Welche Technik soll den Hochlauf ermöglichen? 74 Prozent der befragten Messstellenbetreiber verfolgen Hybridgeräte, die Relais und EEBUS kombinieren.

Welche Technik soll den Hochlauf ermöglichen? 74 Prozent der befragten Messstellenbetreiber verfolgen Hybridgeräte, die Relais und EEBUS kombinieren.

Bild: © Urbans78/Adobe Stock

Der Steuerungsrollout kommt nicht recht in die Gänge, wie eine neue Umfrage zeigt: Von 47 befragten Messstellenbetreibern haben 29 noch keine produktive Steuereinheit installiert. Insgesamt 83 Prozent befinden sich im Labortest, Testfeld oder Pilotbetrieb. Keiner der 42 grundzuständigen Messstellenbetreiber meldet einen regulären Massenrollout.

Grundlage ist der "HG-Marktblick 2026" des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Horizonte-Group. Die Studie zählt Steuereinheiten in der produktiven Sicherheitsinfrastruktur; daraus lässt sich noch kein regulärer netzseitiger Steuerungsbetrieb ableiten.

Für die Befragung zwischen dem 4. August und dem 24. September wurden 81 Antworten ausgewertet: 47 aus dem Messstellenbetrieb, 18 aus dem Netzbetrieb und 16 aus weiteren Marktrollen. Die Erhebung ist nicht repräsentativ. Mehrere Personen desselben Unternehmens konnten teilnehmen.

2027 bleibt das Zieljahr

Breit ausgerollt ist die Technik erst bei wenigen: Zehn Messstellenbetreiber haben bislang ein bis zehn Steuereinheiten produktiv im Einsatz, sechs zwischen 11 und 1.000 und nur zwei mehr als 1.000. Einen regulären Massenrollout melden ausschließlich drei wettbewerbliche Messstellenbetreiber – wobei die Angaben zeigen, dass der Begriff unterschiedlich verstanden wird.

Deutliche Unterschiede zeigen sich nach Unternehmensgröße: Von den Messstellenbetreibern mit höchstens 100.000 Messlokationen haben 80 Prozent noch keine produktive Steuereinheit installiert. Bei Unternehmen mit mehr als 500.000 Messlokationen sind es 38 Prozent.

Trotz des geringen Umsetzungsstands rechnen 62 Prozent der Messstellenbetreiber damit, 2027 einen Massenprozess-Rollout zu beginnen. Darunter sind acht von 15 Unternehmen, die derzeit noch im Labortest stehen. Selbst unter den 29 Befragten ohne ein einziges produktives Gerät erwarten 16 den Start im kommenden Jahr. Das Zieljahr ist damit gesetzt, der Weg dorthin aber noch weit.

Hybridgeräte dominieren die Planung

Welche Technik soll den Hochlauf ermöglichen? 74 Prozent der befragten Messstellenbetreiber verfolgen Hybridgeräte, die Relais und EEBUS kombinieren. Zugleich sehen 47 Prozent die Steuerung direkt über das Smart-Meter-Gateway als perspektivische Lösung. 34 Prozent verfolgen beide Wege parallel. EEBUS-Relais-Converter nennen 21 Prozent, rein relaisbasierte Steuereinheiten 17 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.

Bei den Herstellern werden Theben (47 Prozent), Swistec (40 Prozent), Prolan (38 Prozent) und PPC (23 Prozent) am häufigsten genannt. Die Werte beziehen sich auf Einsatz oder Planung, nicht auf Marktanteile nach verkauften Geräten.

Auch die praktische Erprobung ist noch begrenzt: 57 Prozent aller befragten Messstellenbetreiber haben bislang keinen Steuerungsanwendungsfall erprobt, bei den grundzuständigen sind es 64 Prozent.

Am weitesten ist die Steuerung von Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz, gefolgt von kleineren Einspeiseanlagen nach Paragraf 9 Erneuerbare-Energien-Gesetz. Nur vier Messstellenbetreiber haben die Steuerung von Anlagen über 100 Kilowatt beziehungsweise Redispatch-Anwendungen praktisch über Steuereinheit und Smart-Meter-Gateway umgesetzt.

Netzbetreiber rechnen mit späterem Regelbetrieb

Der Einbau der Steuereinheiten ist allerdings nur eine Seite des Rollouts. Die Netzbetreiber müssen sie auch operativ nutzen können. Während 62 Prozent der Messstellenbetreiber 2027 mit dem Beginn des Massenprozess-Rollouts rechnen, erwarten nur sechs von 18 Netzbetreibern bis Ende 2027 den regulären Betrieb der Bezugssteuerung.

Bei der Einspeisesteuerung sind es fünf, bei Redispatch in der Niederspannung vier. Elf rechnen beim Redispatch erst nach 2028 mit dem Regelbetrieb oder können noch keinen Zeitpunkt nennen.

