Für Kommunen und kommunale Unternehmen als Infrastrukturbetreiber ergeben sich mit der Digitalisierung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gleich mehrere Herausforderungen: So müssen in Zukunft eine Vielzahl an analytischen Dienstleistungen schnell und einfach integriert werden, diese mit Daten beliefert und die Erkenntnisse sowie Ergebnisse durch Integration in andere Prozesse verstetigt werden. Die systematische Organisation der Daten sowie eine sichere, kontextbezogene Bereitstellung sind dabei von hoher Bedeutung und bilden das Rückgrat einer hochwertigen digitalen Daseinsvorsorge.
In diesem Kontext gewinnen interoperable Datenplattformen, wie sie aktuell in einigen Kommunen, auch bedingt durch Förderprogramme wie das Modellprogramm Smart Cities des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen diskutiert oder bereits umgesetzt werden, an Relevanz. Bei der Entwicklung und Etablierung dieser Plattformen gibt es – unter Berücksichtigung der kommunalen Daten- und Handlungssouveränität – jedoch einige Stolpersteine.
Open Source Softwareprodukt als Ziel
Der Verein Civitas Connect baut derzeit eine kommunale Community auf, in der diese Stolpersteine aktiv angegangen werden und unter dem Namen „CIVITAS/CORE“ ein Softwarekern für eine offene Urbane Datenplattformen kooperativ entwickelt wird. Über die Vereinsstruktur und die Entwicklungscommunity wolle man eine kommunal zentrierte, souveräne und langfristige Entwicklung sicherstellen, heißt es in einer Pressemitteilung dazu.
Innerhalb dieser Community sollen die Herausforderungen der Kommunen rund um Daten-, Rechte- und Schnittstellenmanagement gelöst und in einem langfristiges und bedienerfreundliches Open Source Softwareprodukt umgesetzt werden. Die Rolle des „Product Owners“ wird dabei über den Verein Civitas Connect in kommunaler Kooperation organisiert.
So funktioniert die Zusammenarbeit
Hier laufen das zentrale Anforderungsmanagement und die Steuerung der Softwareentwicklung und Architektur der Community-Mitglieder zusammen. Der Plattform-Betrieb verläuft außerhalb der Community und kann von den Kommunen frei gestaltet werden, sodass sie zu jeder Zeit souverän bleiben und die Gefahr eines Betreiber-Lock-Ins gebannt wird.
Zum Jahresende 2023 hat die Kooperationsgemeinschaft die Anforderungsaufnahme und Designphase für die Kernarchitektur abgeschlossen und ist inzwischen in die Softwareentwicklung übergegangen. Die Entwicklung gliedert sich dabei in zwei Phasen: Eine erste Version ermöglicht die Umsetzung von einfachen bis mittelkomplexen Anwendungsfällen (wie der Integration von Echtzeitdaten in Planungsprozesse in den Sektoren Mobilität oder Energie).
Ende März: erste Version soll zur Verfügung stehen
Diese Version wird bereits Ende März 2024 zur Verfügung stehen. Auf dieser Basis wird eine zweite Version über die kommenden Jahre entwickelt und ausgebaut, die die anwendungsfallübergreifenden Anforderungen aller kommunalen Akteure in puncto Datenorganisation erfüllen kann. Über diese werden auch komplexere und kritische Anwendungsfälle (wie z. B. die sektorübergreifende Verstetigung der Wärmewende oder integrierten Energieleitplanung, der intermodalen Mobilitätssteuerung oder der Datenbelieferung und Synchronisation verschiedener digitaler Zwillinge) realisiert werden können.
Die Tegel Projekt GmbH legt dabei einen Grundstein für dieses Softwareprojekt. In den letzten Jahren ist mit dem FUTR HUB in Berlin TXL eine Datenplattform entstanden, auf deren Basis die erste Version des CIVITAS/CORE aufbauen wird. In enger Abstimmung zwischen der Tegel Projekt GmbH und Civitas Connect wurden die Entwicklungsaufgaben und Pfade zu Beginn des Jahres synchronisiert.
Partnerschaft mit langfristigem Potenzial
Um die Synergien der beiden Softwareprojekte zu steigern, wurde darüber hinaus eine enge Abstimmung auch in den kommenden Monaten vereinbart. So könnten Softwareentwicklungen, die aktuell unter Civitas Flagge entstehen, in den FUTR HUB zurückgespielt werden – und umgekehrt. Eine langfristige Kooperation beider Projekte – etwa mit einem gemeinsamen Meta-Repository – ist darüber hinaus denkbar.
Lösungen, die mit und für den CIVITAS/CORE entwickelt werden, können laut dem Verein zudem einfach auf andere CIVITAS/CORE-Nutzer übertragen werden, wodurch der Aufwand für die Integration in bestehende Systeme sowie die Anbindung neuer Lösungen signifikant reduziert werden kann. Langfristig sollen so vor allem Projektaufwände und -kosten bei der Einführung neuer Analyse- und KI-Komponenten merklich sinken, denn neben einer möglichen Standardisierung in der Schnittstelle zu der Datenplattform lassen sich über den modellzentrierten Ansatz in der Datenmodellierung Datenmodelle und Konnektoren unter CIVITAS/CORE-Nutzern austauschen und übertragen.
Drei Kernbereiche
Der Hauptaufwand der Entwicklung wird dabei in den kommenden Jahren, neben klassischen Betriebs- und Automatisierungspotentialen, in drei Kernbereiche fließen, um dem Anspruch an eine sektorübergreifende Dateninfrastruktur gerecht zu werden:
- Erstens soll ein modellzentrierter Ansatz für das Datenmanagement etabliert werden, der den Blumenstrauß an fachspezifischen Schnittstellen und Datenstandards steuerbar macht und ein Höchstmaß an Flexibilität in der Datenmodellierung ermöglicht.
- Zweitens sollen Bedienoberflächen weiterentwickelt werden, die plattformübergreifend nicht nur die Administration der Plattform erleichtern, sondern es auch ermöglichen, dass Fachbereiche und -personen ohne tiefgreifende IT-Kenntnisse eigenständig mit der Datenplattform in einer Art Self-Service interagieren, und sogar komplexe Datenmodelle und Freigaben organisieren können.
- Drittens wird ein umfangreiches Zugriff- und Nutzermanagement über die gesamte Softwareplattform hinweg einheitliche und flexibel anpassbare Berechtigungen ermöglichen. CIVITAS/CORE wird sowohl multimandantenfähig sein als auch spezifische Berechtigungen bis hinunter zu einzelnen Datensätzen erlauben.
„Die Notwendigkeit und der Bedarf an zentralen Datenplattformen im kommunalen Bereich ist längst klar. Nun gilt es, auf Basis der Erfahrungen der letzten Jahre, einerseits einen stabilen Softwarekern zu entwickeln, der den hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Integration, Sicherheit und Bedienbarkeit stand hält und gleichzeitig Betriebsmodelle aufzuzeigen, die ein Höchstmaß an Sicherheit, Handlungsfähigkeit und Souveränität auf kommunaler Seite sicherstellen. Diese Mammutaufgaben lassen sich nur in Gemeinschaftsarbeit lösen.“ sagt Ralf Leufkes, Geschäftsleiter von Civitas Connect. (sg)



