Die Gateway-Hersteller bewerten den Vorschlag des Bundesrats für einen beschleunigten und flächendeckenden Einsatz von intelligenten Messsystemen erwartungsgemäß positiv. Liefern aber zugleich eine schlüssige Begründung: Die Forderungen der Länderkammer nach einem zügigen Rollout über den Pflichtausbau hinaus, unterstreicht den hohen Stellenwert der Gateways für die Energie- und der Verkehrswende, heißt es bei PPC aus Mannheim. Es wäre fatal, wenn eine zu zaghafte Digitalisierung diese beiden Megatrends gefährden würde. "Vielmehr müssten, wie auch im Barometer gefordert, zusätzliche Anreize zum beschleunigten Rollout etabliert werden."
EMH Metering
Zustimmung kommt auch von EMH Metering: „Ein breiter Einsatz von intelligenten Messsystemen ist der wirtschaftlich vernünftigste Weg. Die Rechnung ist ganz einfach: Durch höhere Stückzahlen sinken die Kosten erheblich. Das betrifft sowohl die Gerätepreise – aber auch die Fixkosten, etwa für die IT-Infrastruktur, sinken, wenn mehr Geräte zum Einsatz kommen. Besonders effizient wird ein Voll-Rollout, wenn mehrere Messpunkte an ein Gateway angebunden werden. Mit dieser Multi-Mandantenstrategie lassen sich ganze Liegenschaften über ein Gerät in die digitale Energiewelt transferieren. Alle Marktteilnehmer profitieren davon. Aus meiner Sicht ist es daher nicht mehr eine Frage ob, sondern wann der Voll-Rollout kommt“, sagt EMH-Metering-Chef Peter Heuell.
Theben
Ähnlich auch Theben: "Durch die weitere Energie- und Verkehrswende und der damit verbundenen weitergehenden Elektrifizierung, einer immer stärkeren Aufmerksamkeit für IT-Security in der Gesellschaft und nicht zuletzt auch über die in der Standardisierungsroadmap von BMWi und BSI behandelten Themen laufen wir sowieso in einen zumindest sehr flächendeckenden Rollout hinein", unterstreicht Ruwen Konzelmann, Head of Business Unit bei Theben. Wenn man das heute antizipiere und politisch umsetze, dann wäre dies aus Effizienz- und Kostengründen sicher sehr sinnvoll.
Rheinenergie
Skeptischer hingegen sind die Netzbetreiber: Die Rheinenergie erkennt mit den aktuellen Preisobergrenzen (POG) aus Sicht der grundzuständigen Messstellenbetreiber keinen Sinn in einem Vollrollout. "Allein bei den Pflichteinbaufällen sind die POG bis zu dem Verbrauchscluster von 20.000 kWh/a nicht auskömmlich." Beim grundzuständigen MSB würden damit weitere Kosten entstehen, die er nicht decken könne.
Netze BW
Netze BW sieht in den intelligenten Messsystemen zwar ein "riesiges Potenzial". "Wir betrachten sie als Plattform für datenbasierte Mehrwerte wie Submetering, Mehrspartenabrechnungen bis hin zum umfassenden Energiecontrolling oder Smart Home Anwendungen. Auch sensorbasierte IoT-Services bieten sich an, da ein Messstellenbetreiber ja alles messen kann." Von daher wäre ein Full-Rollout grundsätzlich wünschenswert. Die EnBW-Netztochter schränkt aber auch ein: Die Digitalisierung des Messwesens bedeute einen Kraftakt, "vom Aufstellen neuer Prozesse im Betrieb über die IT bis zur Fortbildung der Mitarbeiter". Innerhalb der Preisobergrenzen würden schon die Pflichteinbauten immense Herausforderungen bilden – gerade für einen Flächennetzbetreiber.
Um Kosten zu senken, arbeitet der Netzbetreiber aus Karlsruhe daher an Lösungen wie der 1:n-Anbindung – sprich ein Gateway für mehrere Basiszähler. Für einen wirtschaftlichen darstellbaren zügigen Vollrollout müssten auch die Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden, fordert Netze BW.
