Künstliche Intelligenz (KI) braucht viel Energie. Große Rechenzentren können künftig den jährlichen Energiebedarf einer Großstadt wie Hannover oder Kopenhagen erreichen. Der Engpass liegt dann oft im Netz. Fehlende Netzanschlüsse oder Stromengpässe verzögern die Projekte.
Davor warnen der Anbieter 1Komma5Grad und das KWK-Unternehmen 2G Energy. Beide haben eine Technologiepartnerschaft angekündigt. Kern der Idee: Bei der On-Site-Stromversorgung entsteht der Strom auch netzunabhängig am Rechenzentrum selbst.
Software steuert Gasmotoren und Solarstrom
Das Herzstück ist Heartbeat AI, die Energie-Software von 1Komma5Grad. Sie steuert künftig auch hocheffiziente Anlagen von 2G. Dazu zählen Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen. Hinzu kommen Gas-to-Power-Systeme, die Strom direkt aus Gas gewinnen.
Die Software verbindet Gasmotoren, Photovoltaik (PV) am Standort, Stromspeicher, schwankende Börsenpreise und den Bedarf der Rechenzentren. Das geschieht in Echtzeit. Ziel ist eine möglichst günstige Stromerzeugung direkt vor Ort, netzunabhängig. Für Betreiber heißt das: Sie senken ihre Stromkosten und lasten vorhandene Netzanschlüsse besser aus.
Container statt Kraftwerksbau
Die Gasanlagen von 2G gibt es als Container-Lösung. Laut Technikchef Frank Grewe reicht eine Einheit von wenigen Kilowatt bis zu mehreren Megawatt. Kombiniert lassen sich die Module auf mehrere Hundert Megawatt stapeln.
Grewe betont die Flexibilität. Die Anlagen fahren schnell hoch und herunter. Das passt zu Lastsprüngen beim Training großer KI-Modelle. Zudem können Betreiber den Brennstoff wechseln. Etwa die Hälfte der rund 10.000 Anlagen läuft mit Erdgas, dazu kommt eine Wasserstoff-Flotte in fast zehn Ländern. Grewe sieht die Technik nicht als Konkurrenz zu Wind und Sonne. Sie solle das Rückgrat der Versorgung bilden, wenn Erneuerbare nicht liefern.
Die Anlagen erreichen demnach einen konstant hohen elektrischen Wirkungsgrad. Mit Nutzung der Wärme seien Gesamtwirkungsgrade von über 90 Prozent möglich. Sie laufen bereits heute mit Biogas, Biomethan oder Wasserstoff.
Auftragslage und Rechenzentren in Europa
1Komma5Grad-Chef Philipp Schröder erwartet für Europa eher kleinere, modulare Rechenzentren. Sie dienen vor allem dem Inferenzbetrieb, also der Anwendung fertiger KI-Modelle, und weniger dem aufwendigen Training. Schröder stellt klar: 1Komma5Grad will keine Rechenzentren betreiben. Das Unternehmen will Rechenzentren in Europa vor allem mit möglichst günstigem und sauberem Strom versorgen.
Laut 1Komma5Grad sind bereits rund ein Gigawatt Leistung an Heartbeat AI angeschlossen. Insgesamt könnte die Kapazität laut Schröder auf 2,2 bis 2,4 Gigawatt steigen.