Vor Corona und aktuell: Mittags und abends gibt es derzeit eine deutlich höhere Auslastung des Breitbandnetzes von EWR.

Vor Corona und aktuell: Mittags und abends gibt es derzeit eine deutlich höhere Auslastung des Breitbandnetzes von EWR.

Bild: © EWR

Herr Stüdemann, EWR ist nicht nur Energieversorger in Rheinhessen, dem hessischen Ried und der Pfalz, sondern verlegt auch Breitbandkabel und bietet Internet-Produkte. Wo liegen für Sie die Herausforderungen in der aktuellen Situation?
Dirk Stüdemann, EWR-Vorstand: „Neben der Versorgung mit Strom, Gas und Wasser zählt auch die Telekommunikations- und Informationstechnik zu den systemkritischen Infrastrukturen. Als Telekommunikationsunternehmen haben wir die wichtige Aufgabe, gerade in einer solchen Ausnahmesituation, auch diese wichtige Infrastruktur aufrechtzuerhalten und eine sichere Versorgung mit Internet und Telefonie zu gewährleisten. Leistungsfähige Telekommunikationsnetze sind die entscheidende Voraussetzung dafür, dass Menschen jetzt miteinander kommunizieren, mobil arbeiten und sich in Echtzeit informieren können. Gerade in Zeiten, in denen viele Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten und sich die Menschen fast ausschließlich zuhause aufhalten, ist eine konstante Internet- und somit Informationsversorgung zwingend.“

Spüren Sie eine Überlastung der Netze? Benötigen Ihre Kunden während den Bürozeiten nun deutlich mehr Datenvolumen?
„Von einer Überbelastung der Netze kann noch keine Rede sein. Dass die Netzauslastung seit Ausbruch der Corona-Pandemie zugenommen hat, das können wir aber bestätigen. Gerade vormittags steigt der Datenverkehr schon früh an und ist um die Mittagszeit mehr als doppelt so hoch, wie an einem vergleichbaren Werktag vor der Corona-Pandemie. Trotzdem können wir die notwendigen Kapazitäten tagsüber ohne Einschränkungen zur Verfügung stellen. Viele Anwendungen im Bereich des mobilen Arbeitens benötigen nur eine geringe Bandbreite. In den meisten Fällen greifen die Arbeitnehmer lediglich auf die Server der Unternehmen zu. Das heißt die Unternehmen müssen bei ihren eigenen Internetanschlüssen über genügend Bandbreite verfügen.“

Werden bei Ihnen seitdem höhere Übertragungsraten angefragt?  Etwa ein Update von 25 auf 50 oder 100 Mbit/s pro Sekunde?
„Viele Haushalte haben in der aktuellen Situation einen deutlich höheren Bedarf an Bandbreite als vor der Corona-Pandemie. Das heißt, dass das von ihnen gewählte DSL-Produkt nicht ausreichend ist, zum Beispiel für Online-Schulunterricht. Ein Tarifwechsel auf ein DSL-Produkt mit mehr Bandbreite ist bei der EWR AG jederzeit kostenfrei möglich und wird aktuell auch häufig von unseren Kunden nachgefragt.“

Gibt es Unterschiede in der Tageszeit bei der Nutzung von Internet? In Hamburg hat man beispielsweise herausgefunden, dass die Menschen in Zeiten von Homeoffice später duschen. Kommt es zum Beispiel gerade nach den Office-Zeiten vermehrt zum Streamen von Filmen von Netflix und Co und ist das ein Problem für das Netz?
„Anhand der Netzauslastung können wir nur bedingt Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten schließen, für die von EWR betriebenen Breitbandnetze kann man allerdings eine starke Internetnutzung in den Abendstunden feststellen. Gerade in der Zeit zwischen 20:00 und 22:30 Uhr ist die Netzauslastung am höchsten. Das Streamen von Videos über Netflix, Amazon Prime und Co beansprucht definitiv eine hohe Bandbreite und hat nochmals zugenommen. Die Engstelle ist dabei jedoch meistens weniger das Gesamtnetz, sondern eher die „letzte Meile“ zum Haus (Kupferleitungen). Dass manche Streamingdienste, wie zum Beispiel Netflix, ihr Angebot von HD auf SD umstellen begrüßen wir sehr – denn solche „freiwilligen“ Umstellungen sollten das Ziel sein.“


Sie bieten sowohl VDSL (Vectoring) als auch Glasfaserhausanschlüsse. Gibt es hier Unterschiede bei der Versorgungsstabilität?
„Grundsätzlich ist eine stabile Internetversorgung über Glasfaserhausanschlüsse und VDSL gewährleistet, der Unterschied liegt viel mehr in der maximalen Leistung. Grundsätzlich sind bei VDSL keine maximalen Bandbreiten wie bei einem Glasfaserhausanschluss möglich. Je länger die „letzte Meile“ über die Kupferleitung ist, desto geringer die maximale Leistung. An dieser Stelle kommt das Vectoring an seine Grenzen. Die angewendete FTTC-Technologie, die Glasfaserleitungen nutzt und die letzte Meile über Kupferleitungen nimmt ist deshalb aus unserer Sicht nur eine „Brückentechnologie“. Der reinen Glasfasertechnologie gehört ganz klar die Zukunft. Geschwindigkeiten zur Datenübertragung bis in den Gigabit-Bereich sind mit Glaserfaser jederzeit möglich, auch das Versenden sehr großer Datenmengen funktioniert dank höherer Up-Stream-Raten deutlich schneller und stabiler.“ (Zum Vergrößern der Grafik bitte klicken).

Wie sieht es bei EWR selbst aus, wie viele Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice und wie klappt es hier mit der Verfügbarkeit und technischen Anbindung?
„Seit Mitte März arbeiten zwei Drittel unserer knapp 600 Mitarbeiter im Homeoffice. Aufgrund dieser Maßnahme haben wir auch Vertrauensarbeitszeit eingeführt. Die Akzeptanz innerhalb der Belegschaft ist gut und mittlerweile hat sich auch die „digitale“ Zusammenarbeit entsprechend eingespielt. So finden beispielsweise Meetings mit Kollegen oder Kunden ausschließlich per Telefon- oder Videokonferenzen statt, technisch funktioniert dies bisher sehr gut.“

Was bedeutet die Krise für Ihr Telekommunikations-Geschäft?
„In der Strategie, im Telekommunikationsgeschäft stärker auf Glasfaser zu setzen und den Glasfaserausbau voranzutreiben, sehen wir uns auch durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie bestätigt. Wir haben unsere Kapazitäten in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut und werden dies auch weiterhin tun.  Der große „Breitband-Hunger“ den wir schon länger sehen, kommt nun durch die Corona-Pandemie und die Verlagerung des öffentlichen Lebens ins digitale Umfeld lediglich früher als erwartet.“


Die Fragen stellte Stephanie Gust

Foto und Grafik © EWR

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