Michael Wübbels, stellvertretender VKU-Hauptgeschäftsführer: "Ab sofort können Stadtwerke von der Planungs- in die Umsetzungsphase gehen, um bald die ersten Haushalte mit intelligenten Stromzählern auszustatten. Zugleich können sie smarte Geschäftsmodelle für ihre Kunden auf den Weg bringen, beispielsweise digitale Produkte und Services wie die gemeinsame Erfassung von Strom-, Gas- und Wärmeverbräuchen."
Und weiter: "Die Herausforderungen, die mit der zunehmenden Dezentralisierung der Energieerzeugung, den Veränderungen in der Verbrauchsstruktur und den damit einhergehenden Datenmengen auf uns zukommen, können wir nur bewältigen, wenn digitale Technologien wie Smart Meter im Verteilnetz zum Einsatz kommen."
Allerdings müssten die Geräte der ersten Generation zeigen, dass sie die angekündigten Mehrwerte bieten. "Sie müssen zudem beweisen, dass sie praxistauglich sind, sich nahtlos in unterschiedliche Systeme integrieren lassen, quasi per 'plug-n-play' funktionieren und zukunftsfähig per Update sind", so Wübbels. Das sei notwendig, damit Smart Meter etwa in einem Wohnquartier die Stromerzeugung über Photovoltaikanlagen oder die Ladevorgänge von Elektroautos intelligent steuern können.“
PPC
Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender von PPC, freut sich: "Lange haben wir auf den Tag der Markterklärung hingearbeitet. Als erster Hersteller mit zertifiziertem Gateway konnten wir bereits im letzten Jahr mit einem Großteil der Energieversorger in den Rollout starten. Stand heute sind unsere zertifizierten SMGW bei fast 50 Messstellenbetreibern im Einsatz. Das Metering mit einfachen und komplexeren Tarifen funktioniert ebenso wie Submetering oder das Steuern von Erzeugungsanlagen und §14a-Anwendungen über eine Steuerbox. Parallel haben wir bereits neue Anwendungs-Features und TAF entwickelt, die in Kürze mit der ersten Rezertifizierung zur Verfügung stehen."
Eugen Mayer, Vorstand der PPC, fügt hinzu: "Mit dem Smart Meter Gateway erhält Deutschland eine hochsichere und leistungsfähige Plattform, die für eine erfolgreiche Digitalisierung der Energiewende unabdingbar ist – und das mit einem in Europa richtungsweisenden Sicherheits- und Datenschutzniveau."
EMH Metering
"Endlich fällt der Startschuss, um die Infrastruktur für ein digitales Energiesystem auszurollen. Wir bedauern, dass die Aufgabe des Schaltens von EEG-Anlagen es nicht in die erste Runde des Rollouts geschafft hat", so Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH Metering. Das EEG müsse jetzt schnell angepasst werden, damit Smart Meter diese wichtige Aufgabe erfüllen können. Technisch sind sie dazu längst in der Lage. Entscheidend ist, dass Messstellenbetreiber jetzt leistungsstarke Geräte einbauen, mit denen sie dann langfristig für neue Geschäftsmodelle gerüstet sind.
EnBW
In Baden-Württemberg ergibt sich mit dem Start des Rollouts allein für Netze BW die Verpflichtung, bis 2032 über eine halbe Million Stromzähler umzustellen. Mehrere Hundert solcher Smart Meter hat die EnBW-Tochter bereits auf freiwilliger Basis in Liegenschaften von Kommunen installiert, die sich davon Vorteile beim Energiemanagement versprechen.
Mit 2000 Pflichteinbaufällen will Netze BW im März "als eine der ersten" beginnen, erläutert Arkadius Jarek, Leiter des Messstellenbetriebs. "Wir haben unsere Kunden bereits im vergangenen Jahr über die anstehenden Zählerwechsel informiert und können unsere Monteure in der Fläche auf die zusätzlichen Anforderungen einstellen". Gegenüber einfachen elektronischen Zählern, die bereits zu Hunderttausenden verbaut wurden, gehörten dazu vor allem die Einhaltung der sicheren Lieferkette sowie die kommunikative Anbindung mit Hilfe der Smart Meter Gateways. Die bilden den eigentlichen Kern der intelligenten Mess-Systeme (iMS) und unterliegen allerhöchsten Sicherheitsanforderungen. Gemäß dem "Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende" waren die Geräte dreier Hersteller durch das BSI vor dessen "Markterklärung" in puncto Datenschutz und Datensicherheit zu zertifizieren.