TMZ
Die Dienstleister tendieren klar zum Vollrollout, wenn auch mit der einen oder anderen Einschränkungen. So heißt es etwa bei der TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service GmbH: "Ein Vollrollout kann aufgrund sich einstellender Skaleneffekte zu einer Senkung der Kosten bei intelligenten Messsystemen führen. Weiterhin wäre ein Vollrollout auch prozessual zu befürworten, da dadurch keine unterschiedlichen Abläufe für moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme organisiert werden müssten. Künftige Anforderungen wie ein untertägiger Versorgerwechsel oder ein Peer-to-peer-Handel machen einen Vollrollout zwingend."
TMZ vermutet jedoch, dass die festgelegten Obergrenzen für geringe Jahresverbräuche für einen Vollrollout trotz sich einstellender Skaleneffekte nicht kostendeckend sein werden. Zusätzliche Erlöspotenziale aus dem Smart-Grid-Bereich könnten die Wirtschaftlichkeitslücken schließen, so der Vorschlag. Dies würde jedoch eine Kostenverlagerung in Richtung Netz bedeuten.
Soluvia Energy Services
Soluvia Energy Services, Tochter von MVV-Energie, sieht in einem erweiterten oder gar flächendeckenden Rollout in vielen Bereichen konkrete Mehrwerte und Vorteile. Daher stehe man diesem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber. "Die Integration weiterer Energiearten ist sicher überfällig, zu lange wurde der Fokus rein auf Strom gelegt. Die Einbeziehung weiterer Medien entspricht zudem den ebenfalls vorhandenen Potenzialen im Sinne einer ganzheitlichen Energie- und Wärmewende", sagt Soluvia Energy Services-Geschäftsführer Gerald Hornfeck.
Die weitere Verbreitung der Geräte ermögliche gleichzeitig die weitergehende Einbeziehung von schalt- und steuerbaren Lasten. Am Ende bietet das die Möglichkeit von Dynamik und Flexibilität hinsichtlich Netzausbauplanung und Mehrwerten, wie variablen Tarifen für die Kunden, unter Berücksichtigung von Netzzuständen durch dezentrale Erzeugung.
e.kundenservice Netz
Positiv auch die Bewertung von e.kundenservice Netz: Bekäme jeder Kunde ein intelligentes Messsystem, könnten mehr Menschen von den Vorteilen des intelligenten Messwesens profitieren. "Bei so einem Vollrollout könnten wir schneller, umfangreichere Mehrwertservices anbieten", so die Eon-Tochter.
Tremondi
Auch Tremondi, Joint Venture von Wilken und IVU, nennt einen Vollrollout grundsätzlich sehr sinnvoll und zukunftsorientiert. Für die Digitalisierung sei er unerlässlich. "Allerdings ist es momentan noch schwierig, dies kostendeckend abbilden zu können. Hiervon betroffen sind die privaten Haushalte, die aufgrund der niedrigen Preisobergrenzen nur schwierig kostenneutral ausgebaut werden können."
Voltaris
Den Nutzen der intelligenten Messsysteme hebt Voltaris hervor: "Stadtwerke und Netzbetreiber können jetzt Mehrwertprodukte anbieten, die einen hohen Kundennutzen haben und gleichzeitig die Energiewende voranbringen", sagt Geschäftsführer Karsten Vortanz.
Digimondo
Auf eine weitere Herausforderung weist der ostdeutsche Dienstleister Digimondo hin. Die Idee einer möglichst hohen Quote von intelligenten Messsystemen im Vergleich zu modernen und konventionellen Messeinrichtungen sei zwar langfristig betrachtet sehr sinnvoll, dafür müssten allerdings die Rahmenbedingungen noch optimiert werden.
So sei etwa die Erstverfügbarkeit günstiger, flächendeckender und hochverfügbarer M2M-Kommunikationsanbindungen ein Schlüsselfaktor für die Erfolgsaussichten eines Full-Rollouts intelligenter Messsysteme. "Leider befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich der Mobilfunkabdeckung bestenfalls im hinteren Mittelfeld", erklärt Digimondo. Weiter sollte darauf geachtet werden, dass grundzuständige Messstellenbetreiber dieselbe Leistungsfähigkeit entfalten können wie rein wettbewerblich agierende Unternehmen. "Eine Benachteiligung grundzuständiger Messstellenbetreiber durch Preisobergrenzen, diskriminierungsfreie Zusatzleistungen und ähnliche Einschränkungen sollte aufgehoben werden. Sie steht im direkten Widerspruch zu den Forderungen des Bundesrats. Zumal die Grenzen zwischen Grundzuständigkeit und Wettbewerblichkeit spätestens durch die Anbindung der unregulierten Medien und bei der Submetering-Integration verschwimmen", verdeutlicht das Unternehmen.
