Die "letzte Meile" zu einem Haus oder in ein Gebiet ist oft sehr teuer.

Die "letzte Meile" zu einem Haus oder in ein Gebiet ist oft sehr teuer.

Bild: © Jörg Lantelme/AdobeStock

Der umstrittene Doppelausbau von Glasfaser-Internet sorgt für erhitzte Gemüter in Deutschlands Telekommunikationsbranche. In einem Brief an das Bundesdigitalministerium fordern die Verbände Breko, Anga und VATM, welche die Interessen von Konkurrenten der Deutschen Telekom vertreten, Maßnahmen zu ergreifen. Der strategische Doppelausbau sei «ein großes Problem für den weiteren erfolgreichen Glasfaserausbau in Deutschland».

Bei dem Doppelausbau verlegen zwei Firmen separat voneinander Glasfaser in einer Gegend oder wollen dies tun. Dadurch fehlen die Bagger in anderen Gegenden, wo die Menschen gar kein Glasfaser-Speed bekommen.

Doppelausbau sorgt regelmäßig für Ärger 

«Fiber to the Home» (FTTH) gilt als die beste Technologie für schnelles und stabiles Internet. Verbindungen über Telefonkabel (VDSL) sind ein Auslaufmodell. Fernsehkabel (Docsis 3.1) bieten zwar mehr Speed als die dünnen Telefonleitungen, sind aber schwankungsanfällig - ist die ganze Nachbarschaft online, geht die Leistung in den Keller. Glasfaser-Anschlüsse sind bei hohem Speed hingegen bemerkenswert stabil, aber relativ teuer.

Der Ausbau hat Fahrt aufgenommen, laut einer Breko-Marktanalyse vom August kann schon jeder dritte Haushalt in Deutschland an Glasfaser-Internet angeschlossen werden. Vor allem die Telekom investiert stark. Dass der Bonner Konzern mancherorts Ausbauvorhaben verkündet, obwohl dort schon ein kleineres Unternehmen Pläne bekanntgegeben oder umgesetzt hat, führt zu Kopfschütteln in der Branche. Denn wenn ein marktbeherrschendes Unternehmen seine Muskeln spielen lässt, kommen die Kleinen unter Druck, ohne dass dem Internetausbau insgesamt damit gedient sei, so die Kritik.

Monopolgefahr der Telekom

Eine vom Bundesdigitalministerium in Auftrag gegebene Studie des Beratungsunternehmens WIK-Consult, die kürzlich publiziert wurde, stützt die Kritik an dem Magenta-Konzern. Die Studie basiert allerdings nicht auf einer repräsentativen Stichprobe von Glasfaser-Projekten, wie die Autoren selbst einschränken.

In der Studie heißt es, dass die Ankündigung eines Marktbeherrschers dazu führen könne, dass die vorher bereits veröffentlichte Ausbauplanung eines anderen Unternehmens beeinträchtigt und der «First Mover»-Vorteil - dass also der Erste den lokalen Markt für sich hat - genommen werde. «Einem solchen Verhalten des marktbeherrschenden Unternehmens wohnt somit die Gefahr der Verdrängung von Wettbewerbern aus dem Markt inne», heißt es in der Studie.

VKU forder BNetzA zu mehr Kontrolle auf

Setzt die Telekom also den Doppelausbau strategisch ein, um die Kleinen - häufig kommunale Betriebe - aus dem Markt zu drängen? Davon sind die Wettbewerber des Bonner Konzerns überzeugt. 

"Auch unsere Mitgliedsunternehmen sind von dem Überbau betroffen: 62 Prozent sind von Überbau bedroht und wurden gar überbaut," betont Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer und fordert die BNetzA zum Handeln auf: "Wir bitten BNetzA-Chef Klaus Müller, jetzt beherzt einzugreifen und die Telekom zur regelmäßigen Auskunft über ihre Ausbauplanungen in den kommenden 12 Monaten zu verpflichten und damit einen fairen, marktgerechten Infrastrukturwettbewerb zu ermöglichen. Das wäre relativ schnell umsetzbar und höchstwahrscheinlich sehr effektiv, weil Abweichungen von den ursprünglichen Ausbauplanungen und damit als strategischer Überbau sofort identifiziert würden.“

Telekom pocht auf Wettbewerb

Die Telekom argumentiert hingegen, dass der Infrastrukturwettbewerb gut sei für die Verbraucherinnen und Verbraucher, die dadurch eine Wahlmöglichkeit haben. Deutschlandchef Srini Gopalan warnt davor, mit dem Prinzip des freien Marktes zu brechen und Investitionen der Telekom in bestimmten Gebieten blockieren zu wollen. Das würde Wettbewerb verhindern. «Und im Klartext heißt das, Deutschland bekäme ganz viele, lokal begrenzte Glasfasermonopole», sagt der Manager. «Das ist Kleinstaaterei und kann nicht der digitale Weg sein, den eine der führenden Wirtschaftsnationen einschlägt.»

Die «Nur-einer-baut-aus-Idee» hätte auch für die Bürger:innen Nachteile. Denn wo Monopole den Wettbewerb verhinderten, blieben die Endkundenpreise mangels Konkurrenz hoch, argumentiert der Magenta-Manager. «Deswegen ist Wettbewerb, auch gerade in der Infrastruktur, politisch gewollt.» Von der Telekom heißt es zudem, dass die Politik den Wettbewerbern bereits weit entgegen gekommen sei. Als Beispiel hierfür nennt eine Firmensprecherin unter anderem die Monitoringstelle der Bundesnetzagentur.

Fast 300 Meldungen gingen bei der BNetzA ein

Diese Stelle wurde im Juli eingerichtet, um Doppelstrukturen im Blick zu haben und prüfen zu können, ob Firmen wettbewerbsbehindernde, missbräuchliche oder unlautere Methoden anwenden. Inzwischen liegen Zahlen vor: In den Monaten Juli, August und September registrierte die Monitoringstelle 292 Rückmeldungen zum Thema Glasfaser-Ausbau.

Die Einreichungen kommen von Telekommunikationsunternehmen, Verbänden, Kommunen und Privatleuten. Sie beziehen sich auf die Gegenden, in denen der umstrittene «Überbau» stattfindet. Es sind Mehrfachnennungen möglich - also mehrere Wortmeldungen, die sich auf ein und das gleiche Gebiet beziehen. Außerdem sind Fälle darunter, die als unkritisch gelten. Die Aussagekraft der Zahl ist daher eingeschränkt. 

Auch die Politik ist alarmiert

In der Politik wird das Thema Überbau mit Sorgenfalten zur Kenntnis genommen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Maximilian Funke-Kaiser sagt, dass es hierbei einen gravierenden Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Gebieten gebe. «In der Stadt kommt der verstärkte Wettbewerb den Kunden zugute und beschleunigt den Netzausbau», sagt der Liberale. «In dünn besiedelten Räumen reicht die Androhung eines Doppelausbaus durch die Telekom aus, damit kleinere Konkurrenten zum Rückzug gezwungen werden.»

Die Netzagentur setzt mit ihrer Monitoringstelle auf Transparenz. «Ziel des Monitorings von Doppelausbauvorhaben ist es, eine fundierte Bewertung des Wettbewerbsgeschehens vornehmen zu können», sagt ein Behördensprecher. «Die Auswertung wird helfen, zügig eine versachlichte Diskussion über mögliche Schlussfolgerungen zu führen.» Die Arbeiten hierzu treibe man «prioritär voran». (dpa/lm)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper