Von Stephanie Gust
Mit der Zertifizierung der Gateway-Administration in der Public Cloud ist der Betrieb intelligenter Messsysteme künftig auch vollständig cloudbasiert möglich. Dabei werden die Anforderungen an IT-Sicherheit und Datensouveränität eingehalten.
Zertifizierung für hybride Architektur
Konkret geht es um die Software AEP.GWA von Arvato Systems, die nach erfolgreichem Audit durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun als Software-as-a-Service in der Public Cloud betrieben werden darf.
Skalierbarkeit und Effizienz im Fokus
Mit dem cloudbasierten Betrieb sollen laut Arvato Systems Skaleneffekte und eine flexible Lastverteilung realisiert werden. Kundeninstanzen können innerhalb weniger Stunden bereitgestellt werden. "Maximale Skalierbarkeit, schnelle Bereitstellung, dynamische Lastverteilung – und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards: Das ist das Besondere an unserem Ansatz“, so André Hoffmann, Head of Product Portfolio Energy bei Arvato Systems.
Technische Grundlage ist eine hybride Architektur: Während die Anwendung auf Microsoft Azure läuft, verbleiben sicherheitskritische Komponenten – etwa Schlüsselmaterial in deutschen Hardwaresicherheitsmodulen – in deutschen Rechenzentren von Arvato Systems. Mircosoft hat darauf keinen Zugriff. Nach Unternehmensangaben erfüllt die Lösung damit die Vorgaben der sogenannten "Cloud for Souvereignty“. "Das war dem BSI besonders wichtig – und wir mussten entsprechende zusätzliche Nachweise erbringen“, erläutert Hoffmann.

André Hoffmann, Head of Product Portfolio Energy bei Arvato Systems
Bild: © Arvato Systems
Technische Weiterentwicklung auf Basis bestehender Erfahrung
Eingeflossen sind vor allem Erfahrungswerte und praxisbewährte Lösungsbausteine. "Durch Inbetriebnahme und Betrieb von mehr als 50.000 intelligenten Messystemen wurde zusammen mit den Kunden ein Betriebsmonitoring entwickelt, das Störungen frühzeitig erkennt und die Messwertquote konsequent im Blick hat. Ein großer Teil der kürzlich vom VDE-FNN geforderten Anforderungen sind hier bereits berücksichtigt. Die Umgebung ist wie AS4 und die BDEW-API offen und damit bereits für sternförmigen Messwertversand vorbereitet", erklärt Hoffmann.
Die Architektur sei so ausgelegt, dass sie auch bei stark steigender Anzahl intelligenter Messsysteme leistungsfähig bleibe, ohne hohe Fixkosten zu verursachen. Zusätzliche Anwendungen – etwa für Netzmanagement oder Energiemonitoring – lassen sich laut Anbieter in Form von Modulen integrieren. Auch Analyse- und KI-Funktionen seien bei Bedarf anschließbar.
Anbindung an bestehende Systemlandschaften
Die GWA-Lösung ist Teil des "Arvato Systems Energy Portfolios", das weitere energiewirtschaftliche Module umfasst – darunter Marktkommunikation (AS4, API, MaKoCloud), Kundenmanagement (AEP.EnergySuite) und Abrechnung (AEP.EnerS4 auf SAP-Basis). Laut Anbieter lassen sich durch die enge Verzahnung technische Synergien nutzen, etwa bei Verschlüsselung, Datenformaten oder Release-Management.
Unterstützung bei der Migration
Für Messstellenbetreiber, die von bestehenden Lösungen auf die neue Cloud-Variante umsteigen wollen, bietet Arvato Systems Migrationsunterstützung an. Das Unternehmen verweist auf Erfahrungen aus früheren GWA-Projekten sowie aus anderen regulierten Branchen wie dem Gesundheitswesen.
Regulatorischer Ausblick: Cloud-Betrieb künftig Standard?
Mit Blick auf die Marktentwicklung sieht Arvato Systems die Zertifizierung als Signal für eine wachsende Akzeptanz cloudbasierter Lösungen im regulierten Energiesektor. Die neue BSI-Richtlinie TR-03109-6, die ab 2027 für alle GWA-Anbieter verbindlich wird, enthält bereits Vorgaben zum Cloud-Betrieb. Aus Sicht des Unternehmens wird der Bedarf an skalierbaren, datenbasierten Anwendungen – zum Beispiel im Kontext von Internet-of-Things (IoT) oder netzdienlicher Steuerung – in den kommenden Jahren weiter steigen.
