Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) haben Andreas Feicht, Staatssekretär für Energiepolitik, und Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das dritte Zertifikat auf Basis des Schutzprofils für das Smart-Meter-Gateway an Peter Heuell, Geschäftsführer der EMH Metering, überreicht. Im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens wurde der Nachweis der Einhaltung der Sicherheitsvorgaben durch das Smart-Meter-Gateway erbracht. Auch die Herstellungs- und Entwicklungsprozesse des Herstellers sowie die Auslieferungswege der Geräte wurden durch das BSI zertifiziert.
BSI-Präsident Arne Schönbohm betonte: "Mit der dritten Zertifizierung haben wir einen wichtigen Schritt hin zu einer erfolgreichen Digitalisierung der Energieversorgung in Deutschland gemacht. Gleichzeitig haben wir belegt, dass innovative Technik und Informationssicherheit dabei Hand in Hand gehen und die Privatsphäre der Verbraucherinnen und Verbraucher geschützt ist. Nur mit dem notwendigen Vertrauen der Anwender in neue Technologien wird die digitale Transformation gelingen und deren Potential voll ausgeschöpft."
Marktanalyse wird aktualisiert
Da zuvor noch Auswirkungen von geplanten Rechtsrahmenänderungen in verschiedenen Bereichen analysiert werden müssten, werde die Veröffentlichung der Marktanalyse und die Feststellung der technischen Möglichkeit in Abstimmung mit dem BMWi Anfang 2020 geschehen, teilte die Bonner Behörde mit. In der Marktanalyse wird der Stand der Umsetzung der BSI-Standards sowie der eichrechtlichen Anforderungen über die Wertschöpfungskette Messeinrichtung, Smart-Meter-Gateway, Gateway-Administrator und Backendsysteme im Markt erfasst.
Die Marktanalyse bildet die Grundlage für die Feststellung der technischen Möglichkeit, mit der offiziell – bei Vorliegen aller Voraussetzungen – die Rollout-Verpflichtung der grundzuständigen Messstellenbetreiber beginnt. Die Voraussetzungen zum verpflichtenden Einbau von intelligenten Messsystemen sind dann für bestimmte Einbaugruppen gegeben, da drei Smart-Meter-Gateways voneinander unabhängiger Hersteller vom BSI zertifiziert wurden und die technische Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme durch das BSI dann formal festgestellt wird. Damit werden grundzuständige Messstellenbetreiber, in Abhängigkeit des vom Messstellenbetriebsgesetzes vorgegebenen Zeitplans, zum Einbau intelligenter Messsysteme verpflichtet. Messsysteme, die nicht den Anforderungen der Behörde entsprechen, dürfen dann nicht mehr verbaut werden, heißt es weiter. Bereits jetzt ist der freiwillige Einbau von zertifizierten Geräten möglich.
EMH Metering mit eigener Lieferkette
Die von EMH Metering entwickelte Lösung für eine sichere Lieferkette (Silke) hat die Zertifizierung ebenfalls erfolgreich durchlaufen. Mit dem „Safebag“ bietet das Unternehmen eine vollständig durchgängige Lieferkette von der Produktion bis zur Montage. Die Umverpackung der einzelnen Gateways soll vor Manipulation schützen: Wird der Safebag aufgerissen, verändert sich das Muster des Verschlusses. ”Erste Kunden reagieren sehr positiv auf diese flexible und praxisgerechte Lieferkette”, betont EMH-Metering-Geschäftsführer Heuell. Jeder Safebag ist zudem mit einem CC-zertifizierten NFC-Chip versehen, über den das Gateway und der Bag eindeutig identifiziert werden.
EMH Metering produziert nach eigenen Angaben als einziger Hersteller Smart-Meter-Gateways und Basiszähler vollständig in Deutschland (siehe dazu auch Interview mit Peter Heuell). „Dadurch garantieren wir eine hohe Qualität und kurze Lieferzeiten“, so Heuell. Zudem lasse sich die vollständige Prozesskette auf die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Man installiere auf Kundenwunsch auch die SIM-Karten.
Neue Geschäftsmodelle über Mehrwert-Module
Über Mehrwert-Module des Gateways Casa sollen die Unternehmen zudem neue Geschäftsmodelle erschließen können. Etwa indem Letztverbraucher über ein WLAN-Modul mit Smartphone, Tablet oder PC auf den im Gateway integrierten Web-Browser zugreife könnenn, um einen detaillierten Einblick in ihren Energieverbrauch zu gewinnen. ”Wir freuen uns darauf, endlich in die Wirkproduktion einzusteigen und dieses tolle Gerät ausliefern zu können”, so Heuell.
Einen Grund zu feiern an diesem 19. Dezember hatte auch EnBW: Als grundzuständiger Messstellenbetreiber baute der Energiekonzern vor genau einem Jahr sein erstes zertifiziertes Gateway von PPC ein.
VKU: Geräte müssen sich beweisen
Michael Wübbels, stv. Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) äußerte sich dazu folgendermaßen:„Mit dem dritten zertifizierten Smart Meter wird das für den flächendeckenden Rollout der Messsysteme notwendige Startsignal vom BSI gegeben. Ab sofort können Stadtwerke von der Planungs- in die Umsetzungsphase gehen. Zugleich können sie smarte Geschäftsmodelle für ihre Kunden auf den Weg bringen. Dazu gehören beispielsweise digitale Produkte und Services wie die gemeinsame Erfassung von Strom-, Gas- und Wärmeverbräuchen."
Die Geräte der ersten Generation müssten aber beweisen, dass sie die angekündigten Mehrwerte bieten, so Wübbels weiter. "Sie müssen zudem beweisen, dass sie praxistauglich sind, sich nahtlos in unterschiedliche Systeme integrieren lassen, quasi per „plug-n-play“ funktionieren und zukunftsfähig per Update sind. Das ist unter anderem notwendig, damit Smart Meter etwa in einem Wohnquartier die Stromerzeugung über Photovoltaikanlagen oder die Ladevorgänge von Elektroautos intelligent steuern können."
Den langen zeitlichen Vorlauf der Smart-Meter-Zertifizierung nannte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer einen Bremsklotz für die Unternehmen, die seit 2016 bestehenden gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. "Schon heute sind über 95 Prozent der Erneuerbare-Energien-Anlagen in den Verteilnetzen angeschlossen. Dazu kommen künftig neue Verbrauchergruppen wie Elektroautos oder Wärmepumpen. Die Herausforderungen, die mit der zunehmenden Dezentralisierung der Energieerzeugung, den Veränderungen in der Verbrauchsstruktur und den damit einhergehenden Datenmengen auf uns zukommen, können wir nur bewältigen, wenn digitale Technologien wie Smart Meter im Verteilnetz zum Einsatz kommen“, bekräftigte er.
Neue Geschäftsstelle
Im September hat das BMWi außerdem die Geschäftsstelle "Technische Standards, Ausschuss Gateway-Standardisierung" eingerichtet. Ihre Aufgabe ist es unter anderem die technischen Standards für die Digitalisierung der Energiewende im Bereich Netze, Mobilität, Gebäude und Dienstleistungen weiterzuentwickeln. (sg)
