Herr Donath, was betrachten Sie aktuell als die größte Herausforderung beim Breitbandausbau?
Florian Donath: Der Kostenanteil des Tiefbaus beim Glasfasernetz macht in der Regel 80 bis 90 Prozent der Gesamtinvestitionen aus. Trifft man die Entscheidung deswegen allein über die Höhe des Angebots, kann man die Kosten spürbar senken. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass Qualität gerade beim Bau eines Netzes ihren Preis hat. Wer aber sehr günstig anbietet, muss oft an den vielen Stellen sparen, um dennoch auf seine Marge zu kommen. Die Folge: Am Ende kostet der Netzbau doch wieder deutlich mehr. Es kommt dabei zu technischen Problemen, nicht berücksichtigte Nachforderungen werden gestellt oder der Aufwand für der Projektsteuerung und -überwachung läuft aus dem Ruder
Welcher Schlüsselfaktor kann dies verhindern?
Donath: Es klingt trivial, ist aber oft nicht gegeben: Auf der Baustelle muss immer deutschsprachiges Personal anwesend sein. Der Breitbandausbau in Deutschland hinkt hinterher. Gleichzeitig ist der Ausbau in vielen europäischen Ländern abgeschlossen. Dementsprechend ist der Bedarf an europäischen Tiefbauern, die in Deutschland arbeiten möchten, ziemlich hoch. Und aufgrund des Fachkräftemangels greifen ebenso deutsche Tiefbauer zunehmend auf Arbeitskräfte aus ganz Europa und darüber hinaus zurück. Gleichzeitig findet der Netzbau in sensiblen Bereichen, am Rande von Verkehrswegen, im Fußgängerbereich oder beim Hausanschluss auch im Privatgelände statt. Wenn es hier zu Problemen kommt und kein Arbeiter die deutsche Sprache beherrscht, kann es schnell zu Konflikten kommen. Deswegen reicht es nicht, vertraglich zu regeln, dass deutschsprachiges Personal zur Verfügung stehen muss. Vielmehr sollte auch regelmäßig überprüft werden, ob es tatsächlich auch vor Ort im Einsatz ist.
Was ist bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen zu beachten?
Donath: Grundsätzlich sind die Vorgaben zum Arbeitsschutz oder zu den zugelassenen technischen Gerätschaften in Deutschland klar geregelt. Dennoch empfiehlt es sich, dies auch nochmals vertraglich zu fixieren. Denn im EU-Ausland gelten andere Regeln, Unternehmen von dort sind mit den deutschen Vorgaben nicht immer vertraut. So sollte ein Arbeitsschutzkonzept vorliegen und entsprechende Zertifizierungen wie etwa das „Arbeitsmanagement Sicherheit AMS der BG Bau“. Bei Geräten und Werkzeugen müssen TÜV-Prüfung oder das GS-Zeichen, wenn in Deutschland erforderlich, zwingend vorgeschrieben werden.
Breitbandausbau gilt als sensibles Thema, weil die Glasfaserkabel sehr empfindlich sind.
Donath: Exakt. Im Straßenbereich sollte die Verlegetiefe mindestens 80 Zentimeter, unter dem Gehweg nicht unter 60 Zentimeter betragen. Da Aufwand und Kosten aber mit der Verlegetiefe zunehmen, wird das in der Praxis oft nicht ein- oder durchgehalten. Denn abgerechnet wird meist über Fest- und Meterpreis. Das hat Folgen: Ist die Tiefe zu gering, droht bei Baumaßnahmen, wie der Installation von Verkehrsschildern oder Gegenständen der Stadtmöblierung, die direkte Beschädigung der Glasfaserleitung. Wird mal höher mal tiefer verlegt, kann es beim Einblasen der Glasfasern zu Problemen kommen. Dadurch verringert sich die mögliche Verlegelänge oder das Einblasen funktioniert stellweise gar nicht mehr. Gleiches gilt für zu geringe Biegeradien. Besondere Vorgaben gelten zudem im Bereich von Bahnanlagen, Gewässerquerungen oder im Wurzelbereich von Bäumen.
Ein Kostenfaktor ist auch die Bauausführung: Im Tiefbau liegen die Kosten bei 70 bis 120 Euro je Meter, beim Horizontalspülbohrverfahren bei rund 50 Euro und bei Trenching-Verfahren nochmals deutlich darunter. Letzteres ist damit zwar billig, die Frästiefe ist jedoch begrenzt und entspricht damit in der Regel nicht den Qualitätsvorgaben in Sachen Verlegetiefe.
Worauf muss man sonst achten, um die Qualität sicherzustellen?
Donath: Ein weiteres Problemfeld ist der Rückbau bzw. Rückschnitt. Grundsätzlich gilt, dass der Aufbau und die Verdichtung des Bodens nach dem Auffüllen des Grabens im selben Zustand sein sollte wie zuvor. Damit die Lastverteilung stimmt, muss der Graben darüber hinaus am oberen Rand breiter sein als unten – bei Gräben sind das mindestens 15 Zentimeter auf jeder Seite. Wir dies nicht eingehalten, kann es zu Setzungen und Rissbildungen kommen, mit den entsprechenden Folgekosten. Ob die Verdichtung stimmt, wird mit einem so genannten „leichten Fallgerät“ überprüft, und dies alle 50 Meter. Sowohl diese Prüfung als auch die korrekten Füllmaterialien sind aber Kostenfaktoren, die gerne mal eingespart werden. Deswegen reicht es auch hier nicht, das nur vertraglich zu regeln, es muss auch überwacht werden.
Die Fragen stellte Adrian Gun.



