Von: Stephanie Gust
Während energiewirtschaftliche IT-Plattformen als Lösung für Effizienzsteigerung und Automatisierung hoch gehandelt werden, fehlen vielerorts die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Fortschritt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kämpfen mit fehlenden Investitionen, Zeit- und Fachkräftemangel – und laufen Gefahr, im Wettbewerb zurückzufallen.
Die Utility 4.0 Studie 2024 beleuchtet aus Sicht des Top-Managements der Energiebranche den aktuellen Stand der digitalen Transformation in ihren jeweiligen Unternehmen. Die Studie gibt seit 2017 jährlich einen Überblick über die Einschätzung von Stärken sowie Schwächen und soll dabei helfen, den eigenen Stand der Digitalisierung im Branchenvergleich einzuordnen.
Zwischen Anspruch und Realität: Wo EVU bei der Digitalisierung wirklich stehen
Rund 40 Prozent der Befragten aus kleineren und mittleren EVU (KMU) ordnet die Investitionsquote in die Digitalisierung bei 1 Prozent oder weniger ein – zu wenig, um den aktuellen Status quo zu halten und erst recht zu wenig, um einen Fortschritt zu machen. Rund die Hälfte der Befragten aus allen Unternehmensgrößen ist der Meinung, dass ihr Unternehmen weniger als 50 Prozent des Weges zur Energiewende geschafft hat.
Dabei zeigt sich eine weiter aufgehende Schere: Befragte aus großen Unternehmen sind optimistischer, während Teilnehmer aus KMU einen deutlich größeren Handlungsdruck sehen.
Woran es hakt
Gleichzeitig fehlen Zeit, Know-how und Fachkräfte, um die digitale Transformation und Prozessexzellenz ohne Unterstützung von außen voranzutreiben. Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Während generative KI-Tools wie ChatGPT zur Arbeitserleichterung genutzt werden, fehlen in den meisten Unternehmen strategische Ansätze für den gezielten Einsatz von KI in geschäftskritischen Bereichen.
Die Rolle von IT-Plattformen: Hoffnungsträger oder überschätzte Lösung?
Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen sehen energiewirtschaftliche IT-Plattformen als wichtigen Faktor für die Beschleunigung der Energiewende. Im Vordergrund stehen dabei Prozessautomatisierung und Kostensenkung.
Die Studie zeigt aber auch: Statt disruptiver Innovationen stehen oft nur schrittweise Verbesserungen im Vordergrund – mit der Gefahr, dass zentrale Herausforderungen ungelöst bleiben.
Wachsende Diskrepanz bei Prozess- und IT-Strukturen
Auffällig ist ein deutlicher Rückgang bei der Einschätzung der Ausrichtung der Prozessmanagementstruktur. Sowohl bei KMU als auch bei großen Unternehmen schätzen rund 15 Prozent der Befragten die Ausrichtung der Prozessmanagementstruktur schlechter ein als im Vorjahr.
Während KMU ihre IT-Struktur im Vergleich zum Vorjahr positiver einschätzen, sehen Befragte aus Großunternehmen ihre IT-Struktur negativer als 2023. Unter Berücksichtigung, dass die Teilnehmerstruktur stärker als im Vorjahr die Anwendersicht wiedergibt, zeigen die Ergebnisse einen hohen Handlungsbedarf für eine transparentere und flexiblere Prozessautomatisierung, die von den Anwendern und vom Markt her gedacht wird.
Vor allem kleinere Versorger haben Probleme
"Die neuen Studienergebnisse zeigen deutlich, dass viele EVU – insbesondere kleinere Versorger – bei der Digitalisierung aktuell nicht Schritt halten können", sagt Projektleiterin der Utility 4.0 Studie Simone Kiefer.
Fehlende Investitionen, fehlende Zeit sowie Fachkräfte bremsen ihr zufolge den Fortschritt aus. "Gleichzeitig setzen rund 90% Hoffnungen in energiewirtschaftliche IT-Plattformen, ohne die grundlegenden Herausforderungen im Blick zu haben. Wer jetzt nicht handelt, riskiert, den Anschluss zu verlieren."
Utilities 4.0
Hintergrund
Die Utility 4.0 Studie liefert einen Einblick in den aktuellen Stand der digitalen Transformation aus Sicht des Top-Managements der Energiewirtschaft. Seit 2017 bietet sie jährlich einen Überblick über die Stärken und Schwächen der Digitalisierung. Die Studie hat keinen repräsentativen Anspruch, dient aber als Benchmark für Führungskräfte in der Energiebranche und liefert wichtige Hinweise über die aktuellen Trends bei der digitalen Transformation.
Seit 2022 wird die Studie in Kooperation mit den Energieforen Leipzig durchgeführt, was den Detaillierungsgrad der Erkenntnisse weiter stärkt. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer sind Führungskräfte ab Abteilungsleiter aufwärts, darunter zahlreiche Vorstände und Geschäftsführer. Damit spiegeln die Ergebnisse sowohl die strategischen Perspektiven als auch die operativen Erfahrungen mit der Digitalisierung wider. Die Befragung umfasst Unternehmen unterschiedlicher Größe, von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bis hin zu Großunternehmen, und deckt das gesamte Spektrum der Marktrollen in der Branche ab.
Die vollständigen Studienergebnisse mit detaillierten Einblicken in den Status der Digitalisierung bei EVU lassen sich hier kostenlos herunterladen: www.prego-services.de/utility/studie



