Über diese Benutzeroberfläche können Flottenverantwortliche in der Ampway-Software das Laden steuern.

Über diese Benutzeroberfläche können Flottenverantwortliche in der Ampway-Software das Laden steuern.

Bild: © Ampway GmbH

Das noch junge Münchener Start-up "ampway" entwickelt eine Plattform zur automatisierten Steuerung von Ladevorgängen in Fahrzeugflotten – und hat dabei speziell Stadtwerke im Blick. Wie die KI-basierte Software Kosten sparen kann, wie sie Ladepläne in Echtzeit erstellt und warum fehlendes Verständnis für dynamische Stromtarife manchmal eine Hürde im B2B-Kontakt sein kann, erklärt Mitgründerin Sophia Vögler im Gespräch mit der ZFK.

Frau Vögler, Sie haben Ampway erst im März 2026 gegründet. Wie sind Sie organisiert und wo steht das Unternehmen heute?

Ampway ist eine direkte Ausgründung aus der Technischen Universität München. Im Gründungsteam sind wir zu zweit. Die Grundlagenforschung stammt aus dem universitären Umfeld, die konkrete Anwendung haben wir vollständig selbst entwickelt. Zwei Pilotierungen sind abgeschlossen, weitere Projekte mit zwei mittelständischen Unternehmen stehen an. Ampway wird vom Gründungsteam getragen und wurde durch das 'EXIST'-Gründungsstipendium sowie aktuell durch 'Forschungstransfer 2' unterstützt. Für die nächste Phase suchen wir partnerschaftliche Pilotprojekte an realen Flotten.

Was bietet Ampway Flottenbetreibern an?

Wir wollen das Laden von E-Fahrzeugen 'auf Autopilot' erreichen. Fahrzeuge sollen laden, wenn es energetisch und wirtschaftlich sinnvoll ist – und nicht unmittelbar nach dem Einstecken. Unsere Plattform ist hardwareunabhängig und über OCPP und ISO 15118-2 mit nahezu jeder Ladestation und jedem Elektrofahrzeug kompatibel.
 
Mithilfe eigener KI-Modelle erstellen wir in Echtzeit Ladepläne. Sie legen fest, wann welches Fahrzeug mit welcher Leistung geladen wird. Nach unseren bisherigen Erfahrungen sind dadurch im Durchschnitt rund 30 Prozent niedrigere Energiekosten möglich, wenn dynamische Tarife einbezogen werden. In Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern kann das Einsparpotenzial noch steigen.

Welche Daten benötigt die Plattform – und wie viel müssen Fahrerinnen und Fahrer noch selbst eingeben?

Wir integrieren, sofern vorhanden, Einsatz- und Abfahrtspläne aus Transportmanagementsystemen sowie den Ladezustand der Fahrzeuge. Wo diese Daten nicht automatisch vorliegen, arbeiten wir zunächst mit Nutzereingaben. Gleichzeitig lernt die Plattform das Verhalten einer Flotte über die Zeit.
 
KI-Module erkennen typische Muster und berechnen auch Zustandsgrößen, die nicht direkt gemessen werden können. So können wir mit Unsicherheiten umgehen – etwa, wenn ein Fahrzeug anders ankommt oder abfährt als geplant. Perspektivisch soll für die Fahrerinnen und Fahrer keine Interaktion nötig sein. Niemand soll Abfahrtszeiten akribisch eintragen müssen; die Flotte soll im Hintergrund zuverlässig gesteuert werden.

Berücksichtigt Ampway Netzengpässe und andere Lasten?

Auf lokaler Standortebene können wir wichtige Lasten berücksichtigen. Wenn etwa eine größere Anlage gewartet wird und vorübergehend viel Strom benötigt, lässt sich das Laden drosseln, verschieben oder unterbrechen. So verhindern wir, dass verschiedene Verbraucher gleichzeitig hohe Lastspitzen erzeugen.
 
Überregionale Netzengpässe fließen aktuell noch nicht ein, da wir dafür auf externe Daten angewiesen sind, zu denen wir noch keinen automatisierten Zugang haben. Die technische Grundlage dafür haben wir bereits geschaffen – sobald wir einen geeigneten Datenpartner haben, lässt sich das in die Optimierung integrieren.

