Michael Koch, Leiter des Geschäftsbereiches Smart Grid bei Devolo, spricht gegenüber der ZfK von einem deutlich höherem Zertifizierungsaufwand für die Smart-Meter-Gateways (SMGW) als erwartet. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stelle sehr komplexe Anforderungen an die Hersteller und hätte im Laufe des Verfahrens sogar noch zusätzliche Anforderung gestellt.
Ein Beispiel sei die komplexe Anforderung der "sicheren Lieferkette", so Koch weiter. "Das BSI möchte mit der sicheren Lieferkette gewährleisten, dass zwischen Produktion und Einbau keine Manipulationen an Gateways vorgenommen werden können. Die sichere Lieferkette verlängert daher die hohe Sicherheitsstufe des Produktionsprozesses bis zur Installation beim Endkunden. Erst dort endet das hohe Schutzlevel, das der Hersteller einzuhalten hat." Dieser müsste den Messstellenbetreibern Vorgaben zur Lagerung, zum Transport zum Endkunden sowie zur Installation machen. Beim Transport zum Endkunden müssten die Produkte beispielsweise in einer mit dem Fahrzeug befestigten Sicherheitsbox gesichert werden.
"Keine unerfüllbaren Auflagen"
Das BSI versichert, keine unerfüllbaren Auflagen zu machen. Die Zertifizierung des ersten Gateways im vergangenen Dezember habe gezeigt, "dass es möglich ist, innovative Technologien und smarte Lösungen so zu entwickeln, dass die Informationssicherheit gewährleistet und die Privatsphäre der Verbraucher gewahrt bleibt", betont ein Sprecher der Behörde. Das BSI sei zuversichtlich, dass weitere Hersteller die Forderungen bald erfüllten und der verpflichtende Rollout noch in diesem Jahr beginnen könne. Seitens Devolos sei mit der Erfüllung der Anforderungen Mitte 2020 zu rechnen, so Koch. Zur diesjährigen E-World war der Hersteller gegenüber der ZfK noch davon ausgegangen, die Geräte in der zweiten Jahreshälfte 2019 zertifiziert zu haben.
Für das Stadtwerkenetzwerk Trianel, dem mehr als 100 Stadtwerke in Deutschland und den Nachbarländern angehören, kommt das nach eigenen Angaben zu spät. Es will aus Verärgerung über das schleppende Genehmigungsverfahren seine Smart-Metering-Aktivitäten bis zum Jahresende einstellen. Es gebe nur geringe Perspektiven, kurz und mittelfristig "die getätigten Investitionen in diesem Geschäftsbereich zurückverdienen zu können", schimpft der Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, Sven Becker. Deutschland laufe Gefahr, "sich bei der Digitalisierung im technologischen Kleinklein zu verlieren".
Bislang nur Plus und Minus
Doch nicht nur an der schleppenden Einführung gibt es Kritik. Die intelligenten Messsysteme der ersten Generation würden weit weniger können als ursprünglich angekündigt, kritisiert die Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen, Katherina Reiche. "Bildlich gesprochen: Die Geräte beherrschen mit der Addition oder Subtraktion die ersten beiden Grundrechenarten. Multiplikation oder Division können sie nicht abbilden." Das sei aber notwendig, um etwa in einem Wohnquartier die Stromerzeugung aus Photovoltaik und den Verbrauch steuern und schalten zu können. Es sei auch nicht abzusehen, "ob die Nachfolgegeneration der Geräte dazu in der Lage sein wird". (pm/dpa)
