentigen Tochter der Stadtwerke Krefeld lag in diesem Zeitraum trotz des Zukaufs mehrerer Kundenportfolios Anfang der 2020er-Jahre entweder etwas oberhalb oder unterhalb der Schwelle von 400.000. Die Portfolios umfassten eine hohe fünfstellige Kundenzahl.
Von einer Seitwärtsbewegung beim Kundenbestand spricht Geschäftsführerin Simone Deckers. Entscheidend sei nicht, die Kundenzahl möglichst schnell zu erhöhen, sondern dauerhaft profitabel zu arbeiten. "Wir sind stolz darauf, dass wir seit über zehn Jahren permanent sehr profitabel sind." Das sei im deutschen Energievertrieb in der Dauer und in der Größenordnung keine Selbstverständlichkeit. Deckers ist zuversichtlich, das Ergebnisniveau auch künftig zu sichern.
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Kundenverluste in der Energiekrise
Die Profitabilität beruhe vor allem auf schlanken Kostenstrukturen und kontinuierlicher Prozessoptimierung. Automatisierung solle verhindern,, dass neue Aufgaben allein durch den Aufbau zusätzlicher Stellen bewältigt würden. Stattdessen prüfe das Unternehmen, welche Prozesse automatisiert und welche Aufgabenprofile verändert werden könnten.
Die Seitwärtsbewegung beim Kundenbestand hat nach Deckers Darstellung viel mit der Energiekrise 2022/23 zu tun. Lekker verlor Kunden, als die Preise massiv fielen. Das Unternehmen verfolgt eine langfristige Beschaffungsstrategie. Dadurch lagen noch teurere Energiemengen im Bestand, als die Marktpreise bereits deutlich gesunken waren. Lekker konnte mit diesen Preisen nicht mithalten. Einen Teil der Kundenverluste habe das Unternehmen inzwischen wieder aufgefangen. Der Kundenbestand sei stabil und wachse mittlerweile wieder.
Mehr zu Lekker Energie
Die Anfänge von Lekker Energie liegen in der Expansion des holländischen Energieversorgers Nuon nach Deutschland. 2001 wurde Nuon Deutschland übernommen und die Konzession für das Stromnetz im nordrhein-westfälischen Heinsberg übernommen, dort ist Lekker heute noch Grund- und Ersatzversorger. 2006 folgte der Einstieg von Nuon Deutschland in den bundesweiten Stromvertrieb mit Lekker Strom. 2010 kaufte die Hagener Enervie-Gruppe Nuon Deutschland, das Unternehmen wird in Lekker Energie umbenannt. 2013 erwerben die Stadtwerke Krefeld Lekker Energie vollständig von Enervie und sichern sich damit ein wichtiges Standbein im bundesweiten Vertrieb. Von den knapp 400000 Kunden aktuell werden rund 320000 mit Strom beliefert. Der Brutto-Umsatzerlös von Lekker betrug im vergangenen Geschäftsjahr 434,5 Mio. Euro (2024: 480,7 Mio.). Der Stromabsatz sank von 838 Gigawattstunden (GWh) (2024) auf 761 GWh. Der Gasabsatz lag mit 1146 GWh im Berichtsjahr nahezu auf Vorjahresniveau (2024: 1167 GWh).
Automatisierung von Standardvorgängen
Digitale Prozessoptimierung gehört laut Deckers seit vielen Jahren zur Unternehmenskultur. Prozesse würden regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. Standardvorgänge liefen teilweise seit rund zehn Jahren automatisiert ab.
Viele Vereinfachungen, die heute als Anwendungen künstlicher Intelligenz gelten, setzt Lekker bereits seit Jahren um. Als Beispiel nennt Deckers die Dunkelverarbeitung:
Kommt eine E-Mail mit einer Abschlagsanpassung, erkennt das System den Vorgang, führt die Änderung durch und bestätigt sie dem Kunden – ohne manuelle Prüfung. Der Prozess habe vor Jahren begonnen und werde durch künstliche Intelligenz beschleunigt. "Wir geben den Mitarbeitenden viel Freiraum, neue Technologien und Anwendungen auszutesten", verdeutlicht Deckers.
