Gut versteckt: Mit der smarten Drohne lassen sich auch die bedrohten Ziesel ausfindig machen.

Gut versteckt: Mit der smarten Drohne lassen sich auch die bedrohten Ziesel ausfindig machen.

Bild: © rorue/AdobeStock

Ohne teure Gerüste oder anderes Spezialequipment macht Wien Energie allein mit einer Drohne und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Inspektionen von Photovoltaik- und Windanlagen, sowie Kaminen und Fernwärmeleitungen deutlich einfacher, erklärte Patrick Enzinger, Projektverantwortlicher Smart Inspection bei Wien Energie auf der VKU IT-Konferenz in Hannover. Die Kontrolle der Anlagen und Leitungen sei so wesentlich schneller, günstiger und zuverlässiger als bisherige Methoden, die Wien Energie einsetzte.

Das Projektteam um Smart Inspection herum hatte im Februar 2017 im Rahmen einer Innovations-Challenge von Wien Energie auf sich aufmerksam gemacht. Nachdem sie belegen konnten, dass der Einsatz von Drohnen in Verbindung mit künstlicher Intelligenz nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sei, gingen sie als Sieger aus dem Wettbewerb hervor.

Wie es funktioniert

Wien Energie arbeitet bei Smart Inspection mit den Start-ups Skyability und Birds.ai zusammen. Die hochauflösende Kamera, die an einer Drohne befestigt ist, sammelt mehrere überlappende Farbbilder. Über unterschiedliche Algorithmen und Hochleistungsrechner werden die Bilder dann auf ein entsprechendes Maß reduziert. Im Anschluss werden die Daten mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz durchsucht und mögliche Schäden aufgezeigt, erläutert Enzinger.

Auch sei es möglich, die Daten über Jahre hin zu archivieren und sie als Basis für Zustandsvergleiche heranzuziehen. So lassen sich etwa Veränderungen an Rotorblättern oder bei PV-Modulen feststellen, dokumentieren und klassifizieren.

Großes Portfolio an Dienstleistungen

Kosten und Zeit für die Inspektion und den dadurch verursachten Stillstand der Anlagen würden sich so deutlich reduzieren, betont Enzinger. "Wir haben mittlerweile ein großes Portfolio an Dienstleistungen: Wir inspizieren PV- und Windkraftanlagen, Fernwärmeleitungen und Industriekamine, machen Indoorspektionen mit einer speziellen Käfigdrohne und sind in Bereichen des Umweltmonitoring tätig", zählt der Projektverantwortliche auf.

Die Dienstleistungen werden nicht nur intern, sondern auch extern bei Kunden angewandt. In Workshops und Pilotprojekten werden zudem neue potenzielle Anwendungsfälle evaluiert und getestet.

Käfigdrohne für enge Räume

Die Entwicklung der vier Anwendungsfälle PV, Windkraft, Fernwärme und Kamin habe etwa 1,5 Jahre benötigt, sagt Enzinger. Inzwischen bieten die Wiener auch Objektsicherheitsprüfungen von Gebäuden an. Mit einer sogenannten Käfigdrohne können selbst komplexe und enge Räume indoor durchflogen werden. Dabei sei die Drohne, mit einer Reichweite von 200 bis maximal 500 Metern, mit knapp unter 400 mm Durchmesser kleiner als der kleinste Standard-Schacht, spritzwasser- und staubgeschützt sowie in Umgebungen zwischen 0 und 50 Grad Celsius einsetzbar.

Ein weiterer Anwendungsfall ist das Zählen von Zieseln: Der Erhaltungszustand der bestandsbedrohten Nagetiere ist alle sechs Jahre in einem Entwurfsbericht an die EU zu übermitteln. "Im Vergleich zur konventionellen Begehung steigt hier der Detailgrad des Berichts enorm, zusätzlich kann auch hier die Inspektionsdauer reduziert werden", so Enzinger. (sg)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper