Wolfsburg wird im kommenden Jahr komplett mit Glasfaser erschlossen sein. Dalibor Dreznjak, der Geschäftsführer der Telekommunikationstochter der Stadtwerke Wolfsburg, ist da zuversichtlich.
Die Stadt Wolfsburg profitiert vom Graue-Flecken-Förderprogramm des Bundes, sodass die Stadt die letzten Haushalte ans Netz anschließen und die Wobcom als kommunales Unternehmen das Netz betreiben kann. Zuvor hat die Wobcom den Gigabitausbau in der niedersächsischen Stadt hauptsächlich eigenwirtschaftlich vorangetrieben.
Neben der Wobcom hat auch die Deutsche Glasfaser mehrere Ortschaften in Wolfsburg ausgebaut. "Das ist absolut legitim", sagt Dreznjak. Für die Wobcom stellte sich dann nur die Frage, ob sie parallel dazu noch einmal ausbaut. "Ein Doppelausbau ergibt jedoch weder volkswirtschaftlich noch betriebswirtschaftlich Sinn." Deshalb suchte das kommunale Unternehmen das Gespräch.
Konkurrenz als Kooperationspartner
"Die Deutsche Glasfaser war für eine Kooperation sehr offen. Natürlich ging es am Anfang, wie immer, zunächst um die Frage des Preises", berichtet Dreznjak. Doch schlussendlich konnte sich die Wobcom den Zugang zum Netz der Deutschen Glasfaser durch die Kooperation sichern. Dies sei ein starkes Instrument: "Es geht nicht darum, doppelt zu bauen, sondern möglichst alle Bürgerinnen und Bürger ans Glasfasernetz anzuschließen und ihnen direkte Ansprechpartner vor Ort bereitzustellen."
Nachdem die Stadt größtenteils erschlossen ist, geht in Wolfsburg das zweite Rennen beim Glasfaserausbau los: Homes Connected. Da ist die Wobcom schon ganz weit mit 60 Prozent. Damit liegt die Stadt über dem Bundesdurchschnitt, der liegt laut Breko bei 27 Prozent. Der Vorsprung in Wolfsburg sei auch auf ein starkes Marketingangebot zurückzuführen, sagt Dreznjak. Der Wobcom-Geschäftsführer betont, dass vor allem Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern großen Wert auf eine direkte Glasfaseranbindung bis in den Keller legen. In vielen dieser Häuser sei die interne Infrastruktur gut ausgebaut, sodass die Glasfaser dort unmittelbar einen spürbaren Mehrwert bringe.
Für einen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung sind die Menschen zu begeistern, wenn man ihnen die Vorteile erklärt.
Anders stellt sich die Lage bei Mehrfamilienhäusern dar: Zwar könne der Netzbetreiber die Glasfaser bis in den Keller führen. Doch innerhalb der Gebäude verläuft die Versorgung häufig noch über alte Kupfer- oder Koaxialleitungen, was die technischen Möglichkeiten begrenzt. "Für einen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung sind die Menschen zu begeistern, wenn man ihnen die Vorteile erklärt, denn Glasfaser garantiert im Gegensatz zu den geteilten Medien eine stabile Verbindung auch bei gleichzeitiger Nutzung."
Baustelle Mehrfamilienhäuser
Deshalb ist es ihm wichtig, die Menschen über die Vorteile der Glasfaser aufzuklären, gerade wenn sie im Alltag bisher noch nicht an die Grenzen ihrer Datenleitung gekommen sind. "Die Frage, die wir immer wieder hören, lautet: Wofür brauche ich diese riesigen Datenraten eigentlich?" Die Antwort: Der Ausbau sei entscheidend, um die Netze zukunftssicher zu machen und perspektivisch wachsende Anforderungen abzufedern, wie beispielsweise das gleichzeitige Homeoffice und Home-Schooling eines ganzen Mehrfamilienhauses zu gewährleisten.
Ein wichtiger Partner für den Anschluss von Wohnungen sind die Wohnungsunternehmen. Ihr erstes großes Kooperationsprojekt dieser Art kündigten die Wolfsburger im Sommer an. Die kommunale Neuland Wohnungsgesellschaft will mit der Wobcom alle ihrer rund 11.300 Wohnungen in Wolfsburg mit Glasfaser versorgen.
Den Ausbau übernimmt die Wohnungsgesellschaft selbst und hat die Wobcom mit Planung und Umsetzung beauftragt. Das kommunale Telekommunikationsunternehmen wird danach Pächter und Betreiber. Bereits heute sind etwa 1.500 Einheiten, vor allem Neubauten und sanierte Bestände, mit Glasfaser ausgestattet. Das Infrastrukturprojekt kostet die Neuland einen siebenstelligen Betrag.
"Die Neuland ist ein Schlüsselpartner, weil wir hier schnell viele Haushalte anschließen können", sagt Dreznjak. Aber natürlich bleibe auch hier der Markt hart umkämpft, mit bestehenden DSL-Anbietern.



