Die Bürgerschaft sieht eine sichere digitale Infrastruktur, die Kompetenzschulungen für Mitarbeitende sowie klare Datenschutzrichtlinien und -maßnahmen als besonders wichtige Faktoren für die digitale Kompetenz einer Gemeinde an.

Die Bürgerschaft sieht eine sichere digitale Infrastruktur, die Kompetenzschulungen für Mitarbeitende sowie klare Datenschutzrichtlinien und -maßnahmen als besonders wichtige Faktoren für die digitale Kompetenz einer Gemeinde an.

Bild: © Suelzengenappel/AdobeStock

Von Daniel Zugehör

Digitalisierung ist das Gebot der Stunde – gerade auch in der Daseinsvorsorge. Angesichts des demografischen Wandels müssen Kommunen und Stadtwerke handlungsfähig bleiben. Doch: Wenn sie nicht zusammenarbeiten, drohen sie zu scheitern.

Es brauche eine zentrale Lösung und mehr digitale Unabhängigkeit von großen Playern wie Amazon, Google, Microsoft und Co., so der Tenor auf der diesjährigen "CIVI/CON" in Wuppertal. Zielgruppe des Kongresses sind Fach- und Führungskräfte aus der kommunalen Praxis. Veranstalter ist Civitas Connect, ein Netzwerk kommunaler Unternehmen und Kommunen. "Digitalisierung ist eine Mammutaufgabe, aber auch eine große Chance, unsere Städte zukunftsfähig und lebenswert zu gestalten", sagte Markus Hilkenbach, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke und von Civitas Connect, auf dem Kongress.

Eine Plattform für alle(s)

Das Netzwerk arbeitet selbst an einer digitalen Plattform ("CIVITAS/CORE"), auf der relevante Daten aus Verkehrssystemen, Energieversorgung, Umweltüberwachung, Stadtentwicklung und anderen kommunalen Diensten nutzbar gemacht werden sollen – Stichwort Smart City. Eine erste Version der Open-Source-Plattform ist seit Anfang 2024 verfügbar. Bis Dezember soll eine erweiterte Version entwickelt werden.

Die Nachfrage nach der Plattform sei groß, so Hilkenbach weiter. Er betonte: Digitale Souveränität werde nicht funktionieren, wenn jeder allein daran arbeite. "Sie gelingt nur im Zusammenspiel von Kommunen, Stadtwerken und Partnern."

Jarzombek: Es fehlt an Vertrauen

Das unterstrich auch Thomas Jarzombek, parlamentarischer Staatssekretär bei dem Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger (CDU). "Wir werden scheitern, wenn wir zum Beispiel nur eine einzelne IT-Lösung für die Stadt Wuppertal entwickeln", sagte Jarzombek. Es müsse verhindert werden, "dass jeder immer alles neu baut". Ein Problem sei dabei oft fehlendes Vertrauen in andere Akteure, die womöglich schon Lösungen entwickelt haben. Dies begegne ihm auch im eigenen Haus.

Er ist aber überzeugt: Um Alternativen zu den Angeboten der Technologiekonzerne etwa aus den USA zu entwickeln, "müssen wir uns breiter aufstellen und damit in den Markt gehen und für Volumen sorgen". Dazu brauche es auch den Mut, etwa auf junge Teams und neue Technologien zu vertrauen.

Hyperscaler bleiben im Spiel

Einigkeit herrschte auf dem Podium jedoch weitgehend darin, dass die digitale Transformation nicht komplett ohne die sogenannten Hyperscaler bewältigt werden kann. Also Cloud-Anbieter wie Amazon, die Speicher- und Rechenkapazitäten über das Internet zur Verfügung stellen.

Darauf verwies zum Beispiel Christian Pfromm, Chief Digital Officer der Freien und Hansestadt Hamburg. "Uns von den Hyperscalern zu lösen, ist meines Erachtens nicht die Strategie." Vielmehr sollte Europa diese ermuntern, den Wettbewerb und den Open-Source-Gedanken anzunehmen. "Macht das europakompatibel", andernfalls "finden wir eigene Lösungen", so Pfromm.

An die rund 300 Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und kommunaler Wirtschaft gerichtet, erklärte er: Digitale Souveränität werde in Zukunft Teil unser aller Toolbox sein.

Der Verein Civitas Connect gründete sich im Januar 2020. Aktuell sind darin nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 50 Kommunen, Stadtwerke und andere kommunale Akteure organisiert. Zusammen beschäftigen diese fast 70.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und versorgen etwa 10,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger.

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