Bei der Digitalisierung in den Kommunen gibt es noch viel Luft nach oben. Das geht aus einer Ergänzungsumfrage zum KfW-Kommunalpanel 2020 hervor. Demnach erwarten zwar 91 Prozent der Kämmereien infolge der Corona-Krise deutliche Fortschritte bei der Digitalisierung. Die Befragten benennen aber auch eine Vielzahl von Problemen, Hürden und Hindernissen, die dazu führen, dass die Potenziale der Digitalisierung in der Fläche nicht oder nur unzureichend genutzt werden können.
Laut der Umfrage sehen 55 Prozent der Kommunen sowohl gegenwärtig als auch zukünftig einen spürbaren Einfluss der Digitalisierung auf die kommunalen Haushalte. Die Zustimmung zur erwarteten Relevanz steigt mit der Einwohnergrößenklasse der Kommunen an. Größere Kommunen sind demnach auch eher vom Sinn einer übergreifenden Digitalisierungsstrategie überzeugt als kleine Gemeinden.
Hoffnung auf mehr Effizienz
Was sich die Befragten von der Digitalisierung erhoffen, wird in der Befragung sehr deutlich: Rund 40 Prozent rechnen mit verbesserten Prozessen und effizienteren Abläufen. 20 Prozent erwarten, dass sie den Bürgern bessere Leistungen anbieten können. 9 Prozent hoffen auf Einsparungen durch kluge IT-Lösungen.
Aber es gibt auch Befürchtungen: Neben unzureichenden Rahmenbedingungen nennen die befragten Kämmerer die technologische Abhängigkeit und Risiken, den hohen organisatorischen Anpassungsaufwand und die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung, aber auch bei den Verwaltungsmitarbeitern.
Fehlendes Know how
Große Herausforderungen sehen die Kämmerer sowohl bei den Investitionen, die im Zuge der Digitalisierung nötig werden, als auch bei den Mitarbeitern, die den Prozess betreuen sollen. Rund ein Drittel der Kommunen hält die vorliegende Infrastruktur für nicht ausreichend – etwa, weil es nach wie vor nicht überall schnelles Internet gibt.
Als noch problematischer wird die oftmals nicht vorhandene Expertise in den Kommunen wahrgenommen. Rund 60 Prozent sehen hier weiteren Handlungsbedarf.
Passgenaue Lösungen
Die Autoren des Papiers plädieren für eine differenzierte Sicht auf das Thema. Digitalisierung habe in in großen Städten eine andere Bedeutung als in kleinen Kommunen. Finanzschwache Kommunen hätten deutlich kleinere Spielräume als reiche. Die Politik müsse dir Rahmenbedingungen für eine forcierte Digitalisierung weiter verbessern und dabei – etwa bei den Förderprogrammen – zielgerichtete und passgenaue Lösungen bieten. Letzten Endes gebe es einen Zwiespalt zwischen Einheitlichkeit und Differenzierung. „Während die durchgehende Umsetzung beispielsweise von E-Government-Angeboten eher eine Top-Bottom-Vorgabe von Standards und eine Verhinderung teurer Insellösungen bedingt, sind es eben die kommunalen Unterschiede, die möglichst viel eigenen Entscheidungsspielraum nahelegen“, heißt es im dem Papier. (amo)