Valentina Nigg (li.) und Sophia Vögler (re.) haben Ampway 2026 gegründet. Stadtwerke können damit ihre eigene E-Flotte managen oder Dritten ein White-Label-Angebot machen.Bild: © Ampway GmbH

Setzt Ampway auf einen bestehenden KI-Anbieter?

Nein, wir setzen nicht auf einen externen KI-Anbieter. Unser Ansatz basiert auf einem eigenen Machine-Learning-Modell für Ladeplanung und -optimierung – es geht nicht um Chatbot-Funktionen, sondern um komplexe Ladeentscheidungen unter wechselnden Rahmenbedingungen. Das Modell führt Energiepreise, Fahrzeugverhalten, verfügbare Ladeleistung und betriebliche Vorgaben zusammen und leitet daraus fortlaufend einen optimalen Ladeplan ab.

Wie soll das Geschäftsmodell konkret aussehen?

Für die bisherigen Pilotierungen hat sich eine einmalige Onboarding-Gebühr je Ladestation plus ein monatlicher Festbetrag je Ladestation bewährt. Damit skaliert der Preis grundsätzlich mit der Flottengröße. Die konkrete Höhe hängt auch von Hardware, Fahrzeugen und der Kritikalität des Anwendungsfalls ab.
 
Perspektivisch möchten wir zusätzlich ein wertbasiertes Preismodell anbieten. Dann würde sich unser Preis stärker an den erzielten Einsparungen orientieren. Die Kosten wären damit unmittelbar mit dem wirtschaftlichen Nutzen verknüpft.

Wie geht die Plattform mit Prognosefehlern und technischer 'Altlast' um?

Abweichungen zwischen Prognose und Realität lassen sich nie vollständig vermeiden. Fahrzeuge kommen früher oder später zurück, auch Solarstrom kann anders erzeugt werden als erwartet. Unsere Optimierung läuft deshalb zyklisch und passt die Ladepläne fortlaufend an. So können wir Abweichungen in der Regel vermeiden.

Bei neueren Ladesäulen und Fahrzeugen ist die Integration oft unkompliziert. Schwieriger ist meist alte Hardware. Individuelle oder nicht standardisierte Kommunikationswege erschweren den Zugriff auf notwendige Daten und Steuerungsmöglichkeiten. Die Herausforderung liegt deshalb weniger in bestehenden IT-Systemen als in veralteten oder speziellen Hardware-Setups. Einheitliche Standards bleiben zentral.

Woran scheitert die Umsetzung Ihrer bisherigen Erfahrung am häufigsten? Und ist ein dynamischer Tarif Voraussetzung?

Häufig fehlt zunächst das Verständnis für das Potenzial. Selbst Unternehmen mit dynamischem Stromtarif wissen teilweise nicht genau, was dieser bedeutet und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Nutzen und Funktionsweise müssen transparenter erklärt werden. Wenn Kunden den Zusammenhang zwischen Tarif, Lastgang und Ladeplanung verstehen, wird eine Lösung wie Ampway schnell angenommen.
 
Ein dynamischer Tarif ist aber keine Voraussetzung. Wenn ein Kunde einen dynamischen Tarif nutzt, integrieren wir die Preisdaten des Versorgers über Schnittstellen. Aber auch bei einem Standardtarif kann sich die Lösung lohnen. Bei großen Flotten entstehen häufig hohe kostenrelevante Leistungsspitzen. Wenn wir diese Last glätten, lassen sich die Kosten deutlich reduzieren.

Welche nächsten Schritte stehen für Ampway an?

Wir freuen uns auf weitere Pilotierungen – vom Mittelstand über größere Unternehmen bis hin zu Kooperationen und Partnerschaften, um intelligente Ladevorgänge gemeinschaftlich in die Breite zu tragen.
 
Für Stadtwerke kann Ampway als Lösung für die eigene Flotte oder als White-Label-Angebot für Endkunden interessant sein. Zugleich werden sich Stromtarife weiterentwickeln. Wir möchten Teil dieser Entwicklung sein und zeigen, wie Ladeinfrastruktur, Energiepreise und Flottenbetrieb sinnvoll zusammengebracht werden können.

Danke für das Gespräch!

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