Herr Braun, der Sommer war in Süddeutschland extrem trocken. Wie kam es in München zur Allgemeinverfügung?
Vor allem Oberbayern war von der Trockenheit betroffen. Dort liegen unsere drei Gewinnungsgebiete: das Mangfalltal, das Loisachtal und die Münchner Schotterebene. Wir hatten eine beispiellos lange Dürreperiode und dann eine anhaltende Hitzeperiode mit Spitzenverbräuchen in der Stadt und den von uns versorgten Gemeinden.
Dadurch haben wir Grenzwerte überschritten, die wir uns gesetzt haben. Gemeinsam mit dem Referat für Klima- und Umweltschutz der Stadt München kam es dann zur Allgemeinverfügung. Zusätzlich haben wir als Versorger eine Wassersparanordnung erlassen.
Was waren die Auslöser für die Allgemeinverfügung?
Wir hatten eine solche Spitze in der Auslastung unserer Ressourcen schon einmal im Jahr 2025, allerdings nur kurz, danach hat sich die Lage wieder entspannt. In diesem Jahr war es anders. Als wir unseren Warnpegel überschritten hatten, prognostizierten die Fachleute angesichts der anhaltenden Trockenheit und der meteorologischen Daten keine schnelle Entspannung.
Die Lage war angespannt, aber wir hatten sie im Griff.
Deshalb haben wir der Stadt empfohlen, eine Allgemeinverfügung zu erlassen, auch wenn das schmerzlich ist. Aber sie hat ins Bewusstsein gebracht, dass Wasser ein kostbares Gut und nicht mehr selbstverständlich ist. Im Übrigen möchte ich betonen: Die Lage war angespannt, aber wir hatten sie im Griff. Wir konnten und können die Münchner Bevölkerung ausreichend mit Trinkwasser versorgen.
Im Mangfalltal, aus dem normalerweise rund 80 Prozent des Münchner Wassers kommen, streiten die SWM um Altrechte zur Wasserförderung. Wie ist aktuell der Sachstand?
Unser Wasserrecht dort ist seit über 100 Jahren dokumentiert, und unserer Rechtsauffassung nach hat es immer noch Bestand. Das Landratsamt Miesbach hingegen möchte, dass wir es, wie im Loisachtal und in der Schotterebene, alle 20 Jahre neu beantragen. Aber gerade in der jüngsten Vergangenheit hat sich gezeigt, dass den Verantwortlichen in der Region bewusst ist, dass sie einer Millionenstadt nicht das Wasser verwehren können.
In der angespannten Lage in diesem Sommer haben die Behörden intensiv und gut mit uns zusammengearbeitet und teils Ausnahmen ermöglicht. So konnten wir vorübergehend zusätzliche Brunnen in Betrieb nehmen. Auch aus Garmisch kamen positive Signale für den Fall, dass sich die Situation noch weiter verschärfen würde.

Im Loisachtal schränken Naturschutzauflagen die Förderung ein. Die Schotterebene war ja ursprünglich als "Backup" gedacht, um hohe Bedarfe abzufedern. Hat sich das unter den neuen klimatischen Rahmenbedingungen geändert?
Durch einen neuen Wasserrechtsbescheid dürfen wir im Loisachtal statt ursprünglich 50 Millionen Kubikmeter nur noch 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr entnehmen. Das tut uns weh, ist aber naturschutzfachlich begründet. Die Schotterebene war nie ein Backup, sondern immer ein zusätzliches Gewinnungsgebiet. Dort fördern auch andere Kommunen. Allerdings sinken auch hier die Grundwasserpegel.
Wie blicken Sie auf den Winter?
Wir sehen keine Entspannung. Das bayerische Landesamt für Umwelt sagt klar, dass die jüngsten Niederschläge nicht ausreichend waren, und auch unsere Gutachter erwarten, dass die Situation anhält. Nach einem extrem trockenen Winter und einem extrem trockenen Sommer werden sich die Grundwasserstände nicht so schnell erholen wie erhofft und uns die Auswirkungen der Trockenheit noch weiter begleiten.
Alle Gutachter gingen davon aus, dass trotz Klimawandel unterm Strich genug Grundwasser zur Verfügung stehen wird. Mittlerweile haben die Experten ihre Langfristmodelle diesbezüglich revidiert.
München galt ja aufgrund der Lage im Voralpenland lange als begünstigt in Bezug auf die Wasserversorgung. Wann wurde deutlich, dass die Situation schwieriger sein könnte als gedacht?
