Seit Juni 2021 steuert erstmals eine Künstliche Intelligenz (KI) eine Polleranlage in einer deutschen Innenstadt: Am Karlsruher Zirkel beruhigt das intelligente Zufahrtsmanagementsystem der EnBW als Pilotprojekt den Verkehr und verbessert dort die Sicherheit. Das System besteht aus versenkbaren Pollern sowie einer Steuerungsstele und regelt den Verkehr situativ.
Möglich macht das die Künstliche Intelligenz in der Stele. Sie analysiert die Umgebung autark per Multisensorik und erkennt Einsatzfahrzeuge wie Polizei oder Feuerwehr, kommunale Ordnungsdienste, den "Hop on Hop off"-Bus, Anwohner oder Lieferdienste. Auch auf ortsfremde Einsatzkräfte kann das System trainiert werden, so EnBW.

Vergabe temporärer Zufahrtsberechtigungen
Über den cloudbasierten Control Hub der EnBW kann die Stadt das gesamte System aus der Ferne steuern und verwalten, unabhängig vom Standort der Anlage. So lassen sich auch temporäre Zufahrtsberechtigungen vergeben.
„Mit dem ersten intelligenten Straßenmanagementsystem wagen wir in Karlsruhe etwas Neues. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch diese Innovation die unterschiedlichen und oft widerstreitenden Interessen im Straßenverkehr besser vereinbaren und gleichzeitig die Sicherheit im öffentlichen Raum verbessern können“, sagt Albert Käuflein, Bürgermeister für Sicherheit und Ordnung der Stadt Karlsruhe.
Test unter Realbedingungen
Der Leiter des Karlsruher Ordnungsamtes Maximilian Lipp ergänzt: „Weil das System nicht pauschal, sondern individuell und nach Bedarf reagiert, greifen wir so wenig wie möglich aber so viel wie nötig in den Verkehr ein. Dadurch machen wir den Verkehr in der Innenstadt deutlich sicherer.“
„Das System unter Realbedingen zu testen und zu optimieren, ist für den fehlerfreien Betrieb absolut notwendig“, erklärt Jürgen Stein, Leiter des Bereichs Innovation bei der EnBW. „Nur so erkennen wir Schwachstellen und die Künstliche Intelligenz lernt, mit der realen Welt umzugehen.“
Sichere Daten
Das sogenannte BarrierSystem schütze die erfassten Umgebungsdaten zuverlässig, so EnBW. Die Aufnahmen sind streng gesichert und befinden sich ausschließlich auf dem lokalen Rechner in der Stele. Dort wertet die Künstliche Intelligenz die Daten in Echtzeit aus und löscht sie anschließend sofort. Bilder werden nicht übermittelt.
Das System ist so konstruiert, dass eine Übertragung, ein unberechtigter Zugriff auf den optischen Sensor und eine Nachverfolgung technisch nicht möglich sind.
Zufahrtsteuerung am Passagehof
Eine weitere BarrierSystems-Anlage mit zwei intelligent gesteuerten Polleranlagen entsteht derzeit am Karlsruher Passagehof. In der Vergangenheit gab es dort häufig Lärmprobleme, beispielsweise durch Autoposer. Die Projektverantwortung für den Bau dieser Anlage liegt, wie auch bei der Anlage im Zirkel, beim städtischen Tiefbauamt.
„Wir sind froh darüber, dass die Poller im Zirkel und am Passagehof nach einer aufwändigen Bau- und Testphase nun ihren Dienst tun können“, betont Tiefbauamtsleiter Martin Kissel. Das ist besonders wichtig, da es hier in der Vergangenheit häufig Lärmprobleme gab, beispielsweise durch Autoposer. „Eine komplette Schließung des Hofs kommt zur Beruhigung nicht in Frage, weil Anwohner und Rettungsfahrzeuge weiterhin Zugang zum Hof haben müssen“, erklärt Maximilian Lipp. Und weiter: „Auch hier kann ein intelligentes System wie EnBW-BarrierSystems dazu beitragen, die Lebensqualität für die Anwohner zu steigern.“ (sg)



