„Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit unseren Partnern interkommunal zusammenarbeiten können und so wertvolle Synergieeffekte nutzen können“, freut sich Kirk Reineke, Geschäftsführer der Stadtwerke Neu-Isenburg (ganz rechts im Bild).

„Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit unseren Partnern interkommunal zusammenarbeiten können und so wertvolle Synergieeffekte nutzen können“, freut sich Kirk Reineke, Geschäftsführer der Stadtwerke Neu-Isenburg (ganz rechts im Bild).

Bild: © Stadtwerke Neu-Isenburg

Ende Juni 2020 haben die Stadtwerke Neu-Isenburg aus Hessen in Kooperation mit dem Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg AöR (DLB) sowie den ebenfalls hessischen Stadtwerken Dreieich ein interkommunales Funk-Datennetz, einen sogenannten LoRaWAN in Betrieb genommen. Als Technologiepartner wurde das Unternehmen Count + Care aus Darmstadt ausgewählt, das die Beratung, die Installation und den Betrieb des Netzes übernommen hat.

Erste Piloten am Laufen

Ende Juni 2020 wurde in der ersten Projektstufe zunächst das erste Gateway auf dem Dach der Stadtwerke Neu-Isenburg installiert; zwei weitere Gateways in Dreieich sind in Planung. Zur Einführung des neuen Funk-Datennetzes wurden von den Stadtwerken Neu-Isenburg als auch vom DLB und den Stadtwerken Dreieich je ein Pilotprojekt gestartet. Die Stadtwerke werden bis Ende September 2020 zunächst zwei Sensoren im Stadtwaldgebiet installieren, um die vorgeschriebene Messung der Grundwasserpegel durchzuführen. Die Messung und Datenübertragung wird dann automatisch erfolgen und in die nachgelagerten Systeme einfließen. Die aufwändige manuelle Messung und das oftmals schwierige Anfahren der einzelnen Messstellen entfallen hiermit.

"Die Datenübertragung an unser Gateway funktioniert bereits", erläutert Uwe Hildebrandt, Bereichsleiter Technik der Stadtwerke Neu-Isenburg. "Um die Reichweite und Zuverlässigkeit des Systems testen zu können, haben wir über einen Zeitraum von drei Wochen zunächst ein Müllfahrzeug des DLB mit entsprechender Sensorik ausgestattet, die den ganzen Tag über Daten liefert."

Messung von Straßenbelagstemperaturen

Ebenso ist die DLB aktuell an der Realisierung des ersten Pilotprojektes. Durch das Anbringen von Sensorik an relevanten Punkten, sollen automatisch Straßenbelagstemperaturen und weitere Parameter gemessen werden, um zukünftig zuverlässig ermitteln zu können, wann mit Straßenfrost zu rechnen und das Ausrücken des Winterdienstes erforderlich ist.

Als weitere Anwendungsmöglichkeiten sind das Auslesen von Wasserzählern, die Überwachung von öffentlichem Parkraum oder Heizanlagen sowie CO2-Messungen angedacht. Die Stadt Neu-Isenburg prüfe derzeit, welche innerstädtischen Anwendungsfälle denkbar sind.

Mieterstromprojekt

Auch das erste Mieterstromprojekt habe man in enger Zusammenarbeit mit der Gewobau abgeschlossen. Insgesamt 88 Lieferstellen werden in einem Wohnareal fast zu zwei Dritteln über das Mieterstromprodukt beliefert. Zu Beginn des Projekts hatten die Stadtwerke damit gerechnet, dass sich etwa 50 Prozent der Mieter an dem Projekt beteiligen werden. "Wir waren von der hohen Erfolgsquote positiv überrascht! Die Mieter waren schnell überzeugt und haben das Vorzeigeprojekt der Region gut angenommen", freut sich Kirk Reineke, Geschäftsführer der Stadtwerke Neu-Isenburg.

Stephan Burbach, Geschäftsführer der Gewobau, ging dabei auf die Mieter zu und erläuterte ihnen persönlich das Modell des Mieterstroms der Stadtwerke. "Wir selbst sind von dem Prinzip Mieterstrom überzeugt und werden gemeinsam mit den Stadtwerken in Zukunft sicherlich noch weitere derartige Projekte umsetzen. Ein zweites Projekt ist bereits in Arbeit. Wir gehen davon aus, dass die Photovoltaik-Anlage im Sommer installiert werden kann und die Wohnungen im Frühjahr 2021 an die Mieter übergeben werden können", führt Stephan Burbach aus. Der Vermietungsbeginn ist für den Spätsommer geplant.

Alt- statt Neubau

"Viele Branchenkenner haben wir mit unserer Entscheidung, ein Mieterstromprojekt in Gebäuden aus dem Altbestand zu beginnen, überrascht, denn die Realisierung ist ungleich schwieriger, als bei einem Neubau. Aber unsere Teams haben hier vor Ort einen tollen Job gemacht und das Projekt gemeinsam zum Erfolg geführt", betont Kirk Reineke.

Erste Überlegungen und Planungen wurden bereits 2018 angestellt und die einzelnen Projektschritte im vergangenen Jahr Schritt für Schritt umgesetzt. Zunächst wurden die fünf Gebäude mit einer Gesamtwohnfläche von über 4000 Quadratmetern elektrisch über einen Hauptanschluss zusammengefasst. Die im Herbst 2019 auf dem Dach der Gebäude Calvinplatz 1-4 installierte Photovoltaik-Anlage verfügt über eine Leistung von 40 kWpeak und wird in einem durchschnittlichen Jahr etwa 40.000 Kilowattstunden Sonnenstrom erzeugen.

Mieterstrom zehn Prozent günstiger

Dieser selbsterzeugte Sonnenstrom dient in erster Linie der direkten Versorgung der Mieter in den Liegenschaften und der Abdeckung des benötigten Allgemeinstroms für beispielsweise die Außenbeleuchtung. Überschüssiger Sonnenstrom wird über den geschaffenen Hauptanschluss in das Netz der Stadtwerke eingespeist. Sollte die Sonne einmal nicht scheinen, liefern die Stadtwerke über den Hauptanschluss in umgekehrter Richtung klimaneutralen Ökostrom an die Mieter.

Neben dem Vorteil einer partiellen Eigenversorgung mit klima- und umweltfreundlichem Sonnenstrom, bietet das Projekt für die Kunden laut den Stadtwerken den Vorteil, dass der Mieterstrom gegenüber der Grundversorgung um zehn Prozent günstiger ist. Mit den jetzt gewonnenen Erfahrungen wolle man nun auch gezielt mit dem Produkt "isySTROM_Mieter" auf Hausverwaltungen und Wohnungseigentümergemeinschaften zugehen.

Weitere Liegenschaften im Visier

Im Zusammenhang mit der erfolgreichen Realisierung des gemeinsamen Pilotprojektes ist inzwischen mit einer Machbarkeitsanalyse begonnen worden, die untersucht, inwieweit weitere Liegenschaften der GEWOBAU mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet und das Modell des Mieterstroms umgesetzt werden kann. Erste diesbezügliche Entscheidungen sollen noch dieses Jahr erfolgen. (sg)

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