Bereits jeder sechste Energiekunde kann sich vorstellen, einen KI-Bot als Tarif-Navigator einzusetzen, zeigt die neue Vertriebskanalstudie Energie von Kreutzer Consulting und Nordlight Research. Für Energiekonzerne ist es somit zunehmend wichtig, zu wissen, was KIs über sie berichten. Eon steckt bereits einiges an Anstrengungen in die Generative Engine Optimization (GEO), also das Optimieren der eigenen Inhalte und des Unternehmensauftritts für KIs.
Aufwendige Analyse
Die Grundlage dafür ist eine regelmäßige Analyse: Die Vertriebstochter des Essener Energiekonzerns untersucht, wie häufig und in welchem Zusammenhang die Marke in Antworten von Sprachmodellen auftaucht. Dafür fragt das Unternehmen laut Moritz Schicht, dem GEO-Experten vom Eon.de-Websiteteam, wöchentlich 1000 Prompts in sechs verschiedenen Sprachmodellen ab. Die Fragen decken unter anderem die Kategorien Strom, Erdgas, Photovoltaik, Elektromobilität, Energiemanagement sowie flexible und dynamische Tarife ab. "Bei der Auswertung geht es nicht nur um die Häufigkeit der Nennung, sondern auch um den Kontext und die Tonalität der Antworten", berichtet Schicht. Als externen Vergleichswert nutzt Eon einen SEO-Tool-Anbieter, der täglich 25 Millionen Prompts zu verschiedenen Themen abfragt.
Die Prompts für die Abfragen werden auf Grundlage klassischer Suchvolumina und verschiedener Nutzerprofile entwickelt. So berücksichtigt Eon etwa Hausbesitzer in Bayern ebenso wie Studierende in Berlin. Eine dieser Anfragen könnte also lauten: "Ich will bei meinem Haus in Ansbach eine Solaranlage installieren. Welche Anbieter gibt es?" Eine vollständige Abbildung sämtlicher Nutzerfragen ist jedoch nicht möglich – es geht eher um eine möglichst genaue Annäherung an die Realität.
Sprachmodelle sollen die Websites verstehen
Die Optimierung für Sprachmodelle ist eine Weiterentwicklung der klassischen Suchmaschinenoptimierung. "Wir sagen immer: SEO ist die Grundlage für GEO", sagt Schicht. Die Überschneidung sei groß, ein Unterschied sei allerdings die Strukturierung von Inhalten. Sprachmodelle müssten diese leichter verstehen und zitieren können. Darüber hinaus gewännen öffentliche Kommunikation und soziale Medien an Bedeutung. "Wie wird auf Reddit, wie wird auf Youtube über mich als Marke gesprochen? All das fließt in die Gesamtbewertung ein", so Schicht. Statt also nur auf die eigene Website zu schauen, wird der Auftritt bei externen Websites wichtiger.
Die Entwicklung könnte auch das Verhältnis zu Vergleichsportalen verändern. Sprachmodelle könnten künftig nicht nur Tarife vergleichen, sondern individuelle Bedürfnisse stärker berücksichtigen und direkt eine Empfehlung aussprechen. Der neue Eon-Stromtarif mit Langzeitpreisgarantie etwa geht auf das gestiegene Sicherheitsbedürfnis von Kundinnen und Kunden ein. Ein KI-Agent könnte ihn etwa für einen Nutzer vorschlagen, der Sorgen angesichts der geopolitischen Lage äußert.
Im schnelllebigen Produktumfeld ist es für uns entscheidend, dass wir in den KI-Modellen sichtbar sind.
Stefan Moriße
Für Eons GEO-Experten kommen mehrere Szenarien für die Zukunft in Frage – vom Zugriff der Modelle auf Vergleichsportale bis zur direkten Anbindung an die Anbieter. Perspektivisch könnte "Agentic Commerce" entstehen: Ein KI-Agent schlägt proaktiv günstigere Tarife vor. "Es wird nicht eine Frage sein, ob irgendwas über die Modelle direkt zu kaufen sein wird, sondern wann", sagt auch Eon-Kommunikationsmanager Stefan Moriße. Bis dahin gehe es für Eon zunächst darum, sichtbar zu sein und die technischen Voraussetzungen zu schaffen: "Im schnelllebigen Produktumfeld – und da sehe ich einen Stromvertrag genauso wie Consumer Goods – ist es für uns entscheidend, dass wir in den KI-Modellen sichtbar sind."
In der Energiebranche sei das Thema unterschiedlich weit verbreitet. Bei einer Arbeitsgruppe mit rund 20 Kommunikationsverantwortlichen habe es sowohl großes Interesse als auch diese Reaktion gegeben: "Das habe ich ja noch nie gehört", berichtet Moriße. Entscheidend sei nicht, über das größte Budget zu verfügen. "Man muss nicht der Größte sein und der mit dem größten Budget, um da mitzumachen. Es geht darum, wofür ich als Unternehmen stehen will und für welche Themenfelder ich auch künftig im KI-Zeitalter stehen möchte."