Ralf Eichmann (links), Senior Manager bei PwC Deutschland, und Alexander Littwin, Director bei PwC Deutschland, ordnen die aktuellen Studienergebnisse ein.

Ralf Eichmann (links), Senior Manager bei PwC Deutschland, und Alexander Littwin, Director bei PwC Deutschland, ordnen die aktuellen Studienergebnisse ein.

Bild: © PwC Deutschland

Bei der Digitalisierung der deutschen Stromnetze sind grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) die Schlüsselakteure: Denn sie verantworten den Smart-Meter-Rollout und müssen ihn bis 2032 abschließen. Aber wie weit sind die Betreiber wirklich? Und welche Herausforderungen erwarten sie noch? Alexander Littwin, Director bei PwC Deutschland, und Ralf Eichmann, Senior Manager bei PwC Deutschland, ordnen die aktuellen Studienergebnisse ein.


Herr Eichmann, Mitte 2023 trat das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) in Kraft. Das hat den Smart-Meter-Rollout vorangetrieben. Laut ihrer Studie haben vier von fünf Unternehmen den Rollout gestartet. Also alles gut?
Ralf Eichmann, Senior Manager bei PwC Deutschland:
So leicht ist die Rechnung leider nicht. Die gute Nachricht ist, dass laut unserer Umfrage 80 Prozent der gMSB den Rollout von intelligenten Messsystemen (iMSys) und modernen Messeinrichtungen (mME) gestartet haben. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings liegt selbst vor den Unternehmen, die bereits mit der Installation von iMSys begonnen haben, noch ein weiter Weg. Für sie kommt es zum Beispiel jetzt darauf an die Wirtschaftlichkeit des Rollouts zu optimieren, die Transformation zu einer kundenorientierten Marktrolle durchzuführen, marktfähige Zusatzleistungen für die Kunden zu entwickeln und die notwendige CLS-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, die zur Steuerung der Netzlast notwendig ist.
 

Woran liegt dieser Verzug? Welche künftigen Herausforderungen warten auf die gMSBs?
Alexander Littwin, Director bei PwC Deutschland:
Der Rollout ist ein komplexer Prozess. Auch, weil Deutschland sich hohe Ziele gesetzt hat und nicht nur digitale Zähler einführt, sondern die Smart Meter als digitale Schnittstelle für sämtliche Steuerungsanwendungen der Energiewende etablieren will. Entsprechend müssen einige Herausforderungen gelöst werden – darunter auch regulatorische wie die netzdienliche Steuerung nach § 14a EnWG. Netzbetreiber müssen die entsprechenden Anlagen je nach Netzlast steuern. Ziel ist, erneuerbare Energien so einzusetzen, dass Lastspitzen und Flauten optimal ausgeglichen werden. Um an diesen Punkt zu kommen, müssen gMSB ihre interne IT-Systemlandschaft anpassen, sicherstellen, dass die Anwendung wirtschaftlich ist, die Montage koordinieren, die Gesetzeslage im Blick behalten und ihr Fachpersonal schulen. Darüber hinaus ist die notwendige CLS-Infrastruktur noch nicht vollständig ausgereift, was speziell die nächsten ein bis zwei Jahre zu einem erhöhten Betriebsaufwand führen wird.

Stichwort Fachpersonal: Haben wir überhaupt genügend Fachkräfte, um bis 2032 in Deutschland auf digitale oder intelligente Zähler umzustellen?
Eichmann: Der Fachkräftemangel spielt natürlich auch bei der Digitalisierung des Netzes eine entscheidende Rolle. Während sich „die Verfügbarkeit von Montagekapazitäten“ im Mittelfeld der genannten Herausforderungen in unserer Studie befindet, wird der Fachkräftemangel in Summe, also für alle Prozesse, von 20 Prozent der Teilnehmer als kritisch angesehen. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen ist der Einsatz von Dienstleistern, insbesondere im Bereich „Montage“ und „Gateway-Administration“, eine oft genutzte Maßnahme. Dienstleister können mittels Spezialisierungs- und Skalierungseffekten die verfügbaren Kapazitäten häufig effizienter einsetzen. Das entbindet die gMSB allerdings nicht von Ihrer Pflicht zur Weiterentwicklung des eigenen Personals, dort ist der Aufbau neuer Fähigkeiten im Bereich Digitalisierung (auch der Umgang mit KI) eine wesentliche Aufgabe in den nächsten Jahren.

Was raten Sie den 20 Prozent, die laut Ihrer Studie noch gar nicht mit dem Rollout gestartet haben, sondern noch in der Testphase sind? Welche Schritte sollten sie gehen?
Littwin: Diejenigen, die sich noch in der Testphase befinden, sollten sich schnellstmöglich auf die Vorgaben des GNDEW einstellen und den Rollout klar priorisieren. Wer nicht nachzieht, droht den Status als grundzuständiger Betreiber zu verlieren. Hilfreich ist, die Umstellung konsequent zu planen, sich feste Ziele und Deadlines zu setzen und ausreichend Fachpersonal aufzubauen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bietet hier Weiterbildungen für seine Mitglieder an. Wenn es um die Finanzierung geht, können sich gMSB bei Förderprogrammen bewerben oder europäische Fördermittel – beispielsweise aus den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung – anfragen.

Und mit Blick in die Zukunft: Auf welche technischen Innovationen können wir uns in den kommenden Jahren beim Smart Metering freuen?
Eichmann: Aktuell stehen wir noch am Anfang der Entwicklung. Daher bin ich auch zuversichtlich, dass sich alle Bemühungen und Anstrengungen der gMSB langfristig auszahlen werden. Wenn ich in die Zukunft blicke, sehe ich nicht nur, dass sich die Art und Weise verändert, wie Verbraucher Energie konsumieren, sondern auch eine insgesamt nachhaltigere und resilientere Energieinfrastruktur. Um nur zwei Punkte herauszugreifen: Durch die wachsende Verbreitung von IoT wird bei den Verbrauchern das Zusammenspiel zwischen Zähler, PV-Erzeuger und etwa Smart-Home-Geräten verbessert. Auf Seiten der Messstellen- und Netzbetreiber wiederum kann Künstliche Intelligenz künftig dabei helfen, das Verbraucherverhalten vorherzusagen, das Lastmanagement zu optimieren und Energie zu sparen.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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