Siemens und die für Deutschland zentrale Pariser Strombörse Epex Spot haben am Mittwoch ein gemeinsames Konzept veröffentlicht, mit dem sie selbst kleinste Flexibilitätsanbieter aus Gebäuden und lokale Peer-to-Peer-Strommärkte mit dem Preisfindungs- und Vermarktungsprozess an den Regelenergie- und Großhandelsmärkten verbinden wollen.
Das Konzept sieht laut Pressemitteilung vor, dass das von Siemens entwickelte EMS "Building Energy Management System" auf vier verschiedenen geografischen Ebenen mit anderen EMS und letztlich mit dem Handelssystem der Epex Spot automatisch interagiert, um kurzfristige Stromnachfrage und Erzeugungsangebot auszugleichen und mit einem "zuverlässigen, transparenten Preissignal" zu versehen. Selbst die Angebote sollen sich automatisch erstellen. Dabei sollen überschüssige aggregierte Mengen in die nächsthöhere Ebene eingespielt werden - wiederum automatisch:
- innerhalb eines Gebäudes oder Gebäudekomplexes: denkbar zum Beispiel zur Erhöhung des Eigenerzeugungsanteils einer Photovoltaikanlage mit Stromspeicher, damit der Eigentümer höhere Einnahmen erzielt. Damit sind wohl größere gewerbliche Bauten gemeint, die überhaupt über ein EMS verfügen.
- Peer-to-Peer-Stromhandel innerhalb eines Stadtteils (Quartierslösungen), eines Dorfes, einer kleinen Stadt oder sonst eines kleinen Gebiets
- Peer-to-Peer-Stromhandel innerhalb einer Region mit größeren Städten. In Deutschland betreiben die Übertragungsnetzbetreiber den Regelenergiemarkt zur kurzfristigen Stabilisierung des Netzes an Stromautobahnen. Epex Spot betreibt seit Februar live in einer Forschungsumgebung den ersten Flexi-Markt auf Verteilnetzebene weltweit, "Enera Market" in Niedersachsen, und hatte damals schon laut darüber nachgedacht, dieses Konzept auf andere Regionen auszurollen.
- nationale und transnationale Gebiete mit Verbindung zum kurzfristigen Epex-Großhandelsmarkt
Ist und nächste Schritte
Wie weit ist die Integration dezentraler Märkte in den Spotmarkt der Epex? Stefan Niessen von Siemens Corporate Technology schreibt dazu, Siemens teste derzeit die "Interaktionen unseres Gebäudemanagementsystems mit lokalen Optimierungs-Algorithmen" und simuliere sie mit historischen Börsen-Strompreisen. Philippe Vassilopoulos, Direktor Produktentwicklung bei der Börse, ergänzt: "Das Handelssystem der Epex Spot ist bereits in der Lage, direkte Angebote eines lokalen Betreibers über API (Programmschnittstellen) zu integrieren."
Der nächste Schritt werde sein, so beide Partner, die API zwischen ihren Systemen näher zu untersuchen, damit die automatisierte Verbindung zwischen allen Marktebenen besser wird. Ziel sei ein Pilotprojekt für einen solchen "integrierten Energiemarkt". Ein Zeitplan werde später mitgeteilt. (geo)



