Die totale Vernetzung kommt. Dabei darf die Datensicherheit nicht vergessen werden.

Die totale Vernetzung kommt. Dabei darf die Datensicherheit nicht vergessen werden.

Bild: © kwanchaift/AdobeStock

Die intelligente Stadt sei ein absolutes Zukunftsthema, so Ines Zenke, Partner von Becker Büttner Held und Präsidentin des Wirtschaftsforums der SPD. Dort traf sich am Dienstag (27. November) eine hochrangige Diskussionsrunde zum Thema Smart Cities. Jeder wolle sie, die digitale Stadt. Schlanke Behördengänge, flächendeckendes 5G und Glasfaser als Daseinsvorsorge, eine Vernetzung in der Stadt und klimaschonende, smarte Mobilitätslösungen. Zenke mahnt jedoch: "Die Daten müssen auch in der Stadt bleiben" und "Smartness kostet Geld, da muss man auch investieren."

Datenautobahnen statt Feldwege

Für Michael Ebling, Mainzer Oberbürgermeister und Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), ist klar: "Die smarte City hat noch einen langen Weg vor sich. Die Grundlage ist ein vernetztes Denken. Wir müssen den Lebensraum ganzheitlich planen." Für den Vertreter der kommunalen Interessen ist offensichtlich: "Von der richtigen Smart City sind wir aktuell so weit entfernt, wie die Erde vom Mond." Wer wirklich in Richtung intelligente Stadt gehen wolle, müsse vor allem auf eines achten: "Was wollen die Leute vor Ort?" Und damit die ganzen Tools, die eine smarte Stadt braucht, funktionieren können, muss man die anfallende Datenmenge handhaben können, in Echtzeit. "Dafür brauchen wir mehrspurige Datenautobahnen, wir haben aber nur Feldwege", so Ebling. 

Die Rendite müsse Gemeinwohl sein, ist der VKU-Präsident überzeugt. Auch deshalb dürften für die kommunalen Unternehmen keine anderen Regeln gelten wie für die privaten.

Gutenberg Digital Hub

Gemeinsam mit dem ZDF, der Industrie- und Handelskammer, den Stadtwerken der Region, der Hochschule, dem Startup-Netzwerk und weiteren Akteuren hat Ebeling als Oberbürgermeister von Mainz in seiner Region den Gutenberg Digital Hub ins Leben gerufen, der die Digitalisierung als Querschnittsthema betrachtet. Digitaler Support und ein Digital Lab sind ebenso Bestandteile des Konzeptes wie die Schaffung einer Networking Location und eines Co-Working-Space. Mit Hilfe neuester Technologien sollen Innovationen und vor allem neuen Geschäftsmodelle für die regionale Wirtschaft erarbeitet werden, um die Zukunftsfähigkeit des Standortes zu sichern und die Digitalisierung in Mainz und der Region voranzutreiben.

Auch die Stadtwerke München sind sich sicher: "Man muss Daseinsvorsorge neu denken", findet Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München. Das Stadtwerk plane im kommenden Jahr den "Big Bang", so Bieberbach. Leistungen wie ÖPNV-Ticketkauf, Veranstaltungen in München und Mobility-on-demand sollen dann über eine Plattform buchbar sein, eine multimodale Mobilitätsplattform mit nur einem Login. 

Ohne die Politik geht es nicht

Basis für die Digital-Strategie ist auch weiterhin die intelligente Verknüpfung von Plattformen. Dafür sollen in München bis 2022 70 Prozent der Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen sein. Allerdings würden diese und andere Ausbauprojekte nicht ohne die Politik funktionieren: "So lange fundamentale Sachen unklar sind, ist es schwierig, eine Strategie auszubauen." An die Berichterstatterin der SPD für Smart Cities, Elvan Korkmaz, gewandt, erklärt er: "Es ist ein Versagen der Politik, dass es dieses Industrieland nicht schafft, den Glasfaserausbau voranzutreiben."