Gwadriga
Für Michael Sobotka, Geschäftsführer der Berliner Gwadriga, wird das intelligente Messsystem zum wichtigsten Baustein für die Digitalisierung der Energiewende. Das Gateway biete perspektivisch gesehen einen sicheren und verlässlichen Kanal zum Endkunden, auf dem perspektivisch vielfältige öffentliche und private Dienste angeboten werden können. "Wenn diese verlässliche Plattform erst einmal flächendeckend zur Verfügung steht, werden sich schnell entsprechende Mehrwertangebote etablieren. Ein Vollrollout würde die Digitalisierung somit insgesamt einen enormen Schub geben und ist meines Erachtens auch volkswirtschaftlich sinnvoll", so Sobotka. Allerdings seien dazu entsprechende öffentliche Mittel, mindestens im Sinne einer Anschubfinanzierung, nötig.
Smartoptimo
Eine neue Idee bringt Smartoptimo ins Spiel: Zwar werde der Vollrollout von vielen Interessengruppen als sinnvoll erachtet, lasse sich aber auf Basis derzeitiger Funktionen und Mehrwerte der Smart Meter Gateways nicht für alle Kundengruppen argumentieren. "Nicht alle profitieren genügend von dem Nutzen oder anders gesagt, die Kosten sind höher als die erreichbaren Vorteile für Nutzer mit geringen Verbräuchen. Wir befürworten einen smarten Rollout – also dort, wo es sinnvoll ist", sagt Geschäftsführer Fritz Wengeler.
Perspektivisch gebe es noch diverse Entwicklungsmöglichkeiten mit Kundennutzen. Im Bereich Wohnungswirtschaft etwa gebe es viele Anwendungsbeispiele. "Wir sprechen nicht nur von Services im Bereich Strom oder Gas, sondern auch über Submetering und andere Sparten wie Wasser und Wärme. Ein interessanter Markt für Stadtwerke", so Wengeler. Das iMSys biete einen sicheren Kommunikationskanal, auf dessen Basis neue Geschäftsmodelle aufgesetzt werden können. "Dieses führt dann unweigerlich zu weiteren Use-Cases mit Kundennutzen bzw. positivem Business Case außerhalb der Pflichteinbaufälle. Daher ist unsere Meinung: Wenn die technische Basis vorhanden ist, wird der Markt den erweiterten Rollout regeln", so das Fazit des Smartoptimo-Geschäftsführers.
E&Y
Frank Fleischle, Partner bei E&Y, verweist darauf, dass der Vollrollout eine Option sei, für die sich zahlreiche EU-Nachbarn entschieden haben. Angesichts von über 40 Mio. Hausanschlüssen sei die Frage nach der Kosten-Nutzen-Relation in Deutschland besonders sorgfältig abgewogen worden. "Mit Blick auf die sich abzeichnende Nutzung der Smart-Meter-Gateways auch als Plattform für Mehrwertdienste muss diese Frage absehbar neu bewertet werden", so seine Forderung. Auch um die Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen unter Nutzung des Gateways zu verbessern, sollte eine Ausweitung der Pflichteinbaufälle für die Zukunft geprüft werden.
PWC
Aus Sicht von Ralf Kurtz, Smart-Meter-Experte bei PWC, hat der Bundesrat ohnehin keinen regulatorisch herbeigeführten Vollrollout gefordert. Er möchte ihm zufolge vielmehr, dass intelligente Messsysteme schneller verwendet werden, um Energiewende und Klimaschutz zu unterstützen. Dabei habe die Länderkammer vor allem die fehlende Akzeptanz der Kunden als wichtigen Stellhebel ausgemacht.
"Das Thema wird zu wenig vom Kunden aus gedacht. Die Akzeptanz des Kunden – und damit meine ich nicht nur den privaten Endkunden, sondern auch Gewerbekunden wie Immobilienunternehmen, ist aber entscheidend", betont Kurtz. Nur mit deren Akzeptanz würden sich auf freiwilliger Basis auch Handlungen herbeiführen lassen, die die Energiewende unterstützen. (sg)
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