MeteringSüd
"Für die Messstellenbetreiber bedeutet das eine Mammutaufgabe", so Michael Grüner, Geschäftsführer der MeteringSüd mit Sitz in Augsburg. Die Smart-Meter-Einführung sei mit bedeutsamen Änderungen für alle Marktrollen verbunden. Erfahrung mit der Umrüstung gäbe es derzeit jedoch kaum. Bisher wurden lediglich Pilotprojekte digitalisiert. Zudem sei es mit dem Einbau der Hardware alleine nicht getan: "Jeder grundzuständige Messstellenbetreiber muss im Zuge des Smart Meter Rollouts parallel eine ganze Reihe administrativer und kommunikativer Prozesse wie Veröffentlichungspflichten, Pflichtanschreiben und vieles mehr stemmen. Um die Umstellung für Stromkunden, aber auch für Lieferanten so transparent wie möglich zu gestalten, ist eine durchdachte Kommunikations-Strategie entscheidend."
Zwar könne auf standardisierte Medien und Kommunikationsmittel, beispielsweise vom BMWi, zurückgegriffen werden. Allerdings würden diese weder ein kundenzentriertes, noch ein unternehmensspezifisches Rollout-Vorgehen berücksichtigen. Grüner betont, dass Betreiber zudem spezielle interne Schulungen organisieren müssten. "Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt sind wichtige Multiplikatoren und als Botschafter für eine reibungslose Umstellung von größter Bedeutung."
Bayernwerk
Die Bayernwerk Netz GmbH (Bayernwerk) wird sofort mit dem Einbau von intelligenten Messsystemen in ganz Bayern beginnen. "Intelligente Messsysteme sind ein wichtiger Baustein für die Stromnetze der Zukunft. Mit ihrer Hilfe können Stromnetze perspektivisch flexibler gesteuert und dadurch Stromerzeugung und -verbrauch besser in Einklang gebracht werden", sagt Ansgar Wetzel, zuständig für den Messstellenbetrieb beim Bayernwerk.
Im Kundenportal des Bayernwerks werden die Werte des Kunden visualisiert, so dass Einsparpotenziale erkannt werden können. Darüber hinaus entfallen für diese Kunden ab sofort die regelmäßige Ablesung und Meldung ihres Zählerstands. Bis 2032 will das Bayernwerk landesweit in seinem Netzgebiet sukzessive bei mehr als 600.000 Kunden ein intelligentes Messsystem einbauen.
Die neue Technologie werde der Baustein für neue Kundenlösungen rund um Effizienz, Vernetzung und Komfort. "Die Energiezukunft kommt damit in die Gebäude. Das ist eine Zeitenwende, eine weitere Zäsur in der Stromgeschichte, die die Energiezukunft mit sich bringt", betont Technik-Vorstand Egon Westphal.
Mainova
Der Frankfurter Versorger erklärte, gut auf den Rollout intelligenter Messsysteme vorbereitet zu sein. Zudem entwickelt Mainova für seine Kunden passgenaue Lösungen zur Verbesserung der Energieeffizienz etwa durch Energiemanagementsoftware zur Visualisierung der individuellen Verbräuche oder auch zeitvariable Tarife.
Die Pflichteinbaufälle mit intelligenten Messsystemen in Frankfurt betreffen rund 30.000 Kunden. Für die Privatkunden ist ebenfalls eine Modernisierung der Zählerinfrastruktur (gesetzlich) vorgesehen: Die Netzdienste Rhein-Main (NRM) verbauen in ihrem Frankfurter Netzgebiet bereits seit 2017 turnusgemäß digitale Stromzähler. Bis 2032 sollen auf diese Weise rund 380.000 moderne Messeinrichtungen den traditionellen schwarzen Ferraris-Zähler ersetzen. Die Geräte haben aber keinen Internetzugang und senden keine Daten, sie können jedoch unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben auf Wunsch zu intelligenten Messsystemen aufgerüstet werden. Dafür werden sie mit dem Smart Meter Gateway als Kommunikationseinheit ergänzt.
BDEW
"Die Markterklärung ist ein wichtiger Schritt hin zur notwendigen Etablierung intelligenter Stromnetze (Smart Grids). Wichtig ist, dass mit der Markterklärung eine transparente und rechtssichere Grundlage für die Investitionen der Unternehmen geschaffen wird", erklärte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.
