Von links: Timo Dell ist Director Customer Experience und Guido Sewitza ist Director Business Solutions bei rku.it.

Von links: Timo Dell ist Director Customer Experience und Guido Sewitza ist Director Business Solutions bei rku.it.

Bild: © rku.it

Herr Sewitza, was hat es mit der rku.it Plattform NextGen auf sich?
Guido Sewitza, Director Business Solutions: Seitens des Managements von rku.it haben wir 2018 beschlossen, unseren Kunden nicht nur Systeme auf S/4HANA-Technolgie bereitzustellen, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu geben, bestehende Prozesse über mögliche Drittanbieter-Lösungen und Cloud-Produkte zu integrieren. Das war die Geburtsstunde der NextGen-Plattform.

Herr Dell, muss ich denn SAP-Kunde sein, um ihre Plattform zu nutzen?
Timo Dell, Director Customer Experience: Die Plattform wird zwar mit SAP-basierten Templates zur Verfügung gestellt, ist aber um eine zusätzliche Integrationsschicht erweitert, damit Kunden auch Drittlösungen am Markt nutzen können und hier die entsprechende Flexibilität haben. Wir haben sehr viele SAP-Kunden, aber viele nutzen auch eine andere Softwarelösung. Wir haben zum Beispiel Kunden, die im Vertrieb eine andere Technologie im Einsatz hat und im Netzbereich SAP. Das macht das Ganze so spannend und interessant, weil wir über unsere Integrationsmöglichkeiten ganz andere Lösungen zulassen können. Die Schnittstellen sind schon alle vorhanden und müssen nicht erst beim Kundenprojekt neu gebaut werden. Es ist die Stärke unserer Plattform, dass wir hybride Systemlandschaften miteinander verbinden können.

Sewitza: Insgesamt liegen der Plattform drei SAP-basierte Templates zugrunde. Das erste NextGen | ERP , bezieht sich auf betriebswirtschaftliche Prozesse und Funktionen, die in Richtung Finance und Logistik gehen. Das zweite und dritte auf die Prozesse der Marktrollen Verteilnetzbetreiber und Lieferant innerhalb der NextGen | Utilities.

NextGen | Integration, bildet das Herzstück unserer Plattform, da es wie zuvor benannt die Möglichkeit bietet, Drittlösungen mit bereits vorhandenen Schnittstellen an NextGen anzudocken. Dies gibt dem Kunden die Möglichkeit auch bereits existierende Lösungen mitzubringen.

Dell: Über NextGen | Integration können neben Drittlösungen, die vom Kunden kommen auch Lösungen aus unserem eigenen NextGen | Market angebunden werden. Möchte der Kunde beispielweise noch einen Chatbot für den Kundenservice implementieren, ist dies auch nahtlos möglich. Wir bieten unsere Lösung explizit als Managed Service an. Ein Stadtwerk, das zu uns kommt, bekommt das Komplettpaket. Dazu gehört die Betreuung, der Support der Systeme, das Lizenz- und Vertragsmanagement bei Dienstleistern sowie Software-Anbieter und auch der Software-Einkauf.

Sie sprachen eben den NextGen | Market an. Können Sie nochmal näher beschreiben um was es sich dabei handelt?
Dell: Ja klar. Sie können sich es in etwa wie eine Art Appstore vorstellen. Der Kunde arbeitet auf NextGen, beispielweise in ERP und Utilities und benötigt zur Erleichterung seines Arbeitsalltags noch weitere Programme und Funktionalitäten. Dies können wir mit unserem NextGen | Market anbieten, da ausgewählte Partner ihre Lösungen bereitstellen und von unseren Kunden bequem dazu gebucht werden können. Bevor Unternehmen ihre Lösungen im NextGen | Market anbieten dürfen, durchlaufen sie bei uns einen strikten Approval-Prozess. Damit können wir unseren Kunden Verlässlichkeit und die Funktionalität der externen Lösungen zusichern. Um Support und Implementierung kümmern wir uns.  Kunden werden in die Weiterentwicklung der Plattform involviert, welche wir mit entsprechenden Governance Strukturen strukturieren. Ein weiterer Mehrwert für unsere Kunden.

