Michael Alefs, Leiter der Smart Cities Initiative von ABB, stellt bereits laufende Projekte vor. Bild: © ABB

Michael Alefs, Leiter der Smart Cities Initiative von ABB, stellt bereits laufende Projekte vor. Bild: © ABB

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Herr Alefs, Sie haben auf dem VKU-Verbandstag Ihre Smart Cities Initiative vorgestellt. Was ist darunter zu verstehen?

Auch in Deutschland nimmt die Urbanisierung weiter zu, was unter anderem die Umweltverschmutzung, die Luftschadstoffbelastung und verstopfte Straßen durch den Individualverkehr verschärft. Gleichzeitig haben wir den großen Trend einer zunehmenden Dezentralisierung der Energieversorgung und das Ziel der Dekarbonisierung. Unter der Smart Cities Initiative bündeln wir digitale Lösungen, die Städte dabei unterstützen diese Herausforderungen zu bewältigen und ihre Infrastruktur zukunftsfähig zu machen.

Welche Lösungen bieten Sie als ABB konkret an?

Wir bieten als Hardware Leistungselektronik an, beispielsweise Ladeinfrastruktur auch für E-Busse oder Wechselrichter für Photovoltaikanlagen, und Software, wie Energiemanagementsysteme, sowie Beratung und weitere Services. So umfasst unsere Plattform ABB Ability Lösungen, die beispielsweise Versorgungseinrichtungen vernetzen und einzelne Subsysteme der städtischen Infrastruktur aufeinander abstimmen. Insgesamt bietet ABB Ability mehr als 210 digitale Lösungen. Aus diesen Lösungen können Services in Echtzeit für unsere Kunden generiert werden. Mit unserem Smart City Cockpit lassen sich beispielsweise das Fernwärmenetz, die Wärme- und Stromerzeugung und die Wasserversorgung inklusive der Pumpen in einem Modell bündeln, das kontinuierlich den kostenoptimalen Betriebspunkt des Gesamtsystems berechnet. Hinsichtlich der Energieversorgung kann die Software "Smart City Virtual Power Pool" Erzeugungseinheiten, Energiespeicher und steuerbare Lasten automatisch kontrollieren. Wenn etwa das Laden der städtischen Elektro-Bus-Flotte zum jeweils günstigsten Zeitraum erfolgt oder der Eigenverbrauch der erneuerbaren Energien optimiert wird. Eine kontinuierliche Datenanalyse verkürzt die Reaktionszeiten bei unvorhergesehenen Ereignissen.

Welche Kostenvorteile können solche Lösungen bringen?

Im Gebäudebereich beispielsweise sehen wir eine Betriebskosteneinsparungen  von bis zu 30 Prozent. Wobei jedoch erst einmal Anfangsinvestitionen getätigt werden müssen.

Welche Projekte sind denn schon praktisch am Laufen?

Ein Beispiel dafür, wie aus einer konventionellen Stadt eine Smart City wird, liefert Västerås, die fünftgrößte Stadt Schwedens. Der städtische Energieversorger Mälarenergi und ABB digitalisieren derzeit umfassend die Infrastruktur der Kommune. Mälarenergi betreibt mehrere Wasserkraftwerke, das lokale Stromnetz, das örtliche Glasfasernetz, ein mit Abfall betriebenes Heizkraftwerk, Fernwärmenetze, Wasseraufarbeitungs- und Kläranlagen sowie die Wasserversorgung für die rund 150.000 Einwohner. Ein Hauptziel des Projektes ist es, die Überwachungseinrichtungen der verschiedenen automatisierten Systeme in einem einzigen Kontrollzentrum zu bündeln, von dem aus sämtliche Services betrieben werden können.

Gibt es auch Beispiele aus Deutschland?

In Mannheim unterstützt ABB den lokalen Energieversorger MVV bei der Entwicklung der Konversionsfläche "Benjamin Franklin Village" zu einem neuen Stadtteil für rund 9000 Menschen. Dies umfasst die Entwicklung des Energiemanagement-Konzepts für das gesamte Areal, also die Quartierslösung. In Trier und Tübingen berät und unterstützt ABB Städte, die an Förderprogrammen des Bundes, wie dem "Sofortprogramm Saubere Luft", teilnehmen bei der erfolgreichen Umsetzung, beispielsweise durch die Bereitstellung von Ladestationen.

Wo sehen Sie noch Hemmnisse?

Teilweise sind die Kommunen noch aufgrund der hohen Anfangsinvestitionen zurückhaltend, selbst bei öffentlicher Förderung. Teils fehlt es auch noch an entsprechenden organisatorischen Strukturen. Eigentlich sollte jede Stadt einen Chief Information Officer haben. Auch passen die regulatorischen Rahmenbedingungen noch nicht immer, beispielsweise bei den nicht flexiblen Strompreisen.

Wie sieht es denn mit der IT-Sicherheit aus, ist das keine Hürde?

Bei unseren digitalen Lösungen sind IT-Sicherheitsstandards nach dem neuesten Stand der Technik integriert. Einer unserer Partner in diesem Bereich ist z.B. Microsoft.

Das Gespräch führte Hans-Christoph Neidlein

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