Gastbeitrag von Bernd Sörries
Die aktuelle Corona-Pandemie unterstreicht, wie essentiell die weitere Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist. Wenn jetzt nicht alle Weichen für eine schnelle Digitalisierung gestellt werden, wann dann?
Zu flächendeckenden und leistungsfähigen digitalen Infrastrukturen gibt es keine Alternative. Diese Infrastrukturen sind die Basis zur Sicherung von Wohlstand und Wachstum sowie, wenn es um digitale Anwendungen auf physischen Infrastrukturen geht, digitaler Selbstbestimmung. Praktisch alle Lebensbereiche können davon profitieren. Stichworte sind e-health, e-learning, remote working, smart farming oder smart grids.
Leistungsfähige Netzinfrastrukturen
Zudem kann Digitalisierung einen deutlichen Beitrag für den Klimaschutz leisten: Mehr Glasfasernetze führen zu einem deutlich geringeren CO2-Fußabdruck im Vergleich zu gängigen Technologien wie etwa DSL.
Grundlage der Digitalisierung sind zunächst leistungsfähige Netzinfrastrukturen. Bundesregierung und Netzanbieter sind sich einig, dass Deutschland Gigabit-Netze benötigt.
Stehen vor Marathon
Dazu gehören auch leistungsfähige Funknetze und Rechenzentren, neudeutsch als "Cloud" bezeichnet. Digitalisierung hat dabei eine Gemeinsamkeit mit der Energiewende: ohne dezentrale Netzinfrastrukturen in der Fläche, die skalierbar sind und damit dem massivem Datenwachstum nicht im Wege stehen, wird es nicht gehen.
Wir stehen somit vor einem Marathon, bei dem es auf jedes Unternehmen ankommt. Immer mehr kommunale Unternehmen haben die Herausforderungen erkannt und sind auf vielfältige Art und Weise im Prozess der Digitalisierung aktiv.
Vorteile von Kommunalunternehmen
Sie errichten und betreiben digitale Infrastrukturen wie Rechenzentren, Glasfaserzugangsnetze (beispielsweise Fibre to the Home / Fibre to the Building) oder Funknetze (WLAN, LoRaWAN). Sie stellen insoweit die digitale Infrastruktur bereit, ohne die eine Digitalisierung von lokalen Märkten oder Verwaltungen gar nicht funktionieren kann.
Kommunale Unternehmen spielen gerade beim lokalen Glasfaserausbau ihre Vorteile wie Kundennähe und Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten aus. Wenn kommunale Unternehmen speziell abseits der Ballungsgebiete den Glasfaserausbau forcieren, dann stoßen sie häufig in die Lücken, die bundesweit aktive Telekommunikationsanbieter beim Ausbau hinterlassen.
Anbietervielfalt auf Netzen
Sie erfüllen somit gesamtgesellschaftlich eine wichtige Funktion, da sie in diesem Bereich für gleiche Lebensverhältnisse zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sorgen. Die kommunalen Anbieter sind es auch, die die Anschlussquoten, die sogenannten Take-up-Raten, seit Jahren erfolgreich nach oben drücken.
Dies gilt insbesondere bei Anbietern im ländlichen Raum. Und: Die Anbieter sind für Kooperationen mit „open access“ offen, so dass Anbietervielfalt auf ihren Netzen besteht.
Innovationen aus Wettbewerb
Wer Glasfaser verlegt, der kann auch leichter öffentliche WLAN-Netze leistungsfähig anbinden und zum öffentlichen Mobilfunk ein komplementäres Produkt anbieten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Mobilfunkversorgung schätzen das Kunden.
Bei Smart-City-Konzepten setzen kommunale Anbieter mit LoRaWAN erfolgreich auf alternative Funknetze, die die Entwicklung des Internet der Dinge unterstützen. Nicht jede Anwendung muss über ein öffentliches Mobilfunknetz realisiert werden. Im Übrigen resultieren aus dem Wettbewerb der Technologien Innovationen.
Digitalisierung als Chance
Insgesamt sind kommunale Unternehmen eine wesentliche Stütze bei der Modernisierung unserer Infrastrukturen. Die Digitalisierung bietet ihnen jedenfalls erhebliche Chancen.
Zum Gastautor: Bernd Sörries ist Leiter der Abteilung "Regulierung und Wettbewerb" am Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Die Tochter WIK-Consult hat mit dem Verband VKU die Studiie "Digitale Infrastrukturen kommunaler Unternehmen" herausgegeben.
Ansprechpartner zur Studie sind:
Bernd Sörries (WIK Consult) b.soerries(at)wik.org, 49 2224 9225-23 und
Thomas Abel, Geschäftsführer Geschäftsführer Wasser/Abwasser und Telekommunikation im VKU: abel(at)vku(dot)de, 49 30 58580-150.