Alle Gutachter gingen davon aus, dass sich Starkregen- und Trockenperioden abwechseln werden, dass aber unterm Strich genug Grundwasser zur Verfügung stehen wird. Mittlerweile haben die Experten ihre Langfristmodelle diesbezüglich revidiert. In unserer Region kommt zu der zunehmenden klimatischen Erwärmung noch die Einschränkung der Förderung durch naturschutzrechtliche Belange. Dass das Dargebot so schnell und so stark schrumpft, haben weder ich noch unsere Gutachter kommen sehen.
Wie will München gegensteuern?
Im Auftrag von Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause entwickeln wir mit dem Referat für Klima- und Umweltschutz eine Wasserstrategie für München, die im Laufe des nächsten Jahres vom Stadtrat beschlossen werden soll. An den Grundlagen dafür arbeiten wir auch mit dem TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser bereits seit zwei Jahren.
Bisher ist der Verbrauch trotz der Bevölkerungszunahme auf 1,6 Millionen Einwohner konstant geblieben. Aber München wird weiter wachsen, während die Schüttungen im Mangfalltal und die Grundwasserstände in der Schotterebene historisch tief sind. Wir werden zusätzliche Quellen erschließen müssen, naturschutzfachlich begleitet und mit Akzeptanz vor Ort.
Und wenn auch der nächste Sommer zu trocken wird?
Mit dem Referat für Klima- und Umweltschutz erarbeiten wir einen Stufenplan als Teil der Wasserstrategie. Wir haben für uns Auslösefaktoren definiert, und mit den Behörden sprechen wir darüber, wo wir in diesem Fall temporär zusätzliche Quellen hinzunehmen können. Am Ende steht als letztes Mittel die Allgemeinverfügung. Davor gibt es aber genügend Eskalationsstufen, damit wir eine Situation wie im Juli möglichst nicht noch einmal erleben.
Bayern hat die Strategie "Wasserzukunft Bayern 2050" aufgelegt. Welche Rolle spielt Oberbayern darin?
Eigentlich ist es eine Strategie für ganz Bayern, aber früher standen die Probleme der Trockenheit in Franken im Vordergrund. Wir waren daher bislang nur am Rande beteiligt, aber das hat sich nun grundlegend geändert.
Die Daten des Landesamts für Umwelt zeigen, dass Oberbayern derzeit einer der Schwerpunkte der Wasserknappheit ist. Wir hoffen, mit unserem Konzept für München und die Region einen Beitrag zur Gesamtstrategie zu leisten. Bei der Regierung von Oberbayern hört man uns inzwischen zu.
Was meinen Sie damit konkret?
Wasser ist nicht nur unser Thema; es betrifft alle Kommunen in der Region. Der Oberbürgermeister hat eine Taskforce eingerichtet und auch die Landräte in Garmisch und Miesbach kontaktiert. Jetzt holen wir Genehmigungsbehörden, Landkreise, Kommunen und Naturschutz an einen Tisch, statt immer nur einen Genehmigungsantrag zu stellen, auf den ein Hin und Her folgt.
Wenn ein solcher Weg im Großraum München funktioniert, ließe er sich möglicherweise auch in Franken oder der Oberpfalz anwenden.
Den Wassercent im Gießkannenprinzip zu verteilen, hielten wir für fatal.
Das wird viel Geld kosten. Wünschen Sie sich mehr Unterstützung von Land und Bund?
Resilienz betrifft nicht nur Strom, Wärme und Gas, sondern genauso die Wasserversorgung. Im Rahmen der "Wasserzukunft Bayern 2050" hat die bayerische Regierung den Wassercent eingeführt. Unserer Meinung nach sollte das Geld den Kommunen zugutekommen, aus denen das Wasser kommt.
Politisch gibt es da im Moment andere Vorstellungen. Den Wassercent im Gießkannenprinzip zu verteilen, hielten wir für fatal. Gefördert werden sollten Projekte, die skalierbar und für andere sinnvoll sind. Unsere Förderung des ökologischen Landbaus in den Gewinnungsgebieten finanzieren wir selbst und stellen dafür einige Millionen bereit. Solche Programme könnten wir erweitern, wenn wir in die Landkreise gehen, um zusätzliche Quellen zu erschließen.
Wie wird sich das auf die Wasserpreise auswirken?
Im Bundesvergleich hat München sehr moderate Wasserpreise. Investitionen wie die neue Zubringerleitung aus dem Mangfalltal, die wir gerade projektieren, werden auf den Preis umgelegt, aber das wird zu einer sehr moderaten Anhebung führen.
Den Preis als Steuerungsinstrument zu nutzen, um den Verbrauch zu senken, ist für uns keine Option. Wir unterliegen dem Kartellrecht und wurden immer als günstige Vergleichsgruppe herangezogen. Das soll sich nicht ändern.