Für die Studienautoren wird 2027 damit zur Bewährungsprobe: Gelingt die Montage in der Masse, muss der netzseitige Steuerungsbetrieb Schritt halten. Messstellen- und Netzbetreiber sollten Rollout und Betrieb deshalb gemeinsam denken.

Dabei halten zwölf der 18 Netzbetreiber Steuerung bis 2030 für ein zentrales Mittel gegen Netzengpässe. Acht setzen vor allem auf die Steuerung der Einspeisung. Die Bedeutung hängt auch von der Netzstruktur ab: In ländlichen Gebieten steht häufig die dezentrale Einspeisung im Vordergrund, in städtischen Netzen eher der Verbrauch.

Netztransparenz ist noch keine Selbstverständlichkeit

Um gezielt steuern zu können, müssen Netzbetreiber den Zustand ihrer Niederspannungsnetze kennen. Keiner der 18 Befragten hat jedoch mindestens ein Viertel seiner Ortsnetzstationen digitalisiert; zwölf liegen sogar unter zehn Prozent. Wo Stationen digitalisiert sind, erfassen die Unternehmen bereits umfangreiche Messwerte. Für Kabelverteilerschränke haben elf Netzbetreiber noch keine Digitalisierungsstrategie.

Acht von 17 Netzbetreibern haben mit ihrem Netzcockpit mindestens den Pilotbetrieb erreicht, darunter zwei mit einer begrenzten produktiven Lösung. Flächendeckend produktiv arbeitet bislang keiner. Bei der Bezugssteuerung haben vier von 17 Netzbetreibern mindestens einen Ende-zu-Ende-Pilotbetrieb erreicht, bei der Einspeisesteuerung zwei von 16. Die Datenerfassung ist damit weiter als ihre Nutzung für die operative Steuerung.

Nicht die Geräte, sondern die Prozesse bremsen

Die größten Herausforderungen verorten die Befragten in den IT-Systemen und den Abläufen. 68 Prozent zählen die ERP- und Backend-Prozesse der Netzbetreiber zu den drei größten Hürden, 58 Prozent die entsprechenden Prozesse der Messstellenbetreiber. Es folgen Netzcockpits (45 Prozent) sowie Kundenanlagen, Montage und Zählerplätze (41 Prozent). Die Verfügbarkeit der Steuereinheiten nennen dagegen nur 16 Prozent, die WAN-Kommunikation zehn Prozent.

In 47 Freitextantworten zum entscheidenden Engpass zwischen Pilot und Masse verweisen 81 Prozent auf die System- und Prozesskette. Häufig fehlen Datenobjekte und Schnittstellen für automatisierte Abläufe. Parallel beanspruchen ERP-Modernisierungen und die Umstellung auf SAP S/4HANA Kapazitäten. Ein grundzuständiger Messstellenbetreiber beschreibt die Folgen: "Die Negativ-Fälle erfordern ein hohes Maß an manueller Bearbeitung und sind aktuell nicht massenfähig."

Auch die Datenqualität erschwert den Hochlauf. Von 78 Befragten berichtet die Hälfte von Problemen. Unter den Betroffenen nennen 87 Prozent Stammdaten und 51 Prozent Schnittstellen zwischen Systemen. Sind Anlagen und Geräte nicht richtig zugeordnet, werden aus automatisierten Vorgängen manuelle Klärfälle.

Wer bereits installiert, stößt zudem auf Hindernisse vor Ort: Von 18 Messstellenbetreibern mit produktiven Steuereinheiten berichtet die Hälfte über nicht vorbereitete Kundenanlagen, 39 Prozent über unvorbereitete Zählerplätze. Für einen massenfähigen Rollout müssen deshalb nicht nur die IT-Prozesse funktionieren. Auch Kundenanlagen und Zählerplätze müssen so vorbereitet sein, dass die Installation möglichst beim ersten Termin gelingt.

Vom Piloten zum Serienprozess

Bereits 2025 hielten 83 Prozent der Befragten einer früheren Horizonte-Studie einen massentauglichen Rollout bis Ende 2026 für unrealistisch oder schwer umsetzbar. Die Studienautoren sehen ihr damaliges Stufenmodell nun faktisch um rund ein Jahr verschoben. Ein direkter Vergleich ist wegen unterschiedlicher Fragen nur eingeschränkt möglich.

Die Horizonte-Group empfiehlt Messstellen- und Netzbetreibern, Rollout und operativen Steuerungsbetrieb gemeinsam zu planen, Stammdaten und ERP-Prozesse vorzubereiten und Abläufe für den Serienbetrieb zu automatisieren. Erst wenn die gesamte Kette funktioniert, wird aus einzelnen erfolgreichen Installationen ein Massenrollout, dessen Geräte auch im Netzbetrieb nutzbar sind.

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