Kundenservice: Persönlicher Kontakt bleibt wichtig
Künstliche Intelligenz (KI) setzt Lekker nicht als Selbstzweck ein. Entscheidend sei, welches Werkzeug ein konkretes Problem am besten löse. Die Entscheidung richte sich nach dem praktischen Nutzen. Beispiele sind die Vorklassifizierung eingehender E-Mails im Kundenservice, die Authentifizierung von Kunden am Telefon oder die Vorbereitung von Antwortvorschlägen. Entwickler nutzen KI zudem für Programmierung und Testprotokolle.
Lekker will einfache Tätigkeiten automatisieren, damit Mitarbeitende im Kundenservice mehr Zeit für komplexe und beratungsintensive Anliegen haben. Die Erfahrungen genügten aber vielfach noch nicht den Qualitätsstandards von Lekker. Wer zum Telefon greife, habe häufig bereits andere Kanäle ausprobiert oder ein besonders komplexes Problem. Dann wollten Kunden meist mit einem Menschen sprechen. Der persönliche Kontakt bleibe deshalb wichtig.
Regelmäßige Kundenbefragungen sind ein wichtiger Baustein der Optimierungsstrategie. Um hier einen qualitativ hochwertigen Kundenservice garantieren zu können, werde man aber zweifellos einfachere Tätigkeiten automatisieren müssen. "Das macht allein der Fachkräftemangel in diesem Bereich zwingend erforderlich", verdeutlicht die Geschäftsführerin.
Dort, wo wir durch Eigenentwicklungen Wettbewerbsvorteile generieren können, machen wir das auch.
Lekker betrachtet Kundenservice zudem nicht nur als Telefonie. Kundenportal, E-Mail, Telefon und Messenger sollen abgestimmt sein und über alle Kanäle ein vergleichbar gutes Serviceerlebnis bieten. Eigene Entwicklungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Lekker ergänzt standardisierte Systeme durch eigene Portale, prozessorientierte Masken für Mitarbeitende und Schnittstellen zwischen den verschiedenen Anwendungen. Ein Teil der Anwendungen wird extern bezogen, zentrale Lösungen entwickelt Lekker selbst. "Dort, wo wir durch Eigenentwicklungen Wettbewerbsvorteile generieren können, machen wir das auch."
Die Daten bilden dabei eine wichtige Grundlage. Lekker verbindet seine Systeme über Programmierschnittstellen und führt Kunden- und Prozessdaten in einem Data Lake zusammen. Damit könne das Unternehmen Prozesse steuern, Zusammenhänge erkennen und neue Produkte entwickeln. Dynamische Tarife, Flexibilisierung und Energy Sharing erforderten aktuelle, transparente Daten. Lekker sieht sich in diesem Bereich gut vorbereitet.
Das Unternehmen will weitere Schnittstellen zu Software- und Energiewende-Anbietern aufbauen und die Serviceprozesse digitalisieren. Entscheidend sei das Zusammenspiel der Systeme über eine eigene API-Schnittstelle, sagt Deckers. Dafür arbeite Lekker bereits mit Anwendungen und Dienstleistungen von Amazon, darunter Amazon Connect sowie weitere Cloud- und Data-Lake-Dienste.
Energievertrieb 2040: Spielerischer und transparenter
Wie wird sich der Vertrieb bis 2040 entwickeln? Deckers erwartet keinen vollständigen Abschied vom klassischen Kilowattstundenvertrieb. Der Commodity-Vertrieb werde vermutlich weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig dürften Transparenz, eigene Erzeugung, Flexibilität und energienahe Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen. Kunden würden sich stärker mit Erzeugung und Verbrauch beschäftigen. Der Energievertrieb werde dadurch spielerischer, aber auch transparenter und serviceorientierter, ohne dass das Liefergeschäft verschwinde.
Wettbewerbsfähige Energievertriebe benötigten leistungsfähige, verbundene Systeme, gute Daten und den richtigen Umgang mit Mitarbeitenden. Unternehmen müssten sie im dauerhaften Wandel begleiten, Freiräume geben und Ängste vor neuen Technologien nehmen. Für Lekker seien die Mitarbeitenden deshalb das zentrale Asset – und die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die digitale und energiewirtschaftliche Transformation gelinge.