Herr Briese und Herr Sperfeld, die E-World ist nun komplett auf den Sommer verschoben worden. Der BEMD hatte dazu maßgeblich beigetragen. Wie kam es zu der Initiative des BEMD bzgl. der E-World?
Dirk Briese, Geschäftsführer BEMD: Wir haben schon im vorletzten Jahr, 2020, mehrfach Umfragen unter unseren Mitgliedern zum Thema Corona durchgeführt und die Ergebnisse in Web-Foren vorgestellt und diskutiert. Ein Thema dabei war dann natürlich auch die E-World und die Frage, ob und wie die Aussteller mit einer Teilnahme in 2021 und später dann 2022 umgehen sollen.
Dietmar Sperfeld, Vorstandsvorsitzender BEMD und Geschäftsführer Soluvia Energy Services GmbH: Die Fragen und Unsicherheiten vieler unserer Mitglieder und Innovationspartner führten letztendlich zur Gründung einer Arbeitsgruppe „E-World“.
Und dann kamen auch Nichtmitglieder dazu?
Briese: Genau. Plötzlich wurde aus einer Arbeitsgruppe mit fünf Mitgliedern eine Veranstaltung mit fast 50 Teilnehmenden. Bei unserer letzten Einladung hatten wir über 60 Anmeldungen und entsprechend lang ist inzwischen auch die Liste der Unterstützer – was sicherlich auch bei den Organisatoren der E-World Wirkung gezeigt hat.
Wie ging es dann weiter? Es gab ja Kommunikation mit den Messeorganisatoren?
Sperfeld: Nach der Aussteller-Webkonferenz Anfang Dezember 2021, in der praktisch alle unserer teilnehmenden Mitglieder für eine Absage des Februar-Termins plädiert hatten, und der anschließenden Entscheidung der Conenergy, die E-World dennoch im Februar durchführen zu wollen, änderte sich die Stimmung deutlich. Die ursprüngliche Unsicherheit wich einer zunehmenden Unzufriedenheit bis hin zu großem Unverständnis, unter anderem über unterschiedliche Behandlungen, wie bei der Rechnungsstellung und der nicht transparenten Kommunikation durch den Veranstalter.
Die Messe behandelt die Aussteller unterschiedlich?
Briese: Offensichtlich gibt es nach Aussage der Aussteller unterschiedliche Konditionen. Dies betrifft sowohl kleine als auch große Aussteller, wir haben dabei bisher kein eindeutiges Muster ausmachen können. Die Aussteller wünschen sich auch hier deutlich mehr Transparenz. Wer am lautesten ruft, sollte nicht bevorzugt werden.
Was sind denn die Hauptgründe für die Kritik?
Briese: Schon 2021 wurde die E-World sehr spät abgesagt; viele hatten da schon Hotelzimmer gebucht, sogar Stände waren schon gebaut. Die dafür angefallenen Kosten, die bei einer rechtzeitigen Absage hätten vermieden werden können, gehen bei einzelnen unserer Mitglieder sogar in Millionenbeträge. Ganz zu schweigen von den Standflächenkosten, die vielen schon berechnet und eingezogen wurden. Dass dann ein Jahr später die gleiche Situation wieder auftritt und die gleichen Kosten erneut anfallen, ist für viele Mitglieder nur schwer nachvollziehbar. Spätestens beim Auftreten der noch ansteckenderen Variante Omikron hätten die Veranstalter proaktiv handeln und eine Verschiebung der Messe verkünden müssen.
Sperfeld: Sowohl der Bundesverband als auch die meisten seiner Mitglieder verstehen die schwierige Situation, in der Messerveranstalter sich aktuell befinden. Wie mehrfach betont, steht der überwiegende Teil der Unternehmen auch weiterhin hinter der E-World und ist auch dazu bereit, den Veranstaltern entgegenzukommen, um die Zukunft der Messe zu sichern. Aber die Aussteller bis zwei Wochen vor einer Messe im Unklaren zu lassen und dadurch offensichtlich unnötige Ausgaben zu verursachen, ist auch in der derzeitigen Lage nicht vertretbar.
