Mehr als 70-mal so viel: Nach Angaben des Ergebnisberichts der KI-Taskforce investierten die USA 2025 rund 286 Milliarden US-Dollar privates Kapital in Künstliche Intelligenz (KI). Deutschland kam im selben Jahr auf 3,9 Milliarden US-Dollar. China plant obendrein staatlich 295 Milliarden US-Dollar für ein landesweites Netz aus KI-Rechenzentren. Die Zahlen stehen im Ergebnisbericht der KI-Taskforce, den die Bundesregierung zum Digital-Gipfel in Berlin vorlegt.
Der Bericht beschreibt ein Zielbild für das Jahr 2030. Deutschland soll demnach zur "souveränen KI-Nation" werden, die Sicherheit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Mehrwert schafft. Die Taskforce kam am 2. Juli 2026 unter Leitung von Staatssekretär Dr. Markus Richter im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung erstmals zusammen. Der Nationale Sicherheitsrat hatte sie eingesetzt.
Warum die nächsten 18 Monate entscheiden
Der Bericht setzt ein enges Zeitfenster. Die nächsten zwölf bis 18 Monate seien für die Weichenstellung entscheidend, heißt es darin. Wer Grundlagen, Talente, Infrastruktur und Anwendungen nicht rechtzeitig aufbaue, werde langfristig von den Entscheidungen anderer abhängig sein. Der Abstand zu den führenden KI-Standorten wachse stetig.
Die Dringlichkeit untermauert der Bericht mit Wachstumszahlen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält laut Bericht ein um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte höheres jährliches Wirtschaftswachstum für möglich. Kumuliert bis 2040 wären so 4,5 Billionen Euro zusätzliche Wertschöpfung denkbar. Die Zahl ist eine Modellrechnung unter bestimmten Annahmen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel: Bis 2029 fehlen der deutschen Wirtschaft laut Bericht in vielen Branchen voraussichtlich Fachkräfte.
Sechs Felder, 18 Schlüsselmaßnahmen
Das Zielbild gliedert sich in sechs Dimensionen: KI und Gesellschaft, KI-Sicherheit, KI-Anwendung, KI-Infrastruktur, Frontier AI und KI-Talente. Mit Frontier AI sind die leistungsfähigsten KI-Modelle gemeint. Ihren Zugang will der Bund über strategische Partnerschaften und gemeinsame europäische Beschaffung sichern.
Die Taskforce bündelt 18 Schlüsselmaßnahmen. Grundlage ist eine Bestandsaufnahme von rund 440 laufenden und geplanten Maßnahmen der Ressorts. Rund 320 davon betreffen KI-Anwendung, rund 60 KI-Infrastruktur. Der Bericht spricht von einem Portfolio mit großer thematischer Breite, das aber noch nicht reiche, um alle Ziele abzudecken.
Wie viel Strom brauchen die Rechenzentren?
Der Bericht nennt konkrete Kennzahlen. Die Rechenzentrumskapazität für KI soll gegenüber 2025 um 300 Prozent wachsen. Zwischen Antrag und Inbetriebnahme eines Rechenzentrums sollen höchstens zweieinhalb Jahre liegen. Für KMU, also kleine und mittlere Unternehmen, lautet das Ziel, dass mindestens 55 Prozent KI einsetzen.
Für die Energiewirtschaft ist vor allem ein Satz relevant. Der Energiebedarf der KI-Rechenzentren soll nachhaltig und klimaneutral gedeckt werden. Ausbaupläne für erneuerbare Energien sollen ambitionierte Ausbauszenarien für Rechenkapazitäten berücksichtigen. Maßnahme 5 nennt geeignete Standorte, Netzanschlüsse und eine verlässliche klimaneutrale Energieversorgung als Voraussetzung.
Eine Zahl zum künftigen Strombedarf enthält der Bericht jedoch nicht. Auch die Menge an Netzanschlüssen, die dafür nötig wäre, nennt er nicht. Der Anspruch ist also formuliert, die Größenordnung bleibt offen.
Wer bezahlt die KI-Nation?
Der Bericht setzt auf private Investitionen. Der Staat soll den Rahmen schaffen und mit Förder-, Finanzierungs- und Kooperationsinstrumenten Anreize setzen. Den Finanzbedarf beziffert die Taskforce nicht. Die Investitionsbedarfe seien erst zu konkretisieren, heißt es. Der Bericht begründe keine Finanzierungsentscheidungen und präjudiziere keine Haushaltsverfahren, schreibt die Taskforce selbst.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) verbindet das Vorhaben mit einem Versprechen: "An diesen Zielen wollen wir uns messen lassen“, sagte er. Die Zielwerte sind allerdings indikativ, und der Bericht betritt nach eigener Aussage "Neuland“. Viele Kennzahlen sind noch ohne Zielwert. Wildberger kündigte an, künftig dort sofort nachzusteuern, wo es die technologische Entwicklung erfordere.
Ob dieses Nachsteuern gelingt, prüft die Taskforce selbst. Sie soll mindestens vierteljährlich auf Ebene der Staatssekretäre tagen. Offen bleibt, wer die Milliarden für Rechenzentren, Netze und Förderung aufbringt, und ob die Länder und Kommunen mitziehen, die an die Zielwerte nicht gebunden sind.