Großes Interesse, geringe Zahlungsbereitschaft: Endverbraucher haben ein differenziertes Verhältnis zur Digitalisierung.

Großes Interesse, geringe Zahlungsbereitschaft: Endverbraucher haben ein differenziertes Verhältnis zur Digitalisierung.

Bild: © zapp2photo/AdobeStock

Worauf kommt es für eine Stadt an, die sich für die Zukunft fit machen will? An dieser Frage arbeiten die Forscher der Morgenstadt-Initiative am Fraunhofer Institut IAO (Institut für Arbeit und Organisation) seit einigen Jahren intensiv. Mit der Erfahrung aus der detaillierten Untersuchung zahlreicher deutscher und internationaler Metropolen haben sie ein Instrumentarium entwickelt, das anhand von 28 öffentlich zugänglichen Indikatoren ein ganzheitliches Bild der Zukunftsfähigkeit einer Stadt zeichnen soll.

Nachgegangen wird den Fragen, was sind die Hebel, um eine Stadt attraktiv zu halten? Was bedeutet Attraktivität überhaupt für die aktuellen Bewohner, hinzuziehende oder ansässige Unternehmen? Und wie sieht der Nährboden für wirtschaftliches und kulturelles Wachstum sowie Lebensqualität aus?

Vier Hauptkategorien

Insgesamt wurden 28 Indikatoren identifiziert, um sich ein ganzheitliches Bild zur Zukunftsfähigkeit einer Stadt zu machen. Sie reichen von den städtischen Grün- und Wasserflächen über die Existenz von Plänen zur Klimaanpassung und dem CO2-Ausstoß bis zum Anteil hochqualifizierter Jobs am städtischen Arbeitsmarkt. Daraus ergeben sich zudem vier Hauptkategorien. Diese Indikatoren wiederum decken vier Säulen ab, die die Stadt von morgen stützen: Lebensqualität, Resilienz, Umweltgerechtigkeit und Innovationsfähigkeit.

  • Die "Lebenswerte Stadt" bietet ihren Bürgern zum Beispiel Arbeitsplätze, einen Ausgleich zwischen Arm und Reich, Sicherheit, einen attraktiven öffentlichen Raum sowie eine gute Umweltqualität. Hier sind vor allem die "weichen Standortfaktoren" sowie soziale Aspekte im Fokus. Sie sind auch daher wichtig, weil Unternehmen sich gezielt in attraktiven, lebenswerten Städten ansiedeln. Denn nur dort können sie hoffen, hochqualifzierte Arbeitnehmer zu finden und zu halten.
  • Die Kategorie "Resiliente Stadt" trifft Aussagen zur Stressresistenz, also die Fähigkeit, Bedrohungen, Wirtschaftsflauten und Krisen zu kompensieren. Hier spielen unter anderem die Schuldendienstquote, der Anteil der drei größten Arbeitgeber an der Gesamtbeschäftigung und Notfallpläne für bestimmte Naturkatastrophen eine Rolle.
  • Wichtige Kennzahlen liefert auch die "Umweltgerechte Stadt". Umweltgerichtigkeit wirke sich nicht nur auf das (künftige) Stadtklima und die Nachhaltigkeit von Lebensraum aus, sondern auch auf die Attraktivität von Unternehmen und Bewohner. Hier werden unter anderem der Ausstoß von Treibhausgasen in Tonnen pro Kopf, das Müllaufkommen in Kilo pro Kopf und Jahr sowie der Wasserverbrauch in Litern pro Kopf und Tag erfasst.
  • In der vierten Kategorie "Innovative Stadt" sind die Indikatoren zusammengefasst, die sich auf (potenzielle) Erfindungen und Entwickler beziehen. Diese Kategorie prüft beispielsweise, wie zielgerichtet Kommunen mit den Themen Digitalisierungsstrategie, Datenmanagement und Förderung von Innovationstreibern umgehen. So werde etwa die Differenz von Firmengründungen und Geschäftsaufgaben, der Anteil hochqualifizierter Stellen am Arbeitsmarkt, das Vorhandensein einer Smart-City oder Innovationsstrategie oder auch der Anteil der Studenten in Prozent an der Gesamtbevölkerung einbezogen.

Technologie ist kein Allheilmittel

"Digitalisierung ist nicht grundsätzlich immer der Schlüssel zur Zukunft und vor allem kein Selbstzweck", lautet die Botschaft der Studie. Andererseits zeige der Morgenstadt-Index auch, dass Zukunftsfähigkeit und Innovationen miteinander verschränkt sind. "Zukunftsfähigkeit ist nicht das Privileg der Metropolen", sagt Alanus von Radecki, Projektleiter der Morgenstadt-Initiative beim Fraunhofer IAO. Kleinere Teilnehmerstädte wie Lemgo hätten dies gezeigt: Im Gesamtranking schafft es die Alte Hansestadt in die Topten. Diese wurde im Rahmen des IoT-Reallabors "Lemgo Digital" stellvertretend für Mittelstädte unter die Lupe genommen.

Der Index liefere Stadtplanern und Kommunen, die ihre digitale Agenda aufsetzen oder ihre Stadt strategisch weiterentwickeln wollen laut Radecki hilfreiche Anknüpfungspunkte. Städten, die an der Studie teilgenommen haben, rät er: "Nach dem ersten Zustandsbericht ist eine vertiefte, individuelle Analyse der Stadt mit ihren einzigartigen Faktoren und sozialen, ökonomischen, politischen, technologischen und räumlichen/städtebaulichen Besonderheiten notwendig."

Verbesserungspotenziale entdecken

Eine weitere Botschaft der Studie sei: Das absolute Ranking ist für viele teilnehmende Kommunen eher zweitranging. Stattdessen diene das Abbild des IST-Zustandes als Hilfe für Stadtväter, -planer und -entwickler sowie Unternehmen. Mit der Auswahl und Bündelung der Indikatoren könne man sich ein Bild zur aktuellen Lage machen und Hinweise auf Verbesserungspotenziale ausfindig machen. Auch lasse sich damit eine Antwort auf die Frage "Wo stehen wir?" finden. D

Untersucht wurden folgende Städte: Augsburg, Berlin, Bonn, Braunschweig, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Frankfurt am Main, Freiburg, Halle, Hamburg, Heidelberg, Jena, Karlsruhe, Kiel, Koblenz, Köln, Landshut, Leipzig, Mainz, Mannheim, München, Münster, Nürnberg, Offenbach, Regensburg, Rostock, Stuttgart und Trier.

Den Link zur Studie finden Sie hier. (sg)

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