Die Schufa will ihr Projekt "Check Now" anders durchsetzen und dazu die Datenschutzbehörde "wechseln", wie Recherchen von NDR, WDR und SZ ergeben. Das Auskunftsunternehmen plant, Datenbanken aufzubauen, die auch Wechselinformationen enthalten. Dies kritisieren bereits Verbraucher- und Datenschützer. Nun will sie die Institution wechseln: Statt der dem Projekt eher kritisch eingestellten Behörde in Bayern soll nun Hessen zuständig sein, teilt der Verbraucherzentralen Bundesverband (VZBV) mit.
Klaus Müller, VZBV-Vorstand, kommentiert die Pläne: "Der Versuch der Schufa, mit einem solchen Kniff den Datenschutz auszuhebeln, ist überaus dreist. Es war schon schlimm genug, dass die Schufa eine ziemlich umfassende Datenschnüffelei über eine Tochterfirma in Bayern geplant hat. Nun, nachdem sich die Behörde dort kritisch geäußert hat, das Projekt einfach an eine andere Datenschutzbehörde weiterreichen zu wollen, setzt dem noch eins drauf." Diese Art von Rosinenpickerei sei völlig inakzeptabel und "das sollte sich der hessische Datenschutzbeauftragte nicht gefallen lassen". Der Vorgang belege aber, wie "ernst es die Schufa offensichtlich mit ihren Schnüffelabsichten" meint.
Verbraucherzentrale warnt vor Datenauswertung
Gleichzeitig bedeute das Projekt eine "neue Qualität der Datenauswertung", kritisiert die VZBV. Es gehe hier "nicht mehr" nur um Negativmerkmale, die einen Hinweis darauf bieten können, ob Verbraucher ihre vertraglichen Pflichten nicht einhalten würden. "Die Schufa will künftig Zugriff auf unsere Kontobuchungen haben - und damit Einblicke in unser Kaufverhalten, unseren Medienkonsum oder unsere Hobbys", empört sich Müller. Das führe in letzter Konsequenz zum vollkommen "durchleuchteten Verbraucher" und erlaubt auch Rückschlüsse auf Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen.
Falls es so weit komme, werde der VZBV genau prüfen, ob das Bonitätsinstitut die Einwilligung zu einer solchen Datenauswertung von den Verbrauchern rechtswirksam einhole. (gun)
