Die Hälfte der Befragten denkt, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis Blockchain in der Branche marktreif ist.

Die Hälfte der Befragten denkt, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis Blockchain in der Branche marktreif ist.

Bild: © denisismagilov/AdobeStock

Blockchain ist eine relativ junge Technologie, die besonders in der Logistik, im Verkehrswesen oder von Banken getestet wird. Die deutsche Wirtschaft sieht sich bei der Blockchain allerdings bereits international hinterherhinken. So hält jedes zehnte Unternehmen (zehn Prozent) die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich bei der Blockchain für abgeschlagen, rund jedes Zweite (46 Prozent) sieht sie nur unter den Nachzüglern. Zwei von fünf (40 Prozent) ordnen Deutschland im Mittelfeld ein – aber niemand in der Spitzengruppe oder weltweit führend.

Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1004 Unternehmen ab 50 Mitarbeitern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Wir befinden uns aktuell in einer Experimentier-Phase, es fehlt noch an einem breiten Angebot wirklich alltagstauglicher Lösungen. Aber die Blockchain-Technologie bietet enormes Potenzial und kann viele bisher gängige Verfahren völlig auf den Kopf stellen. Deshalb sollten Unternehmen unbedingt heute bereits bei Forschung und Entwicklung vorne mit dabei sein“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Dass die Bundesregierung eine eigene Blockchain-Strategie angekündigt hat wertet Berg als wichtiges Signal.

Energie- und Wasserwirtschaft konkret

Untersucht wurden sechs Branchen – Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, Verkehr & Logistik, Handel, Energie- und Wasserversorgung, Banken und Versicherungen sowie der öffentlichen Verwaltung. Die Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung zeigen sich dabei vergleichsweise einsatzfreudig und offen gegenüber der Technologie. Nahezu jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) interessiert sich für Blockchain. Etwa ebenso viele sind noch unentschlossen (19 Prozent), während sich sieben Prozent eher kritisch und ablehnend zeigen. Damit lieg die Energiwirtschaft gemessen am Interesse nur knapp hinter der Automobilindustrie sowie den Banken und Versicherungen.

Beim tatsächlichen Technologieeinsatz, schieben sich die Energieunternehmen sogar noch an deen Banken und Versicherungen vorbei. Jedes elfte Unternehmen der Energiebranche (neun Prozent) gibt an, Blockchain-Anwendungen bereits im Unternehmen einzusetzen. Jedes zwanzigste, also fünf Prozent, befindet sich in der Planungsphase und jedes 25. (vier Prozent) diskutiert deren Einsatz. Insgesamt beschäftigt sich somit jedes fünfte Branchenunternehmen (18 Prozent) mit dem Einsatz, setzt diesen bereits um, plant oder diskutiert dies.

Dezentraler Stromhandel im Fokus

Der zentrale Anwendungsfall im Energiesektor ist der dezentrale Stromhandel. Über die Blockchain könne die Einspeisung oder der Verkauf direkt an den Nachbarn oder ein nahegelegenes Unternehmen in Echtzeit protokolliert und zugleich abgerechnet werden. Ein weiterer Anwendungsfall, der sich besonders für den Blockchain-Einsatz eignet, sind demnach sogenannte Micro Payments, die sich aus dem dezentralen Stromhandel ergeben. Bislang war der Aufwand und die Kosten dafür zu hoch, dies könnte sich mit der Technologie ändern.

Potenziale und Risiken gleichermaßen

Jedes fünfte Energieunternehmen, also 20 Prozent, stimmte der Aussage zu, mithilfe der Blockchain-Transaktionskosten minimieren zu können. Unter allen Unternehmen sind es nur 14 Prozent. Jedes fünfte Energieunternehmen (22 Prozent) glaubt zudem, mithilfe der Blockchain neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das sei der zweitgrößte Branchenwert nach der Automobilindustrie mit 31 Prozent. Gleichzeitig führt die Energiebranche auch die Liste derjenigen Branche an, die ihr bisheriges Geschäftsmodell durch den Einsatz der Blockchain bedroht sehen (zwölf Prozent).

Darüber hinaus sehen die Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung aber auch vergleichsweise häufig das Potenzial, bestehende Produkte und Dienstleistungen blockchain-basiert anpassen zu können oder neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Jedes dritte Energieunternehmen stimmt der Aussage zu, mithilfe der Blockchain Produkte und Dienstleistungen anpassen zu können. Das ist der größte Zustimmungswert aller Branchen, für die Gesamtwirtschaft liegt der Wert bei 23 Prozent. Jedes vierte Energieunternehmen (25 Prozent) glaubt, neue Produkte und Dienstleistungen auf Blockchain-Basis anbieten zu können – der zweitgrößte Zustimmungswert hinter der Automobilbranche (27 Prozent).Die komplette Studie kann hier (externer Link) kostenfrei heruntergeladen werden. (sg)

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