Was ist mit der Governance-Struktur konkret gemeint?
Sewitza: Wir bieten unseren Kunden mit der Governance-Struktur an, Teil der NextGen-Welt zu werden und sich auszutauschen. Wir haben hier eine Organisationsform im Rahmen von Business-Communities geschaffen, damit alle ihr Wissen untereinander teilen können. Wir laden unsere Kunden auch dazu ein, an der Weiterentwicklung der Plattform zu partizipieren. Hier können unsere Kunden aktiv sagen, was sie brauchen und im Rahmen der Governance-Regeln wird das besprochen und auch zur Umsetzung gebracht.

Wie viele Kunden hat rku.it aktuell?
Dell: Wir haben 130 Kunden, davon sind 30 reine Stadtwerke mit in Summe etwa 5 Millionen Zählpunkten. Wir zählen damit zu den größten Energiemarktdienstleistern in Deutschland.

Seit dem Sommer sind sie auch mit dem Netzbereich produktiv gegangen. Wie kam es dazu?
Dell: Dass wir mit dem Verteilnetzbetreiber gestartet sind war eine rein strategische Entscheidung. Wir haben uns aber von Anfang an gesagt, wenn wir das machen, dann für alle Marktrollen. Das war ein ziemlich großes Invest, aber jetzt ernten wir die Früchte, weil wir ganz vorne mit dabei sind.
Nach den ersten Produktivsetzungen des Verteilnetzbetreibers, haben wir auch den Produktaufbau für die Marktrolle Lieferant zum 30. Juni diesen Jahres abgeschlossen und stellen es jetzt in Transformationsprojekten bei den ersten Kunden zur Verfügung. Wir haben übrigens sowohl bei der Lösung für die Lieferanten- als auch für die Netzbetreiber mit ausgewählten Kundenhäusern gemeinsam die Systeme getestet, ob sie einsatzfähig sind und abschließend eine ausführliche Qualitätssicherung gemacht.

Wann stehen die ersten Golives an?
Sewitza: Es ist geplant, dass im ersten Quartal des kommenden Jahres die ersten beiden Stadtwerke produktiv gehen.  Das werden bundesweit die ersten Energielieferanten sein, bei denen NextGen | Utilities auf Basis von S4/Hana SAP läuft. Zugleich sind weitere Livegänge für das kommende Jahr geplant. Fünf Kunden nutzen außerdem bereits NextGen | ERP auf Basis von S4/HANA produktiv.  

Wie sieht es mit KI aus?
Dell: Künstliche Intelligenz ist ein riesen Feld. Automatisierung und Robotik-Technologien sind inhärent in der Plattform verbaut. Wir haben inzwischen über 200 Roboter (RPA) gebaut – von sehr klein bis sehr komplex – und diese überall in unseren SAP-basierten Templates integriert. Die Kunden bekommen also neben den Standard-Funktionalitäten noch on top unsere Automatisierungslösungen dazu. Ebenfalls bieten wir aktuell über verschiedene Partnerlösungen im NextGen|Market auch KI-Lösungen an. So unterstützt uns die KI-basierte Ersatzwertbildung durch Ergänzung von Messwerten bei der Abbildung der G685. Ein KI-basierter Chatbot digitalisiert den Kundenservice – fallabschließend und in Echtzeit.

Wie lange dauert es, auf NextGen umzusteigen?
Dell: Netto sind es etwa zwölf Monate. In dieser Zeit müssen die Daten aus dem aktuellen System in NextGen migriert werden. Das kennt jedes Stadtwerk, das ist kein Hexenwerk. Wir unterstützen unsere Kunden auch in Fit-to-Template-Workshops bei allen vorbereitenden Aufgaben. Dieser Prozess birgt für Unternehmen generell Chancen, die eigene Organisation und die Prozesse nochmal zu hinterfragen und Dinge zu optimieren.

Werden Dynamische Tarife auch über Ihre Plattform abgebildet?
Dell: Ja, dynamische Tarife können wir perspektivisch auch mit abbilden. Wir haben für unsere Kunden darüber hinaus die ganze Infrastruktur für ein erfolgreiches modernes Messwesen geschaffen und sind einer der wenigen zertifizierten Anbieter der Smart-Meter-Gateway-Administration.

Sewitza:  Wir haben einen Produktkasten aufgebaut, der prinzipiell eine Handvoll Tarife umfasst, mit denen unsere Kunden sich einen Mix aus Produkten selbst zusammen stellen können. Da der Markt immer mehr weggeht von der reinen Energiebelieferung, werden gerade Non-Commodity-Angebote immer wichtiger. Die Nachfrage ist hier entsprechend groß.

Das Interview führte Stephanie Gust.

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