"Die Bundesregierung und das Bundeswirtschaftsministerium wie auch die umsetzenden Behörden sind daher aufgefordert, auch ihrerseits die Bürger über den Nutzen intelligenter Messsysteme für die Energiewende aufzuklären", appellierte sie an die Politik. Damit die Kunden von den Vorteilen intelligenter Messsysteme profitieren können, müsse die Technologie jetzt schnell weiter verbessert werden. "Hier ist es an der Politik, die richtigen Weichen zu stellen." Das Bundeswirtschaftsministerium hat zum Einbau von intelligenten Messsystemen einen Frage-Antwort-Katalog und einen Informations-Flyer bereitgestellt.
Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne)
Robert Busch, Geschäftsführer des bne, kann dem verspäteten Start nicht viel Positives abgewinnen: "Der vom Gesetzgeber gewählte strenge Regulierungsansatz bei der Einführung von Smart Metern ist verantwortlich dafür, dass der Rollout mit drei Jahren Verzögerung beginnt und die jetzt zertifizierten Geräte keine der notwendigen Funktionen abdecken. Deutschland führt eine Technologie ein, die technisch längst überholt ist, insbesondere Funktionen, die die eigentliche Begründung für den gesamten Vorgang darstellen, nämlich die Bereitstellung von Echtzeitdaten und eine Steuerungsfunktion, fehlen. Auf dieser Basis können Energievertriebe weder die von der Politik den Verbrauchern versprochenen lastvariablen Stromtarife anbieten, noch ermöglichen sie so eine intelligente Steuerung von PV-Anlage, Stromspeicher, Wärmepumpe und das Laden des Elektrofahrzeugs im Sinne des Verbrauchers. Aber nur mit intelligenter Verknüpfung von Stromerzeugung und -verbrauch lassen sich erneuerbare Energien bestmöglich nutzen und effizient in das Energiesystem integrieren. Hier wäre 'Efficiency First' sehr angemessen", so seine Kritik.
Bei der Entwicklung des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) wurden nach Ansicht des bne zwei Faktoren massiv unterschätzt: Auf der einen Seite die Innovationskraft der Unternehmen und die rasante Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, auf der anderen Seite beansprucht der von BMWi und BSI gewählte Verwaltungsprozess zur Weiterentwicklung der technischen Standards für die SMGW sehr viel Zeit und Ressourcen. "Innovative Lösungen, die auch einen echten Verbrauchernutzen beinhalten, kommen auf die Weise kaum in den Markt. Zudem werden die eigentlich notwendigen Funktionen in den nächsten zwei Jahren den Standardisierungsprozess nicht abschließen können", so der Verband. Um nicht völlig aus der Zeit zu fallen, fordert der bne daher die Öffnung des Messstellenbetriebsgesetzes für innovative Messsysteme und -lösungen. Der bne vertritt viele Hersteller solcher "innovativen Messsysteme".
Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI)
Der ZVEI äußerte sich wesentlich positiver: "Smart Meter Gateways werden wesentlich zur Stärkung der digitalen Souveränität Deutschlands im Energiebereich beitragen. Nach einem jahrelangen Prozess kann nun die systematische Einführung intelligenter Messsysteme beginnen und eine zentrale Säule der Energiewende realisiert werden", sagte Anke Hüneburg, Bereichsleiterin Energie.
Dass die Smart Meter Gateways nach Anwendungsfällen differenziert freigegeben wurden, sehe man eher kritisch. "Hier hätten wir uns durchaus ein offensiveres, innovationsfreundlicheres Ergebnis gewünscht, denn technisch ist bereits heute nachweislich viel mehr möglich", bewertet Hüneburg die Marktanalyse. Das Potenzial, das sich durch die hochsichere Kommunikationsplattform des Smart Meter Gateways biete, müsse breit nutzbar gemacht werden. Der Prozess dazu müsse schneller und unkomplizierter laufen als bisher.
"Die Marktanalyse des BSI und der Fahrplan für die weitere Digitalisierung der Energiewende aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) belegen, dass die Geräte technisch jetzt schon mehr Anwendungsfälle bedienen können. Wir erwarten demnach insbesondere hinsichtlich des Einsatzes bei Erneuerbare-Energien-Anlagen noch in diesem Jahr Fortschritte und vertrauen hier auf entsprechende Ankündigungen durch BMWi und BSI", schloss Hüneburg.
