Vereinbarten die Gründung eines Trainingszentrums für Cybersicherheit (v. l.): Florian Haacke, (Innogy SE), Hildegard Müller (Vorstand Innogy SE), Petr Valis (Cyber Gym Europe) und Gilad Yoshi (CyberGym Europe)

Vereinbarten die Gründung eines Trainingszentrums für Cybersicherheit (v. l.): Florian Haacke, (Innogy SE), Hildegard Müller (Vorstand Innogy SE), Petr Valis (Cyber Gym Europe) und Gilad Yoshi (CyberGym Europe)

Bild: @ Innogy

Der Energieversorger Innogy hat am Montag in Essen ein Trainingszentrum für Cybersicherheit eröffnet, in dem Betreiber von Stromnetzen und anderer kritischer Infrastruktur erproben können, wie Cyberangriffe abzuwehren sind. Die "Cyberrange-e" ist die erste Akademie, in der elektronische Angriffe auf Firewalls und Sicherheitssysteme mit verteilten Rollen geübt werden können. Auf 450 Quadratmetern proben dabei bis zu zwölf IT- und Netzspezialisten ab sofort in einwöchigen Trainingseinheiten den digitalen Ernstfall: die Abwehr eines Cyber-Angriffs.

"War Gaming" nennt Innogy martialisch das Live-Rollenspiel, für das die Steuerungsanlagen einer Netzleitstelle des teilnehmenden Unternehmens nachgebaut werden. Wie bei einem Militärmanöver treten dann Rot gegen Blau an. Das blaue Team, echte Mitarbeiter der Energiefirmen, muss die Attacken des roten Teams aus professionellen Hackern, das in einem anderen Raum untergebracht ist, abwehren. Dabei wird der Stressfaktor für die Teilnehmer nach und nach erhöht. Was mit simplen Phishing-Mails beginnt, kann mit der kompletten Übernahme der Systeme durch die Hacker enden. Und um die Bedrohung auch körperlich spürbar zu machen, können die Angreifer auch die Heizung im Raum der Verteidiger hochdrehen. Das Ziel der Übungen: Bei einem Angriff nicht in Panik verfallen und richtig reagieren.

BSI-Präsident Schönbohm: "Jetzt treten wir in die nächste Phase"

Arne Schönbohm, der Präsident des BSI, weist vor allem auf Ransomware und Erpressungsversuche hin. Er merkte am Rande der Veranstaltung launig an: "Wenn ich Betriebswirt wäre in der organisierten Kriminalität, dann hätt’ ich derzeit einen starken Pfeil nach oben." Die Bedrohung steigt stark an, das drückt er damit aus, und doch: "Die Mittelständler haben verstanden, wie groß die Bedrohung ist. Jetzt treten wir in die nächste Phase, und da geht es darum, wie wir damit umgehen. Wir brauchen hier eine Art Instrumentenkasten zum Management für die Informationssicherheit."

Pinkwart misst Cyber-Sicherheit große Bedeutung zu

Uwe Tigges, der Vorstandsvorsitzende der Innogy SE, bestätigt: "Die Gefahr solcher Angriffe ist in Zeiten der Digitalisierung größer denn je. Denn in unserer Energieversorgung geht es nicht nur darum, Elektronen und Moleküle zu bewegen. Es geht zunehmend um den Austausch von Datensätzen." Mit dem Trainingszentrum für Cybersicherheit hofft Innogy, die passende Antwort auf diese neuartige Bedrohung zu geben. Das Unternehmen will nicht nur die Kompetenzen der eigenen Mitarbeiter verbessern, sondern die Trainings auch für Mitarbeiter von Stadtwerken und anderen Netzbetreibern öffnen."

Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, war zur Eröffnung der "Cyberrange-e" angereist. Er misst dem Thema Cybersicherheit große Bedeutung zu: "Wir wissen, dass wir die sichere Welt der planbaren Energien aufgeben, um in eine neue Welt zu gehen. Das alles wird uns erleichtert durch die Digitalisierung. Die Digitalisierung ist aber der Enabler und zugleich das Problem." Es müssten immer die Ressourcen vorhanden dafür sein, "dass die Energieversorgung sicher bleibt, auch wenn der Wind mal nicht weht oder die Sonne nicht scheint".

Israel als Vorbild in Sachen Sicherheit

Die "Cyberrange-e" soll dazu beitragen, dass diese und andere digitale Ressourcen hierzulande nicht durch Sabotage, also Cyber-Angriffe, gefährdet werden. Die Landesregierung in NRW räumt diesem Thema hohe Priorität ein, so dass Pinkwart verkünden konnte: "Bosch hat sich entschieden, die Themen der Sicherheit des autonomen Fahrens in Bochum zu entwickeln." NRW sei das "Energieland Nr. 1" in Deutschland: "Wir wollen auch in der digitalisierten Welt sein. Wir haben hier die Kompetenz, wir wollen sie ausbauen." Er verwies dazu auf Kontakte mit Israel, einem Land, das – so der Minister – "in der Spitzengruppe weltweit mitspielt".

BSI-Präsident Schönbohm, der sichtlich zufrieden war, gab mit Blick auf die "Cyberrange-e" zurück: "Das ist ein Musterbeispiel für das neue Made in Germany. Wir müssen nicht nach Israel reisen, um zu sehen, wie man umgeht mit der Cyber-Bedrohung, sondern ins schöne Essen." Er ist sich sicher: "Mittlerweile wird verstanden, dass die Informationssicherheit die Voraussetzung für die Digitalisierung ist. Die Informationssicherheit ist so gesehen auch ein Erlöstreiber." Der Wirtschaftsminister hörte das ebenso gern wie Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, der die Eröffnung der Trainings-Akademie seitens der Stadt vornahm.

Im vergangenen Jahr 270 Vorfälle aus der Energiebranche

Mit zunehmender Digitalisierung und dem Zusammenwachsen von Stromnetzen und Internet öffnen sich immer mehr Einfallstore für Cyberattacken. Dem BSI sind allein im vergangenen Jahr 270 Vorfälle aus der Energiebranche gemeldet worden. Nicht bei jedem hat es sich um einen Angriff gehandelt. Aber die von Hackern eingesetzten Werkzeuge würden aggressiver, warnte Schönbohm. (sig)

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