Auf Unverständnis stößt bei Bieberbach, dass die Politik aus Fehlern nicht lernen würde. Auch Axel Simon, Chef Technologist bei Hewlett Packard Enterprise, haut in die gleiche Kerbe: "5G ist ein Versprechen der Mobilfunkbetreiber, die haben aber keinen Versorgungsauftrag."

"Der Staat muss haften oder regulieren"

Korkmaz zeigte sich einsichtig. Es sei falsch, es den Unternehmen in die Hand zu geben und zu gucken, was passiert. "Ich habe bei 5G auch große Bedenken. Für den ländlichen Raum haben wir bei den Verhandlungen überhaupt nichts rausgeholt. Dann muss der Staat da haften oder entsprechend regulieren. Ich bin nicht zufrieden, wie es gerade läuft. Wir könnten es uns leisten zu investieren", zeigte sich Korkmaz erstaunlich offen.

Bieberbach fordert eine Reformation des Gemeinde-Wirtschaftsrechts. Das aktuelle verhindere Kooperationen. Ebling nennt vor allem zwei Erfolgsbedingungen für die Smart-City-Entwicklung: "Es muss von unten kommen und es muss maßgeschneidert bleiben. Was wir brauchen, sind Rahmenbedingungen. Es muss eine dauerhafte Förderung von Glasfaser für die nächsten 15 Jahre geben."

Gefahr von Insellösungen

Simon warnt vor einer zu isolierten Herangehensweise an das Thema Smart City: "Man kann alles digitalisieren, aber das sind alles Insellösungen. Ein systemischer Ansatz ist durch technologische Brüche nicht mehr möglich", erläutert er. Zum Thema Datenschutz führt Simon an, dass "Daten die Währung sind, die man für die Nutzung zahlt". Das funktioniere so bei Google und Facebook.

Den Einkauf von externen Dienstleistern sieht er auf die Datenhoheit bezogen aber als problematisch: Im ungünstigsten Fall hätten die Datenhoheit dann nämlich nicht die Stadtwerke, sondern die externen Provider inne.

KI-Lösung gegen Cyber-Angriffe

Auch die Gefahr von gezielten Angriffen auf ein smartes System sei nicht unerheblich: "Ich vergrößere die Angriffsfläche einer Stadt, in dem ich digitalisiere. Jemand könnte alle Ampeln auf Grün stellen. Die Hacker nutzen die Services und gehen dann an einer Stelle rein."

Die Lösung geht wieder einen Schritt weiter in die Richtung der digitalen Welt. "Eine KI könnte dann Änderungen im Verhalten der Infrastruktur herausfinden." Das könne kein Mensch leisten, meint Simon.

Keine Smart City 2025

Alexander Holst, Managing Director bei Accenture Strategy Sustainability, hingegen vermutet eine eher langsame Entwicklung: "Ich glaube, dass 2025 gar nicht so viel anders ist als heute." Von 2012 bis 2016 habe das Thema Smart City geschlafen, jetzt komme es wieder. "Es ist sexier geworden, weil die Mobilität dabei ist", findet Holst. Warum Smart Cities als Konzept jetzt besser funktionieren als  2010 ist für Holst klar: "Das Thema wächst jetzt von unten." Für die kommenden sieben Jahre sagt er fünf Veränderungen voraus, die jedoch noch nichts mit fliegenden Autos zu tun hätten.

Statt isolierten Datentöpfen werde es seines Erachtens Open Data Hubs und Open Data Plattforms geben. Auch ein ungesteuerter Internet-of-Things(IoT)-Ausbau gehöre der Geschichte an. Technische Innovationen würden sich nicht mehr langsam ausbreiten, sondern schneller angenommen werden. Auch die unabgestimmten Gesetze für Teilbereiche würden Regulierungen weichen, die Smartening fördert. So könnte erreicht werden, dass nicht mehr der Vorsatz Citizen for Technology, sondern im Gegenteil Technology for Citizen vorherrsche. (hol)

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