"Scheibchenweise kommen immer wieder neue Anforderungen auf dem Weg zum intelligenten Messwesen hinzu, etwa die Transparenzdienste zur Ablesung TruDi und PrüDi, oder auch die sichere Lieferkette, die wiederum nur ein weiterer Beitrag zur Steigerung der Kosten ist", brachte Fritz Wengler, Geschäftsführer des Stadwerke-Netzwerks Smartoptimo den Verdruss der Branche während der Podiumsdiskussion auf der diesjährigen ZMP in Leipzig auf den Punkt.
Und längst sei den Messstellenbetreibern noch nicht klar, was alles auf sie zukomme. Etwa beim Thema elektronischer Bestellschein, der benötigt werde, damit man überhaupt die intelligenten Messsysteme bestellen könne. Die Markterklärung erwartet Wengeler zum vierten Quartal 2019. Je länger sich der Rollout jedoch verzögere, desto knapper werde die Zeit, so müssten gesetzlich vorgeschrieben 50 Prozent der Pflichteinbaufälle mit intelligenten Messsystemen bis Ende 2024 abgeschlossen sein.
Zertifizierung zum Greifen nahe
Grund zur Hoffnung gab an dieser Stelle Ruwen Konzelmann, Key Account Manager beim Gateway-Hersteller Theben: "Ich kann bestätigten, dass wir derzeit auf einem wirklich guten Weg sind." Theben werde noch vor der Sommerpause anfangen, Geräte, also die Hardware, zu produzieren, damit sie die Gateways gleich nach der Zertifizierung ausliefern können. "So weit wie jetzt waren wir noch nie", bekräftigte Konzelmann. Theben zählt neben Dr. Neuhaus Sagemcom und EMH Metering zu den Kandidaten, die für die nächste erfolgreiche Zertifizierung gehandelt werden.
Thema war auch die vieldiskutierte sichere Lieferkette (SiLKe). Diese fängt beim Hersteller an, der eine sichere Fertigung der Gateways garantieren muss, diese müssen in entsprechend geeignete Behälter verpackt und mit einer Spedition zum Messstellenbetreiber geliefert werden. Dieser wiederum muss die Geräte richtig lagern, während seine geschulten Monteure die intelligenten Messsysteme einbauen. Der hohe Aufwand dazu wird schon jetzt in der Branche stark beklagt.
Sichere Lieferkette weckt großes Interesse
"Wir haben die Angewohnheit, dass wir alles am Anfang ein bisschen dramatisieren", befand Konzelmann. Man habe das Thema SiLKe aber im Griff, und habe es auch für die Praxis weiterentwickelt. Theben kooperiert zudem bei der sicheren Lieferkette mit PPC, die bereits ihren Prozess zertifiziert bekommen haben, so dass es hier eine einheitliche Lösung gibt. Auch betonte Theben, dass man sich trotz der Konkurrenz über die erste Zertifizierung von PPC gefreut habe. Das Thema sichere Lieferkette stehe derzeit bei den Kunden ganz oben: "Die Schulungen zur SiLKE werden derzeit am aktivsten gebucht", so Konzelmann. Man sehe hier eine Entwicklung hin zu einem effizienten Einbau und, dass sich der Prozess einspielen werde und auch gut zu verkraften sei.
Wie kleine Messstellenbetreiber die sichere Lieferkette umsetzen können, dazu präsentierte die Thüga eine Idee: Sichere Lieferkette als Dienstleistung, quasi SiLKe-as-a-Service. Denn die kleineren Messstellenbetreiber seien ebenfalls neugierig auf die neue Technologie und würden diese gern ausprobieren, allerdings seien die Kosten für Geräte und Schulung abschreckend.
Lösung für die Kleinen
Der Thüga-Vorschlag: Das Stadtwerk bestellt die Gateways, diese werden erst zum Dienstleister geliefert, in diesem Fall wären es die Thüga Smart Service in Naila, von wo aus die Geräte auf sicherem Weg zum Kommunalversorger transportiert werden. Dieser werde dann auf Wunsch von der Thüga bis hin zur Montage begleitet. Auf diese Weise würden die Anfangsinvestitionen für Testfälle vergleichsweise gering ausfallen und es bestünde die Möglichkeit, mehrere Geräte – sobald diese zertifiziert sind – auszuprobieren.
Boris Leidner, Produktmanager IT-Konformität TÜV-Informationstechnik, bestätigte, dass man davon ausgehen könne, dass der Rollout 2019 starten werde: "Die Metering Days im Oktober sind das Ziel", so Leidner. Peter Zayer, der die Moderation der Diskussion übernommen hatte und als ehemaliger Voltaris-Geschäftsführer inzwischen im Ruhestand ist sowie bis Mitte 2018 Vorsitzender des Lenkungskreises Zähl- und Messwesen war, zeigte sich am Ende zufrieden: "Ich persönlich nehme ein gutes Gefühl mit und sehe Licht am Ende des Tunnels". Wichtig sei den Kundennutzen und damit die Mehrwerte im Fokus zu haben: "Denn Messsysteme nur um des Messsystems willen, will ja keiner", so sein Schlussappell. (sg)


