„Obwohl die Zertifizierung der drei Smart-Meter-Gateways durch das BSI so viel Zeit in Anspruch genommen hat, wir gut vorbereitet waren und parallel dazu bereits mit dem Einbau der modernen Messeinrichtungen angefangen haben, ist der Druck zur Umsetzung des Pflicht-Rollouts jetzt hoch“, so die Erfahrung von Dorian Seiberth von der Mainova ServiceDienste GmbH.
Der Mutterkonzern Mainova ersetzt zwar schon seit 2017 im Rahmen des gewohnten Turnuswechsels Zähler, deren Eichgültigkeit abgelaufen ist, hat aber, bei einer Netzgröße von 430.000 Zählpunkten und damit jährlich etwa 15.000 turnusgemäßen Zählerwechseln, mit dem neuen Messwesen durchaus einige Herausforderungen zu meistern.
Weitere Kriterien neben Eichfristen
„Wir haben uns daher frühzeitig auf die Suche nach einer geeigneten Lösung zur Rollout-Planung begeben“, so Seiberth. „Erstmals haben wir die Möglichkeit frei zu entscheiden, welche Zähler wann getauscht werden. Bisher waren allein die Eichfristen ausschlaggebend, jetzt können viele weitere Kriterien ins Kalkül gezogen und Montagefahrten entsprechend effizient geplant werden“, präzisiert Lisa Lamb von der Abteilung IT-Projektmanagement.
Entschieden hat sich der Frankfurter Versorger für die Lösung „smartROM[GO]“ auf Basis der SAP-Cloud von Cronos.
Keine Direktintegration der Lösung nötig
Dabei habe vor allem die Entkopplung zwischen Rollout-Management-System und IS-U überzeugt. Seiberth wird konkreter: „Die meisten anderen Lösungen sahen eine Direktintegration ins IS-U vor. Die Implementierung wäre somit deutlich aufwändiger gewesen.“
Die Lösung von Cronos arbeitet unabhängig vom führenden ERP-System. Die Möglichkeit, Entwicklungspartner und Pilotanwender zu sein, habe die Mainova zusätzlich gereizt: „Auf diese Weise konnten wir die Mainova-spezifischen Themen von Anfang an einfließen lassen“, sagt Lamb.
Mehrere Wechsel auf einmal
Besondere Aufmerksamkeit hat der Versorger dabei den Kriterien für den Algorithmus zur Auswahl der jeweils auszutauschenden Zähler gewidmet. Neben der Dauer der Eichgültigkeit kommen nun bei der Rollout-Planung weitere Faktoren, wie Alter und Typ des Zählers, zum Tragen, ebenso wie die regionale Zusammenfassung.
„Auf Basis der Bestandsliste lassen sich jetzt beispielsweise gezielt alle Zähler eines Gebäudes oder Wohnkomplexes herausfiltern, deren Eichgültigkeit in den nächsten drei Jahren abläuft. So können die Monteure beim Einsatz gleich mehrere Wechsel vornehmen und Mehranfahrten erübrigen sich, ebenso wie damit einhergehende Kosten“, erläutert Seiberth.
Simulation unterschiedlicher Rollout-Strategien
Der Austausch der zur Rollout-Planung relevanten Daten zwischen IS-U und Cloud-Applikation erfolgt via Excel über eine CSV-Schnittstelle. Sobald die Übersicht zum Zählerstand importiert wurde, lassen sich, unter Berücksichtigung unterschiedlichster strategischer Rollout-Parameter, unterschiedliche Rollout-Strategien simulieren, erklärt Cronos.
Monatsscharfe Zählerwechsellisten
Das Ergebnis der Simulation des Gesamt-Rollouts kann in Form von monatsscharfen Zählerwechsellisten ausgegeben und via CSV-Dateien exportiert werden. Die Listen, die zwischen modernen und intelligenten Messeinrichtungen unterscheiden, stellen den künftigen Rollout dar und sind die Inputgrößen für die Disposition des Außendienstes.
Ergänzung zum Workforce-Managementsystem
Zusätzlich kann der Rolloutmanager geografische Montagepakete bilden und so ein Workforce-Managementsystem ergänzen und erweitern. Dazu werden anhand von Längen- und Breitengraden geographisch nahe-liegende Zähler zu Montagepaketen geschnürt.
Die Menge der Zählerwechsel innerhalb eines Montagepakets ist einstellbar und kann sich etwa an der täglichen Montagekapazität eines einzelnen Monteurs, eines Montageteams oder eins Montagedienstleisters-Kontingents richten.
Erste Wechsel sollen im Herbst starten
Mainova will mit dem neuen Tool, das seit Juli im Einsatz ist, bis 2030 insgesamt 400.000 „alte“ Zähler gegen moderne Messeinrichtungen austauschen. Der Testlauf vor dem Produktivstart sei reibungslos verlaufen, die Prozesskette zwischen IS-U und der CronosLösung funktioniere in beide Richtungen.
Die ersten tatsächlich auf Basis der Cloud-Lösung geplanten Wechsel sollen im Herbst starten – schließlich gilt es die drei Monatsfrist für Rückmeldungen der Kunden zu beachten.
Einbindung weiterer Sparten angedacht
Denn sobald ein Wechselauftrag generiert ist, geht parallel das Anschreiben an den jeweiligen Anschlussnutzer mit der Information zum Zählertausch heraus. Macht dieser nicht von seinem Recht zur freien Wahl des Messstellenbetreibers Gebrauch, kann der geplante Wechsel vollzogen werden. Spätestens dann sollen weitere Erfahrungswerte gesammelt werden.
Klar sei schon jetzt „Durch die Cloud sind wir nicht zuletzt deutlich flexibler, was künftige Ausbaustufen angeht. Eine eventuelle Ausweitung auf die Zähler weiterer Sparten ist zum Beispiel problemlos möglich – und besonders beim Wasser zudem deutlich einfacher als in einem Modell mit Vollintegration“, sagt Lamb abschließend. (sg)

