Matthias Trunk bleibt der Gasag erhalten.

Matthias Trunk bleibt der Gasag erhalten.

Bild: © Gasag

Mit dem Projekt "Phönix" hat die Gasag ihr SAP-Abrechnungssystem für den Netzbetrieb in die Public Cloud verlagert – als eines der ersten Energieunternehmen in Deutschland. Damit setzt der Berliner Energiedienstleister konsequent seine Cloud-First-Strategie um. Im Gespräch erläutert Matthias Trunk, Vorstandsmitglied der Gasag, warum sich das Unternehmen für das RISE-Modell von SAP entschieden hat, welche Vorteile sich daraus für den Netzbetrieb ergeben und wie dabei Sicherheit, Effizienz und künftige KI-Anwendungen zusammenspielen.

Herr Trunk, die Gasag hat sich bei SAP für eine Cloud-Lösung entschieden. Für die Rolle Netz ist das durchaus ungewöhnlich, auch in Hinblick auf Cyberangriffe… 
Wir verfolgen seit langem eine konsequente Cloud-First-Strategie. Die Vorteile der Cloud sind vor allem Skalierbarkeit, Verfügbarkeit sowie Flexibilität und Innovationsfähigkeit. Auch für KRITIS-Unternehmen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Betrieb sicher, modern und kostenoptimiert in die Cloud zu verlagern. Unsere Wahl fiel auf die Public Cloud von SAP, da sich hier das Verhältnis von Innovation, Skalierbarkeit, Resilienz und erforderlicher Souveränität für uns als beste Lösung dargestellt hat.

Wie wurde das Thema IT-Sicherheit im neuen Cloud-Szenario adressiert?
SAP sichert sowohl vertraglich als auch technisch zu, dass entsprechende regulatorische Anforderungen erfüllt werden. Bereits bei der Auswahl und Vertragsanbahnung haben wir auf dieses Thema großen Wert gelegt.

Bei Ihnen kommt das RISE-Modell zum Einsatz, was hat es damit auf sich?
RISE steht für Realize Impact, Sustainably and Enhance. Auf deutsch: Wirkung erzielen, Nachhaltigkeit gestalten und verbessern. Mit RISE bietet SAP eine cloudbasierte Lösung, die einen vollumfassenden Service aus Applikationsbetrieb, Cloud Hosting, zahlreichen Innovationsfeatures und Lizenzen bietet.
 
Bei unserem Projekt mit dem klangvollen Namen Phönix, haben wir ein SAP IS-U System auf ein S/4HANA Utilities System mit Anschluss an die Marktkommunikations-Cloud umgestellt. Das System wird aus der Cloud eines Hyperscalers bereitgestellt und durch SAP betrieben. Der Name Phönix wurde von uns nicht ohne Grund gewählt: Passend zum englischen Wort rise, steht er sinnbildlich für die Transformation des Netzbetriebes in die Cloud. Fast 80 Kolleginnen und Kollegen und ebenso viele externe Dienstleister haben gemeinsam am Erfolg des bisher größten IT-Projektes unserer Unternehmensgeschichte gearbeitet.
 
Die neue Plattform bietet auch künftig eine Basis für KI-basierte Anwendungen. Welche Anwendungen mit KI haben Sie hier im Netzbetrieb geplant?
Um KI sinnvoll in bestehende SAP-Prozesse zu integrieren, müssen die Systeme gut anzubinden sein. S/4HANA bietet eine ganze Reihe standardisierter Application Programming Interfaces (APIs), also besonderen Schnittstellen, die wir in diesem Zuge nutzen können. Diese Schnittstellen sind nötig, da SAP viele KI-Angebote nur innerhalb der Cloud-Umgebungen der SAP anbietet.
 
Welche Netzprozesse konnten konkret optimiert werden? Gibt es erste messbare Erfolge?
Eine wesentliche Optimierung ergibt sich aus der Verbindung von SAP-System und der "MaCo Cloud", also der Datendrehscheibe, die für den Datenaustausch im liberalisierten Markt notwendig ist. So kann die Marktkommunikation vollständig über die Cloud erfolgen und falls nötig, flexibel an regulatorische Anforderungen angepasst werden. Das spart uns Kosten im Betrieb und ermöglicht es uns alle Leistungen aus einer Hand zu beziehen.
 
Ist der Vertrieb bereits auch in der Cloud? Welche weiteren Bereiche oder Marktrollen sollen folgen? 
Wir gehen beim Umstieg unserer IT-Kernsysteme sehr planvoll vor. Das bedeutet für uns, realistische Zielsetzungen und Termine zu definieren, die wir konsequent verfolgen und erreichen können. Nach unserem Netzprojekt soll als Nächstes unser Vertriebsprojekt über Pfingsten 2027 live gehen. Dazu werden wir das Projekt alsbald starten und unsere zahlreichen Erfahrungen aus Phönix mit einfließen lassen. Auch hier geht es analog zum Netzprojekt darum, das bestehende Abrechnungssystem auf den neuen Standard und in die Cloud zu überführen, um dann anschließend in der Cloud betrieben zu werden. Uns ist sehr bewusst, dass die Vertriebswelt andere und teilweise viel komplexere Anforderungen an das Abrechnungssystem mit sich bringt. Beispielsweise wird die systemische Abbildung unserer zahlreichen Tarife und Produkte ein Komplexitätstreiber.
 
Parallel zum Vertriebsprojekt erfolgt auch ein Umzug unseres Datawarehouses in die SAP Business Data Cloud. Infrastrukturell befinden sich bereits unser SAP S/4 ERP – Software zur Verwaltung und Integration der Geschäftsprozesse eines Unternehmens – und Human Resources in der Cloud. Ob künftig auch hier eine vollständige Verlagerung in die SAP RISE Cloud erfolgt, ist derzeit Gegenstand einer strategischen Prüfung. 
 
Was war aus Ihrer Sicht die größte technische oder organisatorische Herausforderung bei der Umstellung?
S/4HANA bringt sowohl technische als auch prozessuale Änderungen mit sich. Insbesondere die neuen Funktionen in den Bereichen der Abrechnung und den Marktprozessen sind entsprechend intensiv bearbeitet worden. 
 
Wie lange hat die Vorbereitung und Umsetzung dieses ersten Meilensteins gedauert – vom Kick-off bis zum Go-live im Juni 2025?
Im Juni 2023 haben wir uns für die Umsetzung des Projektes entschieden und dann sofort die Kapazitäten am Markt gesichert. In einem Vorprojekt erfolgte die Detailplanung, sodass wir im April 2024 mit Phönix beginnen konnten. Wir sind mit dem Projektverlauf insgesamt sehr zufrieden und haben die Transformation in die Cloud mit viel Ruhe und Konsequenz vorangetrieben. Die Umsetzung hat von der Investitionsentscheidung bis zum Go-live im Juni 2025 ungefähr zwei Jahre gedauert.



















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