Das Angebot der BDBOS an die Energiewirtschaft das 450-MHz-Funknetz mitnutzen zu können, sei aus vielen Gründen nicht zielführend, argumentieren VKU und BDEW.

Das Angebot der BDBOS an die Energiewirtschaft das 450-MHz-Funknetz mitnutzen zu können, sei aus vielen Gründen nicht zielführend, argumentieren VKU und BDEW.

Bild: © Mike Mareen/AdobeStock

Am 16. November hatte die Bundesnetzagentur bekanntlich ein formelles Ausschreibungsverfahren für die Anfang 2021 freiwerdenden 450-MHz-Frequenzen eröffnet. Zuvor hatte die Behörde im Einvernehmen mit dem politischen Beirat Behörde entschieden, die Frequenzen in einem offenen und diskriminierungsfreien Verfahren für die Anwendungen kritischer Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Bewerbungsunterlagen konnten bis zum 18. Dezember eingereicht werden.

Die 450connect GmbH hat sich nun um die im kommenden Jahr frei werdenden 450-MHz-Frequenzen beworben. Zudem wird gemunkelt, dass auch die Deutsche Telekom und Vodafone ihren Hut in den Ring werfen. Bei dem Verfahren entscheidet nicht die Gebotshöhe, die Zuteilung steht fest, nämlich knapp 5,7 Mio. Euro pro Jahr. Sondern die Bewertung erfolgt nach nach den gesetzlich vorgegebenen Kriterien, teilte die Bundesnetzagentur der ZfK auf Nachfrage mit. Diese sind: Zuverlässigkeit, Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Eignung von vorzulegenden Planungen für die Nutzung der ausgeschriebenen Frequenzen, Förderung eines nachhaltig wettbewerbsorientierten Marktes, räumlicher Versorgungsgrad. Den Zuschlag erhält derjenige Bewerber, der nach genannten Kriterien am besten geeignet sei.

Wer zu dem Joint Venture gehört

Unter dem Dach des künftigen Joint Ventures 450connect hat sich ein breites Bündnis aus der Energie- und Wasserwirtschaft versammelt. Es besteht aus vier gleichberechtigten Gesellschaftern: der bisherigen alleinigen Eigentümerin Alliander, einem Konsortium regionaler Energieversorger, der Eon sowie der Versorger-Allianz 450, zu der mehrere Stadtwerke, Energie- und Wasserversorger unter Beteiligung der EnBW-Tochter Netze BW gehören.

Zusammen versorgen diese Unternehmen rund 90 Prozent der Fläche Deutschlands mit kritischer Infrastruktur. Der Zusammenschluss im Joint Venture steht noch unter dem Vorbehalt der fusionskontrollrechtlichen Freigabe durch die Kartellbehörden sowie der Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur.

Branche steht in den Startlöchern

Ziel des Joint Ventures ist es, in dem Frequenzbereich ein bundesweites und diskriminierungsfreies LTE-Funknetz für die Branche und andere kritische Infrastrukturen aufzubauen und zu betreiben. „Die gemeinsame Bewerbung von Energie- und Wasserwirtschaft ist ein starkes Signal“, sagt Alexander Montebaur, Vorstandsvorsitzender der Eon-Tochter Edis. „Sie zeigt die große Geschlossenheit der Branche und unterstreicht die zentrale Bedeutung, die das 450-MHz-Funknetz für uns hat. Wir stehen in den Startlöchern, im Fall einer Frequenzzuteilung unverzüglich mit dem Aufbau des Funknetzes zu beginnen.“

Und Frank Zeeb, Vorstandsvorsitzender der Alliander ergänzt: „450connect und die Energiewirtschaft haben bereits mit dem Ausbau von 450-MHz-Standorten begonnen. Die Unternehmen teilen sich also heute schon Aufgaben und Risiken und sind somit über die gesamte Fläche Deutschlands schnell umsetzungsfähig. Den Aufbau und Betrieb des bundesweiten 450-MHz-Funknetzes wird die 450connect im Fall einer erfolgreichen Frequenzzuteilung in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Energieversorgungsunternehmen realisieren, da diese die Bedarfe und benötigten Funktionen der Energiewirtschaft kennen. Dies ist ein wichtiger und wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Bewerbern.“

Gesellschafter bei VA 450 steigen stetig

Die Versorger Allianz, die einen 25 Prozent Anteil an der 450connect anstrebt, kommt aktuell auf 13 Gesellschafter. Dazu zählen AVU Netz, DB Energie, die Creos Deutschland, Energie Waldeck-Frankenberg,  Rhenag/ Rhein-Sieg Netz, Stadtwerke Bad Vilbel, Stadtwerke Viernheim, Technische Werke Schussental und das Überlandwerk Mittelbaden sowie die Gründungsgesellschafter MVV Netze, Netze BW, Oberhessische Versorgungsbetriebe und die Stadtwerke Osnabrück.

Weiterhin steigt die Liste der potenziellen Gesellschafter laut Geschäftsführer Theo Waerder rasant an. "Die Zahl derer, die uns als Gesellschafter zukünftig unterstützen wollen, hat die Zahl 40 schon überschritten", so Waerder. Viele davon hätten auch schon die notwendigen unternehmensinternen Zustimmungen von Aufsichtsräten, Gesellschaftern und Stadträten erhalten und sind jetzt bei der Zustimmung der Kommunalaufsichten. Durch den starken Wachstum überlege man aber, ob man eine Begrenzung bzw. Befristung des Angebotes nach dem Jahreswechsel einführen werde.

Anbindung von intelligenten Messsystemen

„Die Energie- und Wasserwirtschaft ist zwingend auf ein 450-MHz-Funknetz angewiesen“, betont Waerder. „Nur auf dieser Basis können wir die notwendige Digitalisierung unserer kritischen Infrastrukturen vorantreiben und die Energie- und Verkehrswende zum Erfolg führen. Es gibt aktuell keine Alternative zum 450-MHz-Funknetz, die den hohen Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit genügt und gleichzeitig mit dem gebotenen Tempo und zu wirtschaftlich tragfähigen Kosten umsetzbar ist.“

Auf einen weiteren Vorteil verweist Thomas Murche, Vorstand der Wemag: „Die Nutzung der 450 MHz-Frequenz erlaubt es uns, beispielsweise die neuen intelligenten Messsysteme anzubinden und Anlagen anzusteuern. Funktionen, die für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende und Einbindung Erneuerbarer Energien von immenser Bedeutung sind. Um eine anforderungsgerechte und zügige Umsetzung sicherzustellen, hat sich unsere Branche daher gemeinsam unter dem Dach der 450connect an dem Vergabeverfahren beteiligt.“  (sg)

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