Jeder Vierte (25 Prozent) in Deutschland war bereits Opfer von Kriminalität im Internet. Das ergab das "Digitalbarometer 2020" des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK). Rund zwei Drittel der Betroffenen haben dabei einen Schaden erlitten. Ein Drittel (32 Prozent) der Geschädigten verzeichnete dabei einen realen finanziellen Schaden. Die höchste angegebene Schadenssumme lag bei 50.000 Euro. Viel schwerer wiege aber oftmals der emotionale Schaden, etwa in Folge von Cybermobbing (25 Prozent), oder durch Verlust wichtiger Daten oder durch den Aufwand für das Wiederherstellen der Daten (jeweils 23 %).
"Die Ergebnisse von 2020 zeigen, wer Sicherheitsempfehlungen direkt umsetzt, wird seltener Opfer einer Straftat im Internet. Das zeigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind und weiter auf Prävention setzen müssen, denn jedes Opfer ist eines zu viel", sagt Stefanie Hinz, Vorsitzende der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. "Positiv ist, dass sich 35 Prozent der Betroffenen nach einer Straftat an die Polizei gewandt haben. Laut Digitalbarometer 2019 waren es noch 31 Prozent der Befragten", erläutert Hinz.
BSI will künftig mehr Orientierung geben
Die meisten der Befragten (57 Prozent) schützen sich mit einem aktuellem Virenschutzprogramm. 48 Prozent gaben an, sichere Passwörter zu verwenden und 47 Prozent haben eine aktuelle Firewall am Laufen. 33 Prozent nutzen die Zwei-Faktor-Authentisierung und 31 Prozent vertrauen auf sichere https-Verbindungen zum Übertragen persönlicher Daten. "Was mich überrascht hat, ist dass gerade einmal nur 25 Prozent automatische Updates installieren", sagt Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI. Dabei sei dies eine äußerst effektive Maßnahme.
"Jeder Zehnte gibt an, sich ohne Schutzmaßnahmen im Internet zu bewegen. Das ist wie Autofahren ohne Anschnallen oder Bahn fahren ohne Maske. Andere sichern sich bereits ab, vernachlässigen aber effiziente Maßnahmen wie automatische Updates", so BSI-Präsident Arne Schönbohm. Die Ergebnisse würden aber auch der Behörde deutlich zeigen: "Wir müssen mehr Orientierung geben, was priorisiert und im Zusammenspiel genutzt werden muss, um einen digitalen Basisschutz zu ermöglichen."
Sicherheitsempfehlungen werden vor allem von Betroffenen seltener umgesetzt
Wer Sicherheitsempfehlungen direkt umsetzt, wird seltener Opfer von Kriminalität im Internet, so ein weiteres Ergebnis. So geben Befragte, die bisher gar nicht oder nur einmalig Opfer wurden, häufiger an, die Empfehlungen direkt umzusetzen (40 Prozent). Hingegen setzen Menschen, die mehrfach Opfer waren, Sicherheitsempfehlungen in 31 Prozent der Fälle erst im Problemfall um. Selbst wenn sie diese schon vorab kannten.
"Wir sehen, dass viele Menschen wissen, wie sie sich schützen können, es aber nicht tun", so Schabhüser. Bei virtuellen Themen, die nicht so unmittelbar greifbar seien, sei es schwierig, eine Verhaltensänderung zu bewirken. "Wir haben hier noch kein Patentrezept gefunden", sagt der BSI-Vizepräsident. Derzeit überlege seine Behörde, wie man die Bürger dazu bringe, sich mit dem Thema zu befassen und Maßnahmen zu ergreifen.
Die meisten Betroffenen (36 Prozent) haben sich zudem nach einer Straftat selbstständig geholfen. Eine Anzeige stellten 35 Prozent. Nur wenige wussten laut Studie nicht, welche Maßnahmen sie ergreifen sollten (fünf Prozent).
Hintergrund: Digitalbarometer 2020
Das BSI und die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) kooperieren, um umfassend über Schutzmöglichkeiten und Risiken im Internet aufzuklären. Eine Grundlage dieser Arbeit ist das Digitalbarometer, eine gemeinsame, repräsentative Online-Befragung.
Ziel der Erhebung zum Digitalbarometer ist es, den aktuellen Kenntnisstand der Bevölkerung zum Thema IT-Sicherheit und Cyber-Kriminalität zu untersuchen. Die Befragung wird seit 2019 durchgeführt und soll es nunmehr jährlich ermöglichen, Trends und Bedarf im Bereich der Internetkriminalität gegenüber Verbrauchern zu ermitteln. (sg)