Was waren bzw. sind die Kernanliegen der Unternehmen?
Briese: Das zentrale Anliegen war natürlich die Verschiebung der E-World in den Juni und die Absage des Februartermins. Die Durchführung von zwei Messen, also im Februar und im Juni, wurde von unseren Mitgliedern einheitlich abgelehnt.
Sperfeld: Darüber hinaus lehnen die Aussteller aber auch den Vorschlag des Anbieters zur einseitigen Übernahme von Risiken ab. So werden bspw. die derzeitigen Stornierungs- oder Umbuchungskosten nicht akzeptiert. Da sind die Veranstalter den Ausstellern bei der Februar-Messe entgegengekommen. Das ist gut und sollte sich auch in einer angepassten Vereinbarung wiederfinden.
Welche Forderungen haben Sie für die Organisation und Durchführung der E-World im Juni?
Sperfeld: Die Aussteller erwarten transparente, einheitliche und faire Konditionen, mit denen für beide Seiten, sowohl für die Veranstalter als auch die Aussteller, wirtschaftlich tragfähige Lösungen entstehen. Unsere Mitglieder stehen für eine Abstimmung dieser Konditionen – am besten ohne zeitlichen Druck – bspw. im Ausstellerbeirat oder einem alternativen Gremium zur Verfügung.
Wie können Sie als Bundesverband der Energiemarktdienstleister die künftige Abstimmung zwischen Ausstellern und Veranstalter begleiten?
Briese: Wir als BEMD verstehen uns auch weiterhin als Moderator und nehmen eine Koordinations- und Bündelungsfunktion für unsere Mitglieder und Innovationspartner wahr. Konkret schlagen wir dazu vor, dass wir diese Funktion „institutionalisieren“. Die Veranstalter versorgen uns dafür proaktiv mit Informationen und stehen für Abstimmungstermine zur Verfügung. Das kann im Rahmen unserer internen Termine erfolgen. Wir stehen aber auch für Gespräche in anderen Formaten, bspw. dem Messebeirat, zur Verfügung.
Was wünschen Sie sich für die weitere Zusammenarbeit mit dem Veranstalter der E-World?
Briese: Allgemein erwarten die Aussteller, dass sich die Kommunikation der Conenergy grundlegend ändert, um das in den letzten Monaten beschädigte Vertrauensverhältnis wieder herzustellen. Wir wollen wieder zu einem wertschätzenden und respektvollen Umgang zurückkehren – dafür ist eine transparente und frühzeitige Kommunikation notwendig.
Zum Schluss noch ein Ausblick in die Zukunft: Wo sehen sie die E-World in den nächsten Jahren?
Sperfeld: Der Großteil der Aussteller möchte, dass die E-World als Treffen der gesamten Branche auch in der Zukunft stattfindet und wird sich auch weiterhin dort engagieren. Um der Messe über die schwierige Zeit der Coronapandemie hinwegzuhelfen, ist die Mehrheit der Unternehmen bereit, den Veranstaltern kurzfristig auch finanziell entgegenzukommen. Hierfür ist aber eine offene Kommunikation von Seiten der Veranstalter notwendig, ebenso wie die Berücksichtigung der Sorgen und Einwände der Aussteller. Durch die Bedeutung der Energiewirtschaft beim Klimaschutz und den daraus entstehenden vielfältigen Chancen werden neue Player auf den Markt erscheinen, die Messe wird noch vielfältiger. Darauf freuen wir uns und wollen unseren Beitrag für den Erfolg leisten.
Briese: Ich kann mich nur anschließen. Wir sollten nun ein neues Kapitel aufschlagen und gemeinsam an einer wieder erfolgreichen Zukunft der E-World arbeiten.
Die Fragen stellte Stephanie Gust
