"Im Zuge der Diskussion mit verschiedenen Marktteilnehmern ist deutlich geworden, dass mit der Verwendung von Begriffen wie beispielsweise 	‚Gerätegeneration 1 und 2‘ unterschiedliche Erwartungshaltungen an die eigentliche Gerätelösung gestellt werden", sagt Dennis Laupichler vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

"Im Zuge der Diskussion mit verschiedenen Marktteilnehmern ist deutlich geworden, dass mit der Verwendung von Begriffen wie beispielsweise ‚Gerätegeneration 1 und 2‘ unterschiedliche Erwartungshaltungen an die eigentliche Gerätelösung gestellt werden", sagt Dennis Laupichler vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Bild: © BSI

Herr Laupichler, es soll noch dieses Jahr eine weitere Marktanalyse geben. Inwiefern hat diese Analyse Einfluss auf die Markterklärung beziehungsweise die Feststellung der technischen Möglichkeit? Ab wann kann es losgehen?
Die Marktanalyse bildet die Grundlage für die Feststellung der technischen Möglichkeit nach § 30 MsbG durch das BSI, mit der offiziell – bei Vorliegen aller Voraussetzungen – die Rollout-Verpflichtung der grundzuständigen Messstellenbetreiber beginnt. Mit der Marktanalyse erhebt das BSI Informationen zum aktuellen Stand der Umsetzung. Das heißt, dass über die betrachtete Wertschöpfungskette von der Messeinrichtung über das Smart-Meter-Gateway, den Gateway-Administrator und die Backend-Systeme hinweg aufgezeigt wird, wie weit der Markt die vorgegebenen BSI-Standards umgesetzt hat. Dabei stellen wir insbesondere fest, ob mindestens drei voneinander unabhängige Hersteller jeweils eine Smart-Meter-Gateway-Produktzertifizierung erfolgreich beim BSI abgeschlossen haben.

Turnusmäßig wird die Marktanalyse durch das BSI immer jährlich Ende Januar aktualisiert. Zudem wird das BSI auch anlassbezogen die Marktanalyse aktualisieren. Dies erfolgt beispielsweise, wenn weitere Hersteller und Dienstleister ihren Zertifizierungsprozess erfolgreich abgeschlossen haben. Mit Erteilung des dritten Zertifikats an einen Smart-Meter-Gateway-Hersteller werden wir parallel die Marktanalyse aktualisieren, so dass darauf aufbauend direkt die technische Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme feststellt werden kann. Diese Feststellung ist ein Verwaltungsakt, den wir auf unseren Internetseiten bereitstellen und durch Veröffentlichung im Bundesanzeiger bekannt machen.

Die Branche war vergangenes Jahr schon sehr zuversichtlich, dass es mit dem Smart-Meter-Gateway-Rollout offiziell losgehen würde, nun ist ein weiteres Jahr vergangen. Was war der Grund für die Verzögerung? War es nur die sichere Lieferkette, oder gab es noch andere Ursachen?
Das BSI überprüft im Rahmen des Produktzertifizierungsverfahrens die Prüfergebnisse der Prüfstellen. Wir überprüfen zum Beispiel die Ergebnisse der Gerätetests, die Angaben der Hersteller in Form von funktionalen Tests, Quellcode-Analysen und Penetrationstests, um die Einhaltung der hohen Vorgaben zum Datenschutz und zur IT-Sicherheit nach dem Messstellenbetriebsgesetz auch einheitlich zu gewährleisten. Auf Basis der Prüfungen werden in der Regel weitere Nachbesserungen seitens der Hersteller an den Produkten und der Gerätedokumentationen erforderlich, die dann erneut zur Prüfung eingereicht werden müssen. Dies hat meist Auswirkungen auf den zeitlichen Abschluss des eigentlichen Zertifizierungsverfahrens.

Die Prüfung der erfolgreichen Umsetzung von sicheren Auslieferungsprozessen von Geräten ist nur ein kleiner Bestandteil des Zertifizierungsverfahrens. Neben der eigentlichen Produktprüfung sind zusätzlich zu den Auslieferungsprozessen auch Herstellungs- und Entwicklungsprozesse Bestandteil der Zertifizierung, führen aber in der Regel ebenso nicht zu den zeitlichen Verzögerungen zur Bereitstellung eines gefestigten und finalen Produkts. Wir befinden uns in engem Austausch sowohl mit den Herstellern als auch mit den Prüfstellen und begleiten die Verfahren sehr eng. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir bis Ende des Jahres die dritte Zertifizierung für ein Smart Meter Gateway erteilen können und der verpflichtende Rollout noch 2019 beginnen kann.

Das BSI will künftig nicht mehr von Generation-1- oder 2-Geräten sprechen.Woher kommt dieser Sinneswandel?
Im Zuge der Diskussion mit verschiedenen Marktteilnehmern ist deutlich geworden, dass mit der Verwendung von Begriffen wie beispielsweise "Gerätegeneration 1 und 2" unterschiedliche Erwartungshaltungen an die eigentliche Gerätelösung gestellt werden. Unter anderem wird bei der Verwendung der Begriffe verstanden, dass hier unterschiedliche Hardware-Plattformen erforderlich sind. Nach aktuellem Stand des BSI und nach Konsolidierung mit den Smart-Meter-Gateway-Herstellern ist diese Wahrnehmung allerdings nichtzutreffend.

Die zertifizierten Smart-Meter-Gateways bieten aktuell alle notwendigen Funktionen, um die geforderten Anwendungsfälle des Basisprofils der BSI TR-03109-1 abzudecken. Neben den abrechnungsrelevanten Tarifanwendungsfällen wird ebenso seitens der zertifizierten Produktlösungen ein sicherer Kommunikationskanal (CLS) funktional ermöglicht, sodass weitere Anwendungsfälle über angebundene CLS-Mehrwert-Produkte an der HAN-Schnittstelle gefördert werden. Mit jedem weiteren Feature-Update, welches das BSI mit Herstellern und Anwendern regelmäßig abstimmt und welches über den sicheren Firmware-Update-Prozess eingespielt wird, wird der Funktionsumfang der zertifizierten Kommunikationsplattform zielgerichtet erweitert. Das BSI hat bereits in Errata-Dokumenten Präzisierungen der Tarifanwendungsfälle für netzdienliche Anwendungen – unter anderem den Abruf der Ist-Einspeisung und die Übermittlung von Netzzustandsdaten – sowie Mehrwertdienste (Disaggregation) vorgenommen. Die Umsetzung dieser Vorgaben verfolgen aktuell die Gateway-Hersteller. Der Funktionsumfang der Geräte wächst also beständig in einem kontinuierlichen Weiterentwicklungsprozess, welchem der Generationenbegriff nicht gerecht wird.

Die Firmware-Updates der Hersteller werden durch das BSI im Zuge eines Re-Zertifizierungsverfahrens überprüft. Nach Abschluss der Zertifizierung werden die bereits ins Feld gebrachten Smart-Meter-Gateways über den sicheren Firmware-Update-Prozess das zertifizierte Update erhalten. Der sichere Firmware-Update-Prozess ist fester Bestandteil der CC-Zertifizierung und kann dann vom Gateway-Administrator aus der Ferne durchgeführt werden.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

Lesen Sie morgen in Teil 2: Was das BSI zur Hausheld-Lösung sagt, zur Safety-Bag von EMH Metering und was die Teilnehmer an den Metering Days am häufigsten bei der Bonner Behörde angefragt haben.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper