Häufig sind es aber auch Mitarbeiter, die auf der anderen Seite dafür sorgen, dass kriminelle Handlungen aufgedeckt werden. Sechs von zehn betroffenen Unternehmen (62 Prozent) sind so erstmals auf Angriffe aufmerksam geworden.

Häufig sind es aber auch Mitarbeiter, die auf der anderen Seite dafür sorgen, dass kriminelle Handlungen aufgedeckt werden. Sechs von zehn betroffenen Unternehmen (62 Prozent) sind so erstmals auf Angriffe aufmerksam geworden.

Bild: © Thomas Zajada/AdobeStock

Kurz vor und während dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine gab es zahlreiche digitale Angriffe auf ukrainische Infrastrukturen und auf regierungsnahe Unternehmen, schreibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Was bedeutet die aktuelle Lage für Unternehmen in Deutschland?

Die Bonner Behörde bewertet nach eigenen Angaben fortwährend die Lage mit Bezug zur Informationssicherheit und steht in engem Austausch mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) sowie zahlreichen nationalen und internationalen Partnerbehörden. Alle Informationen zur Lage mit Bezug zur Informationssicherheit würden zudem im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum in Bonn zusammenlaufen und  dort ausgewertet.

"Abstrakt erhöhte Bedrohungslage"

Das BSI erkennt eine abstrakt erhöhte Bedrohungslage für Deutschland. Aktuell sei jedoch keine akute unmittelbare Gefährdung der Informationssicherheit für Unternehmen in Deutschland im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine ersichtlich. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sei es in Deutschland zu wenigen unzusammenhängenden IT-Sicherheitsvorfällen gekommen, die aber nur vereinzelt Auswirkungen hatten, heißt es weiter.

Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass es durch die digitalen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine zu Kollateralschäden in der deutschen Wirtschaft kommt. Die Situation kann sich nach Einschätzung des BSI jederzeit ändern. Das BSI weist außerdem darauf hin, dass die allgemeine Cyber-Bedrohungslage - durch Cyber-Crime und andere Phänomene - weiterhin bestehe.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die Behörde mahnt zur Wachsamkeit und dass Unternehmen weiter ihre „digitalen Hausaufgaben“ machen sollen. Konkret heißt das: Notfallpläne aktualisieren, regelmäßig Back-Ups machen, Systeme aktuell halten und wo Ressourcen und Kompetenzen fehlen, sollte man sich die entsprechende Unterstützung durch Dienstleister hinzu holen, so ein weiterer Rat.

Zudem sollten Mitarbeitende in der aktuellen Situation sensibilisiert in Bezug auf Phishing-Mails, Social Engineering und Fake News werden. Denn Desinformation und Phishing-Mails mit Ukraine-Bezug könnten jetzt ein mögliches Einfallstor für Kriminelle werden.

Erste Phishing-Mails mit Ukraine-Bezug im Umlauf

Erste Phishing-Mails mit Bezug zum Ukraine-Krieg sind bereits auf Deutsch im Umlauf. Dabei treten Vorschussbetrügereien auf, bei denen die Mail-Empfänger zum Beispiel gebeten werden, vermeintlichen Opfern des Krieges Geld für die Flucht zu überweisen. Daneben ist auch klassisches Phishing, das mit reißerischer Berichterstattung die Mail-Empfänger zum Klicken zum Beispiel auf einen "Weiterlesen"-Button verleiten soll.

Auch Scam-Mails, die betrügerische Spendenaufrufe verbreiten, sind dem BSI zufolge in Umlauf. Bei den aktuellen Phishing-Mails wird demnach der Krieg gegen die Ukraine zu kriminellen Zwecken genutzt. Nach Einschätzung des BSI dürfte das Aufkommen an Phishing-Mails auch im deutschsprachigen Raum weiter zunehmen.

Bayern fordert besseren Schutz gegen Cyberangriffe auf Deutschland

Indes fordert Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach mit den 100 Milliarden Euro zur Aufrüstung der Bundeswehr auch die Verteidigung gegen Cyberangriffe zu verbessern. «Wir sind den Gefahren des Cyberraums durchgehend ausgesetzt, in kriegerischen Auseinandersetzungen umso mehr. Die Cyberabwehr muss deshalb mit höchster Priorität weiter gestärkt werden», sagte die CSU-Politikerin am Dienstag in München. Deutschland müsse auch in der Lage sein, im Falle eines Hackerangriffs auf deutsche Stromnetze oder andere wichtige Infrastrukturen nicht nur passiv, sondern auch aktiv reagieren zu können.

Wie viel Geld in die Ausstattung der Cybertruppe investiert werden müsse, sagte Gerlach nicht. Der Russland-Ukraine-Krieg zeige aber eindrücklich die gestiegene Bedeutung hybrider Kriegsführung. «Wenn die deutsche Sicherheitspolitik neu ausgerichtet werden soll, muss sie auch die Bedrohungen des digitalen Zeitalters in den Blick nehmen», sagte Gerlach. Mindestens genauso relevant wie neue Kampfflugzeuge und Panzer seien daher die Digitalisierung der Bundeswehr und die Stärkung ihrer materiellen und personellen Ressourcen für Aufgaben der Cyberverteidigung.

Gerlach betonte, dass auch der Einsatz von sogenannten Hackbacks nicht ausgeschlossen werden dürfe. «Wir müssen uns in diesen Zeiten darauf einstellen, dass allein eine passive Cyberabwehr nicht mehr ausreicht und wir zumindest darauf vorbereitet sein müssen, in gewissem Umfang auch aktive Abwehrmaßnahmen ergreifen zu können.» Hackbacks sind eine Form staatlicher digitaler Angriffe auf ausländische Server und juristisch umstritten. (dpa